Verbot richtig oder falsch? Vollverschleierung: Nikab-Zoff innerhalb der Lehrergewerkschaft

Eine Frau trägt Nikab - bis auf einen schmalen Sehschlitz wird das komplette Gesicht verdeckt. Foto: dpaEine Frau trägt Nikab - bis auf einen schmalen Sehschlitz wird das komplette Gesicht verdeckt. Foto: dpa

Osnabrück. Sollte muslimischen Schülerinnen erlaubt sein, vollverschleiert am Unterricht teilzunehmen? Nein, hat das Verwaltungsgericht Osnabrück im Fall einer Abendschülerin geurteilt und damit eine bundesweite Debatte losgetreten. Selbst innerhalb der Lehrergewerkschaft GEW gehen die Meinungen auseinander.

In einer Stellungnahme vom Mittwoch widersprach der niedersächsische Landesvorsitzende Eberhard Brandt der Auffassung von Hauptvorstandsmitglied Ilka Hoffmann. Die hatte im Gespräch mit unserer Redaktion davor gewarnt, vollverschleierten Schülerinnen den Zugang zum Unterricht zu erschweren. „Ein Verbot der Vollverschleierung ist der vollkommen falsche Weg. Wir dürfen Frauen nicht nur deswegen von Bildung ausschließen, weil sie Burka oder Nikab tragen“, sagte Hoffmann. (Weiterlesen: Lehrergewerkschaft: Verbot der Vollverschleierung ist falsch)

Landeschef: Nikab-Verbot ist richtig

Landesvorsitzender Brandt stellt sich auf die Seite des Sophie-Scholl-Abendgymnasiums, das der 18-Jährigen die Zulassung zum Unterricht entzogen hatte, weil sie auf Vollverschleierung im Unterricht beharrte. Pädagogische Kommunikation und Interaktion würden ein offenes Gesicht erfordern, so Brandt. Und weiter: In der Abwägung von Religionsfreiheit und staatlichem Bildungsauftrag müsse es beim Nikab-Verbot bleiben.

Dabei distanzierte sich Brandt ausdrücklich von der Auffassung, die seine Kollegin Hoffmann geäußert hatte: „Diese entspricht nicht der Beschlusslage der GEW und ist mit dem Landesverband nicht abgesprochen.“

Am Montag hatte das Verwaltungsgericht Osnabrück den Antrag einer 18-jährigen Muslimin abgelehnt, vollverschleiert am Unterricht des Abendgymnasiums teilzunehmen. Dagegen kann sie Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg einlegen. (Weiterlesen: 18-Jährige darf nicht vollverschleiert am Unterricht teilnehmen)

Erklärgrafik zu Gesichts- und Ganzkörperschleiern. Foto: dpa


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN