Verstorbener exhumiert Kam der Mädchenmörder aus der Grafschaft Bentheim?

Von Irene Schmidt

Eine Exhumierung hat in der Grafschaft stattgefunden – sie steht im Zusammenhang mit Morden an jungen Frauen in den 70er-Jahren. Foto: Irene SchmidtEine Exhumierung hat in der Grafschaft stattgefunden – sie steht im Zusammenhang mit Morden an jungen Frauen in den 70er-Jahren. Foto: Irene Schmidt

Nordhorn. Die Morde an vier Frauen in unserer Region vor mehr als 40 Jahren beschäftigen nach wie vor die Kriminalpolizei. Vor wenigen Tagen gab es eine Graböffnung. Einem Toten wurde DNA entnommen.

Führt Spur 916 zum Erfolg? Als die junge Prostituierte Edeltraud van Boxel aus Münster im November 1971 ermordet und bei Burgsteinfurt ihre Leiche abgelegt wurde, war der Verdächtige 19 Jahre alt. Hat er die 23-Jährige sowie 1971 die 20-jährige Barbara Storm aus Schüttorf, 1973 Marlies Hemmers (17) aus Nordhorn und 1974 die 22-jährige Studentin Erika Kunze aus Nordhorn umgebracht?

Junger Mann unter Verdacht

Ein junger blonder Mann aus der Grafschaft geriet damals zumindest kurz in den Fokus der Ermittler, wie alte Vernehmungsprotokolle ergeben. Spurenakte 916 im Mordfall Erika Kunze dokumentiert das. Der Mann war vier Jahre nach dem Mord an Kunze aufgrund einer anderen schweren Straftat verhaftet und vernommen worden.

Allerdings kam die Polizei damals zu dem Schluss, dass er wahrscheinlich nicht „der Richtige“ sei. Es gab keine handfesten Beweise, die ihm hätten zugeordnet werden können. DNA-Analysen waren damals in der Kriminaltechnik noch nicht im Einsatz. Spurenakte 916 wurde geschlossen.

Polizei nahm Ermittlungen wieder auf

Recherchen der Grafschafter Nachrichten führten dazu, dass Kriminalisten in Nordhorn und Münster im Dezember 2015 kistenweise Asservate und alte Akten aus den Archiven holten und darüber hinaus neuen Hinweisen, die nach der Berichterstattung eintrafen, nachgingen. Eckhard Klemp, Kriminalhauptkommissar bei der Polizeiinspektion Emsland-Grafschaft Bentheim, „kniete sich in die verstaubten Akten“ hinein, und Spur 916 weckte bei ihm aufgrund von Details großes Interesse.

Parallel dazu hatte Kriminalhauptkommissar Joachim Poll aus Münster unter den Asservaten im Mordfall Storm einen Fingernagel gefunden, unter dem Ende der 1990er-Jahre DNA-Spuren nachgewiesen wurden.

Grab vom Verdächtigen geöffnet

Inzwischen hatte Klemp herausgefunden, dass der Verdächtige aus Spur 916 verstorben und auf einem Friedhof in der Grafschaft bestattet worden ist. Nach längeren juristischen Überlegungen gaben ein Richter und die Staatsanwaltschaft Osnabrück „grünes Licht“ für eine Exhumierung. Nur so könne ausgeschlossen werden, dass der Verdächtige von damals entweder für den Mord – zumindest an Barbara Storm – infrage kommt. „Wir werden diesen Verdacht klären“, so Oberstaatsanwalt Hubert Feldkamp aus Osnabrück.

Sarg wieder geschlossen

Am Dienstag war es so weit. Im Morgengrauen begannen Friedhofsgärtner damit, das Grab zu öffnen. Zwei Stunden später stand der Eichensarg im Vorbereitungsraum der Friedhofshalle und wurde im Beisein von zwei Kripobeamten aus Lingen sowie zwei Mitarbeiterinnen des Gerichtsmedizinischen Instituts in Oldenburg geöffnet. „Es wird nur DNA-Material entnommen“, hatte der Oberstaatsanwalt angekündigt. Nach kurzer Zeit konnte der Sarg wieder geschlossen und zurück an seinen Liegeplatz gebracht werden. Umgehend wurde die Grabstelle in ihren gepflegten Zustand zurückversetzt.

Untersuchungsergebnisse erst in ein paar Wochen

Die Untersuchung der DNA kann einige Wochen dauern. Es sei aus seiner Sicht wichtig, das Ergebnis bald zu bekommen, damit die Angehörigen aus ihrer Ungewissheit befreit werden, so einer der Kriminalbeamten. Die Angehörigen des verstorbenen Mannes waren erst kurzfristig über die Exhumierung informiert worden. Immerhin könne das Ergebnis auch lauten, dass ein im Hinblick auf die ungeklärten Mädchenmorde Unschuldiger in seiner Totenruhe gestört worden ist.


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