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Als Pferdeflüsterer bekannt geworden „XXL-Ostfriese“ Tamme Hanken überraschend gestorben

Von Melanie Heike Schmidt

Der als „XXL-Ostfriese“ bekannt gewordene Pferdeflüsterer Tamme Hanken ist tot. Foto: epdDer als „XXL-Ostfriese“ bekannt gewordene Pferdeflüsterer Tamme Hanken ist tot. Foto: epd

Osnabrück. Der als „XXL-Ostfriese“ bekannt gewordene Pferdeflüsterer Tamme Hanken ist tot. Die Nachricht erschütterte die Fans des „Knochenbrechers“ aus Filsum.

Unter Tierärzten umstritten, von Fans geliebt: Tamme Hanken, bekannt als ostfriesischer Knochenbrecher, ist tot. Nach Angaben der Filmproduktion Dreiwerk Entertainment aus Köln starb der 56-Jährige alternative Tierheilkundler aus Filsum (Landkreis Leer) überraschend an Herzversagen. Der 2,06 Meter große Hüne Hanken war mit seinen TV-Sendungen „XXL-Ostfriese“ oder „Knochenbrecher auf Tour“ zuerst im NDR-Fernsehen berühmt geworden, später wechselte er zu Kabel 1 . Seit August liefen neue Folgen. Kernstück all seiner Sendungen war kranke, verspannte oder verrenkte Pferde und Hunde mit Muskelkraft wieder in die Spur zu bringen. Das brachte dem Knochenbrecher viel Lob – und eben auch Kritik ein. Immer wieder stand die Frage im Raum: Kann Hanken mit seinen Griffen und Zügen wirklich Tiere heilen? (Lesen Sie auch: Tamme Hankens Ehefrau: Ihre berührende Botschaft an die Fans)

Tamme Hanken – ein Phänomen

So richtig ist dem Phänomen Tamme Hanken nicht beizukommen. Fakt ist: Seine Sendungen waren auch nach Jahren immer noch beliebt , seine Termine stets ausgebucht, auch das Bühnenprogramm, das Hanken seit 2014 durch viele Städte geführt hat, zog das Publikum in den Bann.

Unter Experten allerdings ist die Heilkunst des schrankgroßen Ostfriesen, der einst Landwirtschaft lernte, um den Hof der Eltern zu übernehmen, sich zuletzt jedoch allein auf die traditionelle ostfriesische Knochenbrecherkunst konzentriert hat, durchaus umstritten. Das Reitsportmagazin „Cavallo“ mit Sitz in Stuttgart beispielsweise testete Hankens Künste und schickte eine Pferde-Fachtierärztin und Chiropraktikerin zu einem Undercover-Besuch nach Filsum. Das Fazit: „Der Knochenbrecher fasst weder Mensch noch Tier mit Samthandschuhen an – mit positiven und riskanten Konsequenzen.“ Als Augenöffner könnten Hankens Hinweise auf „menschengemachte Probleme wie schlechte Hufe und unpassende Sättel“ durchaus funktionieren, schreibt das Blatt. Kritisch betrachtete die Expertin jedoch Hankens medizinische Ratschläge und „Diagnosen“, beispielsweise das Füttern von Herzmitteln oder das Erkennen eines Mineralienmangels, so die Reiterzeitschrift weiter. Auch dass Hanken sich die Tiere nur kurz im Schritt vorführen ließe, sah das Magazin für Freizeitreiter eher negativ. Nicht gut weg kam zudem das, was Hanken nicht tat: sich ausführlich über die Vorgeschichte des Tieres informieren.

Von „Tamme ist toll“ bis „Tamme ist peinlich“

Ein anderes Bild zeichneten dagegen diejenigen, die von Hankens Heilkunst – und offenbar auch von seinem manchmal losen bis unangenehm anzüglichen Mundwerk – begeistert waren. So kam etwa ein bemerkenswerter Auftritt in Osnabrück im Jahr 2014 bestens beim Publikum an. In zahllosen Online-Foren findet sich denn auch reichlich Lob für den XXL-Mann: „Tamme ist toll“, heißt es dann. Wer sich seine Sendungen ansieht, hat ebenfalls das Gefühl: Hanken hilft. Ob die Effekte nachhaltig sind, wird allerdings kaum thematisiert.

Management bittet um Zurückhaltung

Nun also ist Hanken gestorben, mit gerade mal 56 Jahren erlag er einem Herzversagen. Er hinterlässt seine Frau Carmen, die als rheinländische Frohnatur regelmäßig auch in seinen Filmen auftauchte, sowie einen idyllischen Pferdehof in seinem Geburtsort Filsum (Landkreis Leer). Mit Rücksicht auf die Hinterbliebenen bat das Management darum, die Privatsphäre der Familie zu wahren.

So reagiert das Netz auf den Tod von Tamme Hanken >>


Sondersendungen für Tamme

Die Nachricht über den plötzlichen Tod Tamme Hankens erschütterte seine Fans auf der ganzen Welt. In Online-Foren und sozialen Netzwerken äußerten sie ihre Trauer und Bestürzung. Eine Twitter-Nutzerin schrieb: „Tamme Hanken war ein Pferdegott und unterhaltsamer Mensch. So traurig.“ Auf Facebook postete ein Fan: „Jetzt kannst du den Engeln die Flügel einrenken.“

Hankens Fähigkeiten waren weltweit gefragt. Nach Angaben auf seiner Homepage war er dreiviertel des Jahres in aller Welt unterwegs. So ließ er etwa in den USA, Australien und der Mongolei humpelnde Pferde wieder galoppieren.

In einer Mitteilung bezeichnete der NDR den „Knochenbrecher“ als Publikumsmagneten. Am kommenden Mittwoch widmet der Sender dem „XXL-Ostfriesen“ ab 20.15 Uhr mehrere Sondersendungen. NDR-Intendant Lutz Marmor würdigte ihn als typischen Ostfriesen: „Frei im Geist, dem Leben zugewandt, unabhängig, neugierig auf Mensch, Tier und Natur, dabei friesisch herb und urkomisch. Er wird uns fehlen.“ (dpa/mhs)