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24.11.2016, 18:46 Uhr KOMMENTAR ZUM KAMPF GEGEN VOGELGRIPPE

Massentötung als Vorsichtsmaßnahme: Muss das sein?

Kommentar von Dirk Fisser

Im Kampf gegen die Geflügelpest werden auch Tierbestände getötet, die nicht von der Vogelgrippe betroffen sind. Foto: dpaIm Kampf gegen die Geflügelpest werden auch Tierbestände getötet, die nicht von der Vogelgrippe betroffen sind. Foto: dpa

Osnabrück. Als Vorsichtsmaßnahme werden Zehntausende kerngesunde Tiere getötet. Muss das wirklich sein? Ein Kommentar zum Kampf gegen die Vogelgrippe in Deutschland.

Es ist schon paradox: Da wird breit darüber diskutiert, ob es legitim ist, männliche Küken nach dem Schlüpfen millionenfach zu töten. Ebenso emotional wird darüber gestritten, ob den Tieren der Schnabel gekürzt werden sollte, damit sie sich nicht gegenseitig zerhacken. Und generell wird viel darüber nachgedacht, wie man das kurze Leben der Nutztiere etwas lebenswerter machen kann.

Kommt nun aber der Vogelgrippe-Erreger um die Ecke, treten die vormaligen ethischen Bedenken in den Hintergrund und es wird massenhaft getötet. Nicht nur, wenn das Tier erkrankt ist. Es reicht schon aus, wenn es das Pech hatte, in der Nachbarschaft eines betroffenen Betriebes eingestallt gewesen zu sein. Per Gas oder Strombad wird ihm dann ein Ende gesetzt.

Es ist ein krasses Missverhältnis, das sich hier im Umgang mit und im Verhältnis zu den Tieren offenbart. Die Panik, die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft jedes Mal dann ergreift, wenn die Geflügelpest auftritt, scheint ein Nachdenken über alternative Wege – etwa Beprobung der Nachbarställe oder Impfstoffforschung – zu verhindern. Ganz selbstverständlich wird das eingeübte Prozedere abgespult, es hat sich bewährt. Ebenso selbstverständlich im Übrigen wie auch jahrzehntelang das Töten männlicher Küken war. Richtiger wurde es dadurch nicht. (Weiterlesen: Tierärzte zu Vogelgrippe: Massentötung „ethisch fragwürdig“)


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