Trotz Sicherheitsbedenken ANF in Lingen liefert wieder an Pannenreaktor Doel

In Lingen werden Brennstäbe zu Brennelementen zusammengesetzt. Die Produkte gehen überwiegend in den Export, auch an störanfällige Atomkraftwerke in Belgien. Foto: David EbenerIn Lingen werden Brennstäbe zu Brennelementen zusammengesetzt. Die Produkte gehen überwiegend in den Export, auch an störanfällige Atomkraftwerke in Belgien. Foto: David Ebener

Osnabrück. Die Brennelementefabrik ANF in Lingen hat erneut frische Brennstäbe an das störanfällige Atomkraftwerk Doel in Belgien geliefert. Noch vor wenigen Wochen hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) um Stilllegung der Anlagen gebeten. Mit den Brennelementen aus Deutschland wird der Meiler nun vorerst am Laufen gehalten.

Mehrere Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände hatten am Donnerstag auf die neue Genehmigung hingewiesen. Der öffentlich einsehbaren Liste für Genehmigungen von Transporten nach dem Atomgesetzt zeigt: Zwischen dem 7. Juni und dem 30. April 2018 haben die deutschen Aufsichtsbehörden insgesamt 50 Transporte von Brennelementen genehmigt. Vier Transporte haben demnach im Juni bereits stattgefunden. (Weiterlesen: Atomfabrik in Lingen: Weniger Jobs, mehr Nukleartransporte?)

Umweltschützer und Initiativen kritisieren besonders die Umweltministerin. „Mit der Lieferung macht sich Hendricks auch für eventuelle Störfälle mitverantwortlich“, heißt es in einer am Donnerstag verschickten Mitteilung. Nach Auffassung der Kritiker verstößt die Exportgenehmigung gegen das Atomgesetz. (Weiterlesen: Hendricks bittet Belgien um Abschaltung von zwei Atomreaktoren)

Exporte illegal?

Erst kürzlich hatten Atomkraftgegner ein entsprechendes Kurzgutachten einer Anwältin präsentiert: Weil die störanfälligen Reaktoren im Nachbarland auch eine Gefahr für Deutschland darstellten, müsste der Export von Brennelementen laut Gesetz eigentlich untersagt werden. Die Atomkraftgegner fordern nun, die Genehmigungen zu Widerrufen.

Die Fabrik in Lingen aber auch die Urananreicherungsanlage in Gronau dürfen trotz Atomausstieg weiter produzieren. Zuletzt hatten die Umweltminister der Bundesländer gefordert, die beiden Standorte zu schließen. Das Bundesumweltministerium sah dazu aber bislang keine Veranlassung. Beide Betriebe verfügen über eine gültige Betriebserlaubnis. (Weiterlesen: Länder pochen auf Schließung von Atomfabriken)

Geschäftsführer wehrt sich

Für derartige Forderungen habe man „überhaupt kein Verständnis“, entgegnete Peter Reimann, Geschäftsführer der Fabrik im Emsland im Interview mit unserer Redaktion . Er erinnerte daran, dass im Zweifelsfall andere Länder für Lingen einspringen würden. Reimann: „Ich jedenfalls bevorzuge Brennelemente aus Lingen, die nach deutschen Regeln und Qualitätsstandards und unter Aufsicht deutscher Behörden gefertigt wurden. Ich kann nicht sehen, was daran schlecht sein soll.“

Wie die „Rheinische Post“ am Donnerstag berichtet, will Hendricks allerdings nun doch innerhalb der Bundesregierung zumindest die umstrittene Anreicherungsanlage in Gronau ansprechen.. Dies gehe aus einem Brief des Bundesministeriums an NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) hervor. „Nichtsdestotrotz bin ich vor dem Hintergrund Ihrer sehr nachdrücklichen Forderung gerne bereit, die Möglichkeit einer neuen politischen Einigung zu einer Stilllegung der Anlage in Gronau innerhalb der Bundesregierung und mit dem Koalitionspartner zu erörtern“, schreibt Hendricks. (Weiterlesen: Region ist Atomdrehkreuz)


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