Meyer: Müssen mit Wolf leben lernen Trotz Rückkehr des Wolfes: Mehr Schafe in Niedersachsen

Die Zahl der Schafe in Niedersachsen nimmt zu. Foto: Jörn MartensDie Zahl der Schafe in Niedersachsen nimmt zu. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Trotz der Rückkehr des Wolfes nimmt die Zahl der Schafe und Schafhalter in Niedersachsen zu. Das geht aus Zahlen des Landwirtschaftsministeriums hervor.

Demnach stieg die Zahl der Schafe 2015 auf 167.100 Tiere. 2013 waren es laut Ministerium fast acht Prozent weniger. Auch die Zahl der schafhaltenden Betriebe nahm um gut 100 auf 1100 zu. Damit wuchs der landwirtschaftliche Zweig in Niedersachsen deutlich stärker als in Gesamtdeutschland, wo das Plus bei nicht einmal einem Prozent lag. Die Zahlen beziehen sich allerdings ausschließlich auf landwirtschaftliche Betriebe mit mindestens 20 Tieren, Hobbyhaltungen werden nicht erfasst. (Weiterlesen: „Wegen der Wölfe droht der Schäferberuf auszusterben“)

Neue Fördermöglichkeiten

Das Ministerium führt die Entwicklung auf neue Fördermöglichkeiten zurück: Die rot-grüne Landesregierung habe Heide- und Deichflächen in die Agrarprämien aufgenommen. Dadurch stünden jährlich gut drei Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.

Seit der Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen wird darüber gestritten, wie Weidehalter ihre Tiere gegen den Rückkehrer schützen können. 2015 rissen Wölfe in Niedersachsen laut amtlicher Tabelle 162 Nutztiere wie etwa Schafe. Im laufenden Jahr waren es bislang 108 Opfer, für die definitiv der Wolf verantwortlich zeichnete. (Weiterlesen: Wölfe töteten seit Rückkehr 400 Nutztiere in Niedersachsen)

Dies veranlasste Umweltminister Stephan Wenzel (Grüne) kürzlich zu der Prognose, die Zahl der Angriffe werde das Vorjahresniveau wohl nicht überschreiten. Seine Schlussfolgerung: Maßnahmen zum Herdenschutz greifen, die Beratung der Nutztierhalter sei erfolgreich.

Rufe nach Abschuss

Widerspruch kam sowohl vom Bauernverband Landvolk als auch von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Landesvorsitzender Ottmar Ilchmann erklärte in einer Mitteilung: In einer Situation, in der nutztier-spezialisierte Wolfsrudel Zäune zu überwinden lernten und in der sich Wolfspopulationen weiter in Regionen mit ausgeprägter Rinder-Weidetierhaltung ausdehnten, verständen viele Landwirte die Äußerungen des Umweltministeriums einmal mehr als bloße Beschwichtigung. Auch einen Abschuss auffälliger Wölfe schloss Ilchmann nicht aus: „Es führt kein Weg um eine tabufreie Debatte vorbei“, so der Verbandsvorsitzende.

(Weiterlesen: Landvolk sieht Weidehaltung in Niedersachsen bedroht)

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) entgegnete im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir müssen mit den Wölfen leben lernen.“ Die Gefahr für die Weidehaltung sei nicht der Wolf, „sondern die industrialisierte Landwirtschaft oder die Benachteiligung der Weidehaltung in der neuen Düngeverordnung des Bundes“.


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