7,6 Hektar zugeteilt Niedersachsen ist jetzt Weinland

Zwar gibt es schon lange Wein in Niedersachsen, wie dieser Tropfen aus einem Kloster in Hildesheim. Doch zur offiziellen Anbauregion wird das Bundesland erst jetzt. Foto: dpaZwar gibt es schon lange Wein in Niedersachsen, wie dieser Tropfen aus einem Kloster in Hildesheim. Doch zur offiziellen Anbauregion wird das Bundesland erst jetzt. Foto: dpa

Hannover. Füllen sich die Weinkeller bald mit Göttinger Gewürztraminer, Ammerländer Riesling und Iburger Urberg? Möglich, denn Niedersachsen verfügt jetzt über knapp 7,6 Hektar offizielle Weinbaugebiete.

Niedersachsen ist ab jetzt Weinland: Das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat dem Bundesland erstmals 7,6 Hektar Anbaugebiet zugewiesen. Damit bekommen zehn Bewerber für zwölf Anbaugebiete den Zuschlag: Die künftigen Weinbauflächen liegen in der Stadt Göttingen, in der Region Hannover sowie den Landkreisen Göttingen, Lüneburg, Oldenburg, Schaumburg (zwei Flächen), Friesland, Osnabrück und Ammerland (drei Flächen). Innerhalb von drei Jahren nach Genehmigung müssen nun Reben gepflanzt werden. Danach dauert es nochmal etwa drei Jahre, bis die ersten Trauben gekeltert werden können.

Kommt der Iburger Urberg?

Einer der Antragssteller ist Gerd Brinkmann aus Bad Iburg (Landkreis Osnabrück). Der Landwirt hat als einziger Niedersachse eine echte Hanglage beantragt – ein 0,6 Hektar großes Südhang-Flurstück mit 22 Prozent Steigung auf dem Urberg, welches großen Erntemaschinen Probleme macht. „Das ist eine echte Sonnenseite des Teutoburger Waldes“, sagt Brinkmann. Auch der Boden sei gut. Doch ob der Iburger Urberg jemals gekeltert wird, steht noch in den Sternen. Nach einem Besuch bei Winzern in Franken gibt es für den Landwirt noch viele offene Fragen: Vertragen die Trauben überhaupt die hohen Niederschlagsmengen? Wie kommt man an die richtigen Maschinen? Das ganze Thema sei wohl eher was für seinen Hofnachfolger, sagt Brinkmann.

Neue Trauben im Norden

Beim Deutschen Weininstitut ist man neugierig auf die Entwicklung im 14. deutschen Anbaugebiet. Dass sich Niedersachsen grundsätzlich eignet, zeigen Hobbywinzer oder der bischöfliche Weinberg in Hildesheim. Teilzeit-Winzer tummeln sich auch anderswo, bei Oldenburg etwa hoben sie eine „Norddeutsche Weinstraße“ aus der Taufe, die entlang von Bremen, Hamburg und Hitzacker bis nach Mecklenburg-Vorpommern führt. Im Fachwerk-Städtchen Hitzacker an der Elbe wird seit 1980 wieder Wein hergestellt, auch auf Sylt und bei Kiel gibt es schon Weingüter, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gelten ebenfalls als Anbaugebiet für Landweine. In Dänemark, Teilen Englands und Skandinavien gibt es ähnliche Versuche - nur in Holland macht die Staunässe alle Ansätze zunichte.

In den vergangenen Jahren haben sich vor allem dank des Klimawandels einige Weinregionen nach Norden ausgebreitet: So experimentieren süddeutsche Weinbauern mit schweren Rotweinen, die man eigentlich aus Südfrankreich kennt. Langfristig gehen Experten davon aus, dass die Anbaugebiete mit steigenden Temperaturen nach Norden rücken – selbst an Norwegens Südspitze stehen mittlerweile Riesling- und Pinotstöcke.

Toll für das Land

Angesichts von fast 50000 Erwerbs-Winzern in Deutschland sind die zehn Antragssteller aus Niedersachsen zwar noch ein zartes Pflänzchen. Doch Agrarminister Christian Meyer (Grüne) ist zuversichtlich, dass es dabei nicht bleibt und die Sache zum Erfolg wird. „Das Klima ist für Wein geeignet, und Hanglagen haben wir in Niedersachsen auch. Viele Neuwinzer aus Niedersachsen haben daher die von mir erstrittene Chance für kommerziellen Weinanbau genutzt.“ Meyer lobt, dass die Antragssteller aus dem Nordwesten gleich in der ersten Zuteilungsrunde mehr Pflanzrechte erhalten hat als gedacht „Eigentlich hätten wir nur fünf Hektar bekommen. Das ist doch toll und natürlich für ein Land wie Niedersachsen außergewöhnlich“, sagt Meyer. Er freue sich schon auf die erste Rebernte: „Ich setze auf die Kreativität und Qualität unserer Neuwinzerinnen und -winzer. Womöglich gibt’s ja dann bald ganz exquisiten, köstlichen Wein mit niedersächsischer Note. Spontan fallen mir da auch schon markante Namen für Rebsorten ein: Wie wäre es zum Beispiel mit „Bad Iburgunder“, „Pinot Weserbergland“, „Deisterrebe“ oder „Grafschafter Chardonnay“. Aber auch „Harztraminer“ oder „Ostfriesen-Riesling“ hätten was“, ergänzt der Minister.


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