Millionen für neue Projekte Kritik an Geldregen für Genderforschung

Viele Genderkritiker sehen bei Schulreformen das klassische Familienbild gefährdet. Hier 2014 eine Demo gegen die Reform des Sexualkundeunterrichts in Hannover. Foto: DpaViele Genderkritiker sehen bei Schulreformen das klassische Familienbild gefährdet. Hier 2014 eine Demo gegen die Reform des Sexualkundeunterrichts in Hannover. Foto: Dpa

Hannover. Niedersachsens Landesregierung steckt reichlich Geld in die Geschlechterforschung: Allein aus VW-Erträgen gehen in den kommenden Jahren zwei Millionen Euro an Hochschulen. Kritiker werfen Rot-Grün Klientelpolitik vor.

Die rot-grüne Landesregierung treibt die Erforschung von Geschlechteridentitäten und -rollen voran. Die so genannten Genderforschung wird unter anderem mit rund zwei Millionen Euro aus dem „VW-Vorab“ der Volkswagenstiftung unterstützt, teilt das Wissenschaftsministerium mit. Gefördert werden Projekte mit so sperrigen Titeln wie „Gender, Flucht, Aufnahmepolitiken. Prozesse vergeschlechtlichter In- und Exklusionen in Niedersachsen“ der Unis Osnabrück. Oldenburg, Göttingen und Lüneburg oder „Geschlechterperspektiven auf (Vor)Sorge im Umgang mit Naturen“ der Unis Hannover und Lüneburg.

Heinen-Kljajic: „Hohes Niveau“

Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) lobte das „hohe Niveau der Genderforschung in Niedersachsen“. „Die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit ist eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung, zu deren Lösung die Wissenschaft einen wichtigen Beitrag leistet“, sagt die Politikerin. Dabei gibt es viele verschiedene Ansätze: Frauen und Männer werden zum Beispiel nicht nur oft unterschiedlich bezahlt. Sie regieren auch zuweilen sehr unterschiedlich auf Medikamente.

Ganz anders bewertet der prominenteste Kritiker die Gender-Theorie: Papst Franziskus bezeichnete am Wochenende Medienberichten zufolge die Forschung als „ideologische Kolonisation“ und „Weltkrieg“ zur Zerstörung der Ehe. Ähnliche Urteile gibt es auch in Deutschland – ein gendergerechter Bildungsplan führte zuletzt in Baden-Württemberg zu teils gewalttätigen Demonstrationen. Die Kritiker fürchten, dass die Forschung Geschlechterunterschiede einebnen und damit der klassischen Familie an den Kragen will.

Dürr: „Eiskalt streichen“

Weniger heftig fällt die Kritik der Opposition im Landtag aus: Doch am Sinn des rot-grünen Förderregens hegen CDU und FDP durchaus Zweifel. Aus ihrer Sicht ist es nur ein weiterer Beleg für die Freigiebigkeit des Finanzministers Peter-Jürgen Schneider (SPD), der dank sprudelnder Einnahmen Spendierhosen anhabe. FDP-Fraktionschef Christian Dürr spricht von mit steuerfinanzierten Lieblingsprojekten. So etwas wolle die FDP „eiskalt streichen“. In einem neuen Haushaltspapier schlägt die FDP Haushaltskürzungen von insgesamt 495 Millionen Euro vor, davon auch 700000 Euro Genderforschung pro Jahr.

Hilbers: „Grünes Lebensgefühl“

Ähnlich sieht es CDU-Haushaltsexperte Reinhold Hilbers: „Auf den ersten Eindruck erscheint es fraglich, ob Projekte wie etwa ,Geschlechtergerechte Sprache in Theorie und Praxis. Studie zur aktuellen Situation aus linguistischer, phoniatrisch-psycholinguistischer und juristischer Perspektive‘ einen nennenswerten Mehrwert für den Wissenschaftsstandort Niedersachsen bringen. Sie scheinen eher geeignet, um ein rot-grünes Lebensgefühl zu bedienen“, sagt er. Insbesondere bei den von VW abhängigen Mitteln mahnt er zur Vorsicht: „Gerade jetzt, da das VW-Vorab durch die Dividende kaum noch gespeist wird, sollte dessen Fördermittel sehr sorgfältig eingesetzt werden: In Bereiche, die Niedersachsen voranbringen.“


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