Osnabrück und Emsland Wie Kliniken mit Bedrohungen in der Notaufnahme umgehen

Von Meike Baars

Kliniken schlagen Alarm: Immer häufiger kommt es zu gewalttätigen Übergriffen von Notfallpatienten. Ein besorgniserregender Trend auch in der Region?. Foto: David EbenerKliniken schlagen Alarm: Immer häufiger kommt es zu gewalttätigen Übergriffen von Notfallpatienten. Ein besorgniserregender Trend auch in der Region?. Foto: David Ebener

Osnabrück. Eigentlich sollen Ärzte und Krankenschwestern leben retten, doch immer wieder geraten sie selbst in Gefahr – wenn Patienten in der Notaufnahme gewalttätig werden. In einigen Kliniken liegen Übergriffe an der Tagesordnung. Wie sieht es in der Region aus?

Oft geht es hier um Minuten, manchmal um Sekunden: Notaufnahmen sind die erste Anlaufstelle für medizinische Notfälle. Wer am dringlichsten ärztliche Hilfe benötigt, wird zuerst behandelt – normalerweise. Denn immer wieder kommt es vor, dass Ärzte und Krankenschwestern von ihrem eigentlichen Job abgehalten werden, weil pöbelnde und prügelnde Patienten in der Notaufnahme wüten. Bedrohungen, Beschimpfungen und Schläge: Einige deutsche Kliniken schlagen Alarm. Die Gewalt in Notaufnahmen habe zugenommen. Ein besorgniserregender Trend, der sich auch in der Region Osnabrück und im Emsland zeigt?

Bedrohliche Situationen

„Der Ton wird rauer“, sagt Wilhelm Wolken, Geschäftsführer des Ludmillenstifts in Meppen. Gewalttaten von Patienten habe es in seiner Klinik in der jüngeren Vergangenheit zwar nicht gegeben, aber die Mitarbeiter in der Notaufnahme seien sensibilisiert. „Nach unserer Einschätzung könnte es zu bedrohlichen Situationen kommen“, so der Klinikchef. In den Behandlungsräumen der Notaufnahme gebe es deshalb Notfallknöpfe, mit denen das Personal Hilfe rufen könne.

Mehrere Übergriffe von gewalttätigen Patienten pro Woche verzeichnet das Osnabrücker Marienhospital. „Das gehört leider ein Stück weit zum Alltag“, sagt Kliniksprecher Michael Schiffbänker. Eine Zunahme dieser Fälle gebe es zwar nicht, „aber jeder Einzelfall ist einer zuviel“. (Weiterlesen: Steigende Aggressionen in Delmenhorster Notaufnahme)

Das Marienhospital liegt direkt in der Innenstadt – und in unmittelbarer Nähe zum Osnabrücker Salzmarkt, lange Zeit ein Szenetreff für Alkoholiker und Drogensüchtige. Sie sind eine der Tätergruppen, die in Notaufnahmen randalieren und gegenüber Mitarbeitern ausfällig werden. Psychisch Erkrankte seien ebenfalls eine potenzielle Gefahr für das medizinische Personal. Und immer wieder seien es „testosteronschwangere junge Männer nach dem Diskobesuch“, die ihren Aggressionen in der Notaufnahme freien Lauf lassen, wie es Sprecher Schiffbänker formuliert.

Enge Zusammenarbeit mit der Polizei

Im Lingener Bonifatius Hospital wird das Klinikpersonal speziell für den Umgang mit gewalttätigen Patienten geschult. „Auch wir beobachten in unserer Notaufnahme bei kontinuierlich steigenden Patientenzahlen zunehmend mehr Patienten mit herausforderndem, aggressiven Verhalten“, sagte Carsten Börner, Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme. Es gebe eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei, um die Sicherheit der Mitarbeiter, der weiteren Patienten und der Besucher zu gewährleisten.

Deeskalations- und Selbstverteidigungstrainings gab es auch für die Mitarbeiter des Osnabrücker Marienhospitals. Daneben sollen zahlreiche weitere Maßnahmen für mehr Sicherheit bei Patienten und Klinikpersonal sorgen. Ein Wachdienst behält die Situation in der Notaufnahme im Blick – während der Maiwoche und am Ossensamstag in verstärkter Mannzahl. In der Notaufnahme wurden sämtliche mobilen Teile abmontiert, berichtet der Kliniksprecher. Wenn ein Patient ausraste, werde so verhindert, dass er Krankenhaus-Equipment zur Waffe umfunktionieren könne. Außerdem gebe es mehr Alarmierungsmöglichkeiten und ausgefeilte Pläne für Flucht- und Hilfsmaßnahmen.

Enorme Belastung für die Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter in der Notaufnahme seien aggressive Patienten eine enorme Belastung, berichtet Schiffbänker. Anderen Patienten machten sie den Aufenthalt in der Notaufnahme noch unangenehmer: Im schlimmsten Fall erlebten sie nicht nur, wie ihnen wichtige Hilfe vorenthalten werde – die angsteinflößende Erfahrung krank zu sein, werde zusätzlich verschlimmert durch die Angst vor den pöbelnden Mitpatienten.


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