„Amo Police“ von „Aseef & Bestie“ Rapper veräppeln Polizei im Video – und die Beamten helfen


Osnabrück. Zwei Gangster-Rapper aus Wolfsburg veralbern in einem Musikvideo die Polizei – und die Beamten sollen sie dabei unterstützt haben. Nun droht den Musikern und der Polizei Gifhorn ein Nachspiel.

Nein, Oscar-reif ist das Musikvideo „Amo Police“ der beiden Rapper „Aseef & Bestie“ aus Wolfsburg sicherlich nicht. Darin spielen die Musiker zwei Verbrecher, die zwei Polizisten überwältigen, in deren Uniformen an unfähigen Polizisten vorbeiziehen und in einem Streifenwagen fliehen. Kaum in Freiheit, bedienen sie die typischen Gangster-Klischees: Sie nehmen Drogen, fuchteln und prahlen mit ihren Waffen und klopfen einer Frau mit ihrem Schlagstock auf den Hintern – all das in der Uniform der Polizei Niedersachsen und angeblich mit Genehmigung der Polizei Gifhorn. Für die Beamten hagelt es seitdem Spott und Kritik. Die Verantwortlichen in Gifhorn wiederum sind sauer und enttäuscht. (Weiterlesen: Jan Böhmermanns veräppelt Polizei in Video: „Ich hab Polizei, beste Schlägertruppe“)

Polizei überprüft Firma und erteilt Drehgenehmigung

„Wir verstehen hier alle Spaß und können auch mal über uns selbst lachen, aber bei diesem Video sind die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Als ich das Video gesehen habe, habe ich gedacht: ‚Was ist denn jetzt los?‘“, sagte Michael Feistel, Leiter der Polizeiinspektion Gifhorn, in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Wie konnte es überhaupt zum Gangster-Rap-Videodreh kommen?

Eine Stunde Dreh in einem Raum

Als eine Produktionsfirma Mitte Juli die schriftliche Anfrage für einen Dreh in den Räumen der Polizei stellte, sei weder von einem Musikvideo noch von den beiden Rappern die Rede gewesen. Angekündigt wurde lediglich eine „spaßige Story“, bei der die Polizei nicht diffamiert werden sollte. Bei der Überprüfung der Firma sei nichts besonders aufgefallen, ohnehin seien derartige „Medienanfragen“ nichts ungewöhnliches, so Feistel. Mitte August rückten Musiker, Schauspieler und Kamerateam in Gifhorn an. Unter Aufsicht der Polizei drehte das Team rund eine Stunde lang in einem Dienstraum, dem davor liegenden Flur und vor dem Gebäude – stutzig wird auch dort kein Polizist. Weitere Unterstützung durch die Beamten gab es laut Feistel jedoch nicht. Der einstündige Dreh reichte bereits für tagelangen Ärger.


Wurde die Polizei getäuscht?

Die Einsicht vor der Veröffentlichung des fertigen Videos war nicht vereinbart. „Wir wussten nicht, was entstehen soll. Man mag unser Verhalten blauäugig nennen, aber unsere Gutgläubigkeit und unser Entgegenkommen wurden ausgenutzt“, sagte Feistel. Wäre der wahre Hintergrund des Drehs im Vorfeld Hintergrund bekannt gewesen, hätte man die Genehmigung wohl nicht erteilt, so der Leiter der Polizeiinspektion Gifhorn. Die beiden Rapper sollen polizeibekannt sein. Dem Vorwurf der Täuschung widerspricht das Management der Musiker.

Polizei kündigt Ermittlungen an

André Peschke von RZ Recordingz sagt auf Anfrage, man habe „allen relevanten Stellen mitgeteilt, dass es um einen Musikvideodreh geht.“ Auch der Name des Duos sei „bei genaueren telefonischen Gesprächen mitgeteilt“ worden. Beim Dreh seien die Namen auf fiktiven Fahndungsfotos klar erkennbar gewesen. Weil „Aseef & Bestie“ kaum bekannt sind, habe man ihnen nicht viel Beachtung geschenkt, vermutet Peschke.

Sind „Aseef & Bestie“ wie „Herr Holm“?

Der Inhaber von RZ Recordingz kann im „Endergebnis weder eine Diffamierung der Polizei noch eine hinterlistige Verdrehung der Ausgangsinformationen“ erkenn. Die „übertrieben-lustige Art“ der Darstellung der Polizeibeamten vergleicht er mit dem Kabarettisten Dirk Bielefeldt, der seit vielen Jahren in der Rolle des Polizeibeamten „Herr Holm“ das Beamtentum durch den Kakao zieht. Trotz aller Beteuerungen droht den am Dreh beteiligten Ärger. Man werde den Vorfall nun in Gänze betrachten und „jeden Ermittlungsansatz verfolgen, der sich uns ergibt“, sagte Leiter der Polizeiinspektion Gifhorn.

Waffen, Uniformen und Streifenwagen

Dann solle unter anderem geklärt werden, woher der im Video eingesetzte Streifenwagen, die Waffen und die Uniformen stammten. Das Management von „Aseef & Bestie“ sieht derartigen Ermittlungen gelassen entgegen. Alle Utensilien seien von einer renommierten Filmverleihfirma gemietet worden. Dass das Video rund einen Monat nach der Veröffentlichung solche Wellen schlage, sei für das Management „absolut unverständlich“. Peschel vermutet, dass mit den angekündigten Ermittlungen „nach Verantwortlichkeiten gesucht“ würde. Dabei gäbe es sicher wichtigere Betätigungsfelder für die Polizei, so Peschel weiter. Doch auch dem Polizeiinspektionsleiter Feistel und seiner Behörde drohen Ungemach.

Vertrauen verloren

Daniel Dahlke, der Sprecher der zuständigen Polizeidirektion Braunschweig, will mit den Gifhornern ein Gespräch über die Standards bei Genehmigungen führen. Die Wolfsburger CDU-Landtagsabgeordnete Angelika Jahns will den Clip im Innenausschuss zum Thema machen. Die Vorwürfe: Das Video erweckt nach außen einen falschen Eindruck von der Arbeit der Polizei, nach innen ist der Eindruck entstanden, die Gifhorner hätten sich aktiv an der Veralberung der Polizei beteiligt. „Wir müssen intern verlorenes Vertrauen wiederherstellen,“ sagt Feistel. Er ärgerte sich jedoch darüber, dass sich von den Kritikern bislang niemand bei ihm gemeldet habe.



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