Kommunalwahl Wirbel um Ditib-Kandidaten der CDU

Von Klaus Wieschemeyer

Die Kandidatur von Sümeyra Kilic für den Meller Stadtrat sorgt im fernen Hannover für Aufregung. Foto: Anja Sünderhuse PhotografieDie Kandidatur von Sümeyra Kilic für den Meller Stadtrat sorgt im fernen Hannover für Aufregung. Foto: Anja Sünderhuse Photografie

Hannover. Während die Landtags-CDU in Sachen Islamvertrag Verhandlungen mit dem Moscheeverband Ditib ablehnt, kandidieren zur Kommunalwahl Ditib-Mitglieder für die Partei. Für die Union ist das kein Problem.

Trotz der massiven Kritik der Landes-CDU am türkischen Moscheeverband Ditib treten Verbandsfunktionäre für die CDU unter anderem in Wolfenbüttel und Hameln zur Kommunalwahl an. Prominenteste Kandidatin ist aber die frühere Chefin der deutschen Ditib-Jugendorganisation „Bund der Muslimischen Jugend“, Sümeyra Kilic. Die Tochter des niedersächsischen Ditib-Chefs Yilmaz Kilic kandidiert für den Stadtrat von Melle .

Die politische Konkurrenz in Hannover wundert sich: SPD-Generalsekretär Detlef Tanke sieht einen „Widerspruch“ im Verhalten der Union. Grünen-Landeschefin Meta Janssen-Kucz ist „sehr erstaunt“: Man könne nicht auf der einen Seite in den Kommunen mit den Kandidaten werben, und auf der anderen Seite auf Landesebene sagen, „denen trauen wir nicht über den Weg. Das ist mehr als paradox.“ Die CDU-Fraktion war nach einem einstimmigen Votum der Landtagsabgeordneten aus den Gesprächen mit Ditib und dem Verband Schura zu einem Islamvertrag ausgestiegen. CDU-Fraktionschef Björn Thümler begründet dies unter anderem mit der „fehlenden Staatsferne“ des Verbandes zum türkischen Staat. Wie man das mit der Aufstellung von Ditib-Funktionären für die CDU zusammenbringt, könne er sich „ad hoc“ auch nicht erklären, sagt FDP-Landeschef Stefan Birkner. „Die Union muss klären, wie sie diesen Spagat aushält“, sagt Birkner. SPD; Grüne und FDP haben ihrerseits keine Kenntnisse über etwaige Ditib-Kandidaten auf ihren Listen. Allerdings halten die drei Fraktionen anders als die CDU auch weiter an einem Islamvertrag fest . Dies auch mit Verweis auf Sümeyras Vater Yilmaz Kilic, der als Verhandlungspartner von den Politikern immer wieder ausdrücklich gelobt wird. Der Unternehmer aus Melle wurde 2010 sogar mit dem Integrationspreis des Landes ausgezeichnet.

„Zwei Paar Schuhe“

Die Union verteidigt sowohl Haltung als auch Aufstellung. Die Kritik an Ditib richte sich gegen den möglichen Einfluss türkischer Religionsbehörden auf den Verband, sagt CDU-Generalsekretär Ulf Thiele. „Diesen Einfluss wollen wir ausschließen. Wir verwahren uns zugleich dagegen, die Mitglieder und Funktionsträger von Ditib pauschal zu stigmatisieren. Das widerspräche den Wertvorstellungen der CDU.“ Im Gegenzug hat auch der Verband keine Einwände gegen CDU-Kandidaten. „Für Ditib ist das kein Problem“, sagt die Ditib-Landesgeschäftsführerin Emine Oguz. Neben den drei Unionsbewerbern gebe des auch zwei Ditib-Kandidaten bei der SPD und einen bei den Grünen.

Kilic selbst ist von dem Wirbel um die Kandidatur überrascht. Im vergangenen Oktober habe sie das Amt als Chefin des „Bundes der Muslimischen Jugend“ aufgegeben, sagt die 23-Jährige unserer Zeitung. Allerdings ist sie weiter Geschäftsführerin des Ditib-Landesjugendverbandes.

Die Mitgliedschaft bei Ditib und die Kandidatur für die CDU „sind zwei Paar Schuhe“, sagt sie. „Ich habe mich bewusst für die CDU entschieden, weil sie meine Werte vertritt“, erklärt die Muslima, die gerade ihren Master am Osnabrücker Institut für Islamische Theologie macht .

Mit dem Kurs der Landes-CDU in Sachen Ditib ist sie zwar nicht einverstanden, denn die Argumente seien alles andere als neu. Doch dies sei kein Grund, das politische Engagement zu beenden. „Demokratie lebt davon, dass man verschiedene Meinungen hat“, sagt Kilic. Sie wolle weiterhin für die CDU fest in den Stadtrat, in dessen Kulturausschuss sie bereits als Hinzugewählte sitzt. „Politik sollte ein Bild der Gesellschaft sein“, wirbt sie für ihre Kandidatur. „Ich will etwas bewirken.“


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