Neuer Bahnsteig blockiert Türen Warum Passagiere in Bad Bentheim durchs Fenster müssen

Am Bahnhof in Bad Bentheim stehen Passagiere derzeit vor versperrten Türen. Der neue Bahnsteig blockiert sie von außen. Der Fall ist kurios. Foto: Frauke Schultre-SutrumAm Bahnhof in Bad Bentheim stehen Passagiere derzeit vor versperrten Türen. Der neue Bahnsteig blockiert sie von außen. Der Fall ist kurios. Foto: Frauke Schultre-Sutrum

Osnabrück. Am Bahnhof in Bad Bentheim stehen Passagiere derzeit vor versperrten Türen. Nein, verschlossen sind sie nicht. Sie gehen nur nicht auf. Denn der neue Bahnsteig blockiert sie von außen. Der kuriose Fall gibt Einblicke in die Unwägbarkeiten eines Großbauprojektes.

Wer derzeit Bad Bentheim mit dem Zug verlassen will, muss entweder sportlich sein oder sollte keine Umwege scheuen. Denn der direkte Weg von den Ticketautomaten auf den Bahnsteig führt nicht durch die Türen, sondern durch ein Fenster. Zuerst den Koffer hinauswuchten, dann einen Fuß auf den Stuhl an der Wand, den zweiten auf die Fensterbank und raus. Alternativ können die Passagiere auch vorne wieder raus und außen herumgehen.

Bürgermeister Pannen nimmt es mit Humor

Bürgermeister Volker Pannen nimmt es gelassen: „Es ist so, wie es ist. Ich kann es und konnte es auch nicht ändern. Und vor diesem Hintergrund ist es für mich eine schöne Geschichte, die das Leben so spielt.“

Die „schöne Geschichte“ ist vor allem die eines Großbauprojektes. Die Deutsche Bahn (DB) ist nur für die Arbeiten rund um die Gleise verantwortlich – nicht aber für die am Gebäude. Und so hat die DB mehrere Hundert Meter Bahnsteig erneuert, plant neue Mülleimer und Aufzüge. Und damit Passagiere zukünftig barrierefrei in die Züge kommen, hat die DB eben auch die Bahnsteige um etwa 40 Zentimeter erhöht. Doch genau da liegt nun das Problem: Der Bahnsteig liegt jetzt so hoch, dass Beton und Stein die Bahnhofstüren von außen blockieren.

Warten auf Fördergeld

Für Bad Bentheim müsste das Problem aber eigentlich anders formuliert werden: Nicht der Bahnsteig liegt zu hoch, sondern das Bahnhofsgebäude zu tief. Noch. Denn geplant ist, dass ein neuer Boden eingezogen wird – 40 Zentimeter höher. Die Türen gingen wieder auf, die Klettereien durch das Fenster hätten ein Ende.

Die Arbeiten der DB seien mit einem großen Planungsaufwand verbunden gewesen, so Pannen. Sie zu verschieben, sei nicht möglich gewesen. Früher mit dem Umbau des Bahnhofs zu beginnen aber auch nicht. Denn die Stadt wartet noch auf Fördermittel der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Dabei geht es um 1,1 Millionen Euro.

Klettereien bis 2017

Das Geld streicht aber nicht die Stadt, sondern die Bentheimer Eisenbahn ein. Das Unternehmen wird das Bahnhofsgebäude von der Stadt kaufen und deshalb auch die Umbaumaßnahmen im Gebäude und auf dem Vorplatz verantworten. Das noch ausstehende Geld sei immerhin ein Drittel der gesamten Investitionssumme, so Pannen. Erst wenn das Geld fließt, kommt der Kaufvertrag zwischen Stadt und Bentheimer Eisenbahn zustande und die Arbeiten können beginnen. Die Bestimmungen aus Hannover seien streng, so Pannen. „Wer da zu früh beginnt, verliert den Anspruch auf die Förderung.“

Das Bahnhofsprojekt läuft laut Pannen seit 2011. „Es waren wirklich äußerst schwierige Fragen zu beantworten, die auch das Projekt gefährdet haben“, so der Bürgermeister. Er spricht von komplizierten Fördergeflechten und komplexen Planungen. „Sie stehen in einem Spannungsfeld. Und dann kommt es auf die paar Monate auch nicht an, in denen wir mit einem Provisorium leben müssen.“ Er rechnet damit, dass sich die Bahnhofstüren Ende 2017 wieder öffnen lassen.

Gelassenheit bei der Deutschen Bahn

Für den Baupartner bei dem Großprojekt, die Deutsche Bahn, kommentiert Sprecherin Sabine Brunkhorst die Situation wie folgt: „Die Arbeiten wurden im Vorwege mit dem Eigentümer abgestimmt. Reisende können auch ohne die Nutzung des Empfangsgebäudes den Bahnsteig erreichen.“ Joachim Berends, Vorstand der Bentheimer Eisenbahn, war bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der kuriose Fall aus Bad Bentheim hat inzwischen auch überregionale Aufmerksamkeit bekommen. So hat das NDR-Satiremagazin „extra3“ über die blockierten Bahnhofstüren berichtet.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN