Anrainerländer schlagen Alarm Klimawandel bedroht Nordsee-Inseln

Spaziergänger gehen am Strand der Südspitze von Sylt (Schleswig-Holstein) entlang. Im Winter haben Stürme wieder an dem Strand genagt. Foto: dpaSpaziergänger gehen am Strand der Südspitze von Sylt (Schleswig-Holstein) entlang. Im Winter haben Stürme wieder an dem Strand genagt. Foto: dpa

Die Erderwärmung hat an der Nordseeküste dramatische Auswirkungen. Die norddeutschen Bundesländer wollen sich gemeinsam dagegenstemmen. Scharfe Kritik übte Niedersachsens Umweltminister an der Bundesregierung.

Hannover. Die norddeutschen Bundesländer wollen im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels enger zusammenarbeiten. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Konferenz am Mittwoch in Hannover.

Grünen-Landespolitiker warnten vor den drastischen Folgen eines Anstiegs des Meeresspiegels für die Küste: „Es ist nicht unrealistisch, dass in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts das Wattenmeer ertrinkt, weil der Meeresspiegel zu hoch ist“, warnte Schleswig-Holsteins Umwelt-Staatssekretärin Ingrid Nestle. Nestle mahnte schnelle Erfolge in der Begrenzung der Erderwärmung an: „Wenn wir beim Klimaschutz nicht vorankommen, werden wir die heutige Küstenlinie nicht halten können“, warnte sie. Schätzungen gehen bei Erreichen der Klimaziele bis Ende des Jahrhunderts von einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter aus. Beschleunigt sich der Klimawandel aber, könnte Schätzungen zufolge allein das Abschmelzen des grönländischen Eises einen Anstieg von bis zu acht Metern zur Folge haben.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel sagte, er sorge sich um die Ostfriesischen Inseln. Zwar erhöhe Niedersachsen derzeit die Deiche um 50 Zentimeter, doch dem Ausbau seien technische Grenzen gesetzt. „Wir müssen auf Klimaschutzseite erfolgreich sein, um das Schlimmste zu verhindern. Aber wir können uns nicht zurücklehnen, sondern müssen uns schon heute mit Anpassungsstrategien für das Unvermeidbare befassen“, sagte Wenzel. Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan verwies darauf, dass ein Drittel des Stadtgebietes bei einem Anstieg des Meeresspiegels gefährdet sei. Kerstans Bremer Kollege Joachim Lohse betonte, dass auch zunehmende Starkregen und Fluss-Hochwasser die Stadtstaaten bedrohten.

Neben dem Anstieg des Meeresspiegels und Belastungen durch Starkregen gehen Experten auch von anderen Effekten des Klimawandels im Norden aus: So dürften steigende Temperaturen auch die Landwirtschaft und den Tourismus verändern. Zudem dürften sich Metropolen weiter aufheizen. Allerdings dürften die Effekte in Norddeutschland weniger stark ausfallen als in anderen Regionen: In Ost- und Süddeutschland werden Hitzewellen und Trockenheiten mit teils drastischen Folgen für die Landwirtschaft, die Wasserversorgung, den Tourismus und auch für die Gesundheit erwartet.

Die Anpassung an den Klimawandel werde eine Daueraufgabe, erklärte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, am Morgen. Flasbarth musste wegen des Streits um den deutschen Klimaschutzplan die Konferenz in Hannover vorzeitig Richtung Berlin verlassen.

Koalitionskrach im Bund

Wenzel kritisierte das bis Mittwochabend ergebnislose Gezerre um den deutschen „Klimaschutzplan 2050“: „Der Klimawandel wird keine Rücksicht nehmen auf den Streit in der Großen Koalition“, sagte Wenzel. Kurz zuvor hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) im Streit um verbindliche Ziele ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) hatte die Forderung zurückgewiesen und Hendricks geraten, sich mit ihren Ministerkollegen zu einigen.

Der Klimaschutzplan soll aufzeigen, wie Deutschland das Ziel einer weitgehenden Treibhausgasneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts erreichen kann. Der Plan sollte eigentlich bis zur kommende Woche startenden UN-Klimakonferenz in Marrakesch stehen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN