Rückzug aus der Fläche Banken und Sparkassen schließen 100 Filialen in Weser-Ems

Von Dirk Fisser


Osnabrück. Die Filialen der Deutschen Bank werden die Nächsten sein. Fünf Stück sollen in der Region Weser-Ems im Laufe des kommenden Jahres geschlossen werden, hat das große Geldhaus aus Frankfurt angekündigt. Das Sterben der Zweigstellen geht weiter. Mehr als 100 Niederlassungen haben Banken und Sparkassen in den vergangenen Jahren allein im Raum Weser-Ems geschlossen oder werden das noch tun.

Das hat eine Umfrage unserer Redaktion unter den Geldhäusern ergeben. Eine weitere Rückmeldung: Viele Banken wollen sich nicht darauf festlegen, ob in den kommenden Jahren nicht noch weitere Zweigstellen geschlossen oder in Selbstbedienungsstandorte mit Automaten umgewandelt.

Zwei Gründe führen die Banken für das Filialsterben an: Zum einen das veränderte Nutzungsverhalten der Kunden, die ihre Bankgeschäfte zunehmend digital abwickeln. Laut Deutscher Bank kommen 50 Prozent der Kunden nur noch einmal im Jahr in die Filiale. Zum anderen die allgemein schwierige Lage für Geldhäuser in Zeiten der Niedrigzinspolitik. Das Geschäft mit dem Geld der Privatkunden lohnt sich für die Banken immer weniger. Zweigstellen mit eigenem Personal kosten aber Geld.

Zahl der Zweigstellen halbiert

Das Filialsterben ist kein neuer Trend. Nach Angaben der Bundesbank hat sich die Zahl der Zweigstellen in den vergangenen 20 Jahren halbiert. Mittlerweile gibt es noch knapp über 34.000 Bankfilialen in Deutschland. Und Experten prophezeien, dass sich das Sterben noch einmal beschleunigen könnte. Bis zu 10.000 Zweigstellen könnten binnen weniger Jahre dicht gemacht werden, schätzte jüngst ein Branchenkenner im „Handelsblatt“.

Gerade auf dem Land, wo die nächste Zweigstelle fern und das Internet langsam ist, sorgen solche Nachrichten für Unmut. Doch in aller Regel sterben die Filialen leise. Ein Brief an die Kunden mit der Adresse der nächstliegenden Filiale – das war’s. Anders war es vor einigen Jahren im Landkreis Leer, als die dortige Sparkasse Leer-Wittmund acht Zweigstellen schließen wollte. Es kam zu Demonstrationen, auch die lokale Politik empörte sich. Am Ende aber vergeblich.

Filialsterben in der Region Weser-Ems. Grafik: Langer

Bargeld-Bringdienst in Bayern und Verden

Manchmal setzen die Banken mobile Geschäftsstellen ein, die in umgebauten Bussen untergebracht sind. Es gibt aber auch andere kreative Lösungen, wie einen Bargeld-Bringdienst. Auf den setzen beispielsweise die Sparkassen in Bayern. 220 Zweigstellen sollen hier in diesem Jahr geschlossen werden. Nicht überall ist ein Geldautomat in der Nähe. Die Sparkassen liefern das Geld auf Wunsch direkt an die Haustür. Oder finanzieren Bustickets zur nächsten Filiale.

Diesen Service bietet auch die Kreissparkasse im Landkreis Verden in Niedersachsen an. Jeden Donnerstag zwischen 15 und 18 Uhr wird das Geld ausgeliefert. Bis zu 500 Euro sind möglich. Eine Lieferung ist durch die Kontoführungsgebühren abgedeckt, jede weitere kostet fünf Euro.

Thorsten Bullerdiek, Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, sagt: „Banken und Sparkassen sind wichtige Eckpfeiler für die wirtschaftliche Stabilität und Entwicklungsmöglichkeiten.“ Weil sich Kunden hier über komplexe Finanzprodukte beraten lassen und Unternehmer den engen Draht zu ihre Ansprechpartner in der Bank halten könnten. Kenntnisse vor Ort seien wichtig, um gemeinsame unternehmerische Strategien zu entwickeln, so Bullerdiek.