Sozialministerin Rundt stellt Projekt vor Virtuelles Neonazi-Zimmer soll vor Rechtsextremismus warnen

Manche rechte Symbolik wie hier ist einfach zu erkennen. Doch der Skinhead mit Springerstiefeln hat oft ausgedient – die Szene kommt heute vielgestaltig daher, auch mit Kapuzenpulli und Hiphop. Foto: Jan Woitas/dpaManche rechte Symbolik wie hier ist einfach zu erkennen. Doch der Skinhead mit Springerstiefeln hat oft ausgedient – die Szene kommt heute vielgestaltig daher, auch mit Kapuzenpulli und Hiphop. Foto: Jan Woitas/dpa

Hannover. Mit einem neuen Online-Projekt will Niedersachsen auf die Gefahr durch Rechtsextremisten hinweisen. Benutzer sollen beim Klicken mehr über rechte Gedankenwelten lernen.

Niedersachsen setzt im Kampf gegen Rechtsextremismus auf Online-Auflklärung: Am Donnerstag stellte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) eine neue Internetseite vor, in der Besucher das virtuelle Zimmer eines Neonazis begehen können. Auf 20 virtuellen Quadratmetern sammeln sich Nazi-Fanartikel, die teils erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen sind. An der Wand des Zimmers hängen Flyer für Rechtsrock-Konzerte, der Kleiderschrank ist vollgestopft mit einschlägiger Szenekleidung. Beim Klick auf die Gegenstände öffnen sich weitergehende Informationen. „Alles in dem Zimmer ist echt. Außer den Waffen natürlich“, betont Projektleiter Reinhard Koch vom Zentrum Demokratische Bildung in Wolfsburg.

Der interaktive Ansatz des Online-Auftritts sei ein „bildungspolitischer Quantensprung“ im Vergleich zu den bisherigen Aufklärungsseminaren und veralteten Broschüren. „Wir müssen an die Jungen ran“, sagt Koch. Die würden im Internet von den Rechtsextremen geworben. Vielfach werde Rechtsextremismus von der Gesellschaft nicht frühzeitig erkannt, beklagt die am Projekt beteiligte Fachjournalistin Andrea Röpke: So hätten die späteren Täter des Brandanschlags auf ein Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf Musik der Band „Kategorie C“ gehört, die der rechtsextremen Hooliganszene in Norddeutschland zugerechnet wird und einschlägige Kleidung getragen. Ein anderes Problem: Viele rechte Jugendliche ziehen sich aus der Gesellschaft zurück, bleiben unter Gesinnungsgenossen.

Dass das Ministerium einen virtuellen Raum gegen Rechts mit 45000 Euro finanziert, aber bislang keinen gegen Islamismus oder Links finanziert, ist für Ministerin Cornelia Rundt schlüssig: „Der Rechtsradikalismus ist in der Summe ernster zu nehmen als der Salafismus und der Linksradikalismus“, sagt die Politikerin. Niedersachsen sei in Sachen Neonazis mitnichten eine Insel der Seligen, erklärte sie. So sei die Szene-Band „Kategorie C“ ebenso nach Niedersachsen zu verorten. Auch beim mutmaßlichen Terrortrio NSU, dem in Deutschland zehn Morde zugeordnet werden, gebe es lokale Bezüge nach Niedersachsen, sagt Röpke.


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