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Ministerium bestätigt Fotos Wölfe von Munster waren an Menschen gewöhnt

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Der verhaltensauffällige Wolf „Kurti“ (links) einen Monat vor seinem Tod. War das Tier schon seit Welpenzeit an Menschen gewöhnt? Foto: Konstantin Knorr/dpaDer verhaltensauffällige Wolf „Kurti“ (links) einen Monat vor seinem Tod. War das Tier schon seit Welpenzeit an Menschen gewöhnt? Foto: Konstantin Knorr/dpa

Hannover. Musste der Munsteraner Wolf Kurti sterben, weil ihn Menschen bereits als Welpe an ihre Nähe gewöhnt hatten? Bisher unter Verschluss gehaltene Fotos und Filmaufnahmen zeigen, dass das Munsteraner Rudel schon früh in Kontakt mit Förstern, Soldaten und Hunden kam.

Das Rudel des im April getöteten Wolfs „Kurti“ kam in früheren Jahren immer wieder in engen Kontakt zu Menschen. Das belegen offenbar Film- und Fotoaufnahmen, über die die I nternetseite des NDR berichtete und dessen Existenz das Umweltministerium am Freitag bestätigte. „Natürlich sind uns diese Fotos bekannt“, sagte eine Sprecherin von Umweltminister Stefan Wenzel. Die Fachleute des Wildmonitorings hätten die von den Bundesforstbetrieben bereitgestellten Bilder ausgewertet, auch deshalb seien in Folge zwei der Munsteraner Wölfe besendert worden.

Zu dem Rudel gehörte auch „Kurti“, der sich immer wieder Menschen und Hunden genähert hatte und deshalb im April erschossen worden war. Laut NDR zeigen die Bilder aus Munster Fotos von jungen Wölfen in der Nähe von Hunden, Soldaten und sogar Förstern. Demnach waren sich Menschen und Tiere am so genannten Rendezvous-Platz begegnet. Rendezvous-Platz wird ein Ort genannt, an dem sich erwachsene Wölfe und ihre Welpen zum Spielen und zur Fütterung treffen. Sollten Menschen diesen Platz „entdeckt“ haben, könnte die Näherung an die Jungtiere (wie auch dem später erschossenen Wolf „Kurti“) leichter gewesen sein. (In einer früheren Version dieses Artikels wird Rendezvous-Platz so übersetzt, als dass es hier zu Treffen zwischen Mensch und Tier kommen soll, das ist nicht korrekt).

Nichts für die Öffentlichkeit

Der Öffentlichkeit sollen diese Bilder aber nicht gezeigt werden, stellte die Sprecherin am Freitag klar. Laien könnten in vielen Fällen gar nicht beurteilen, was genau auf den Fotos zu sehen sei, begründete sie.

„Die Fachleute kennen die Fotos ja und haben sie beurteilt.“ Das Ministerium verwies zudem darauf, dass man immer wieder vor einer Gewöhnung von Wölfen an Menschen gewarnt habe.

Die Opposition kritisierte das Vorgehen: „Stefan Wenzel muss umgehend erklären, wann er von den Bildbeweisen erfahren hat und warum die Existenz der Bilder verschwiegen wurde“, forderte der CDU-Abgeordnete Ernst-Ingolf Angermann. Der FDP-Abgeordnete Gero Hocker erklärte, angesichts dieser Bilder sei es geradezu unerklärlich, wieso Wenzel extra Wolfsexperten aus Schweden kommen ließ, um den Wolf zu vergrämen. „Er hätte wissen müssen, dass das nichts bringt. Die Fotos machen deutlich, dass das Tier schon als Welpe an Menschen gewöhnt war“, kritisierte Hocker.

Weil für begrenzte Population

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) deutete unterdessen einen Kurswechsel in Sachen Wölfe an: „Wir müssen sicherlich à la longue dafür sorgen, dass die Population der Wölfe nicht unbegrenzt in Niedersachsen wachsen kann“, hatte Weil am Donnerstag beim Heidschnuckentag in Müden (Lüneburger Heide) gesagt. Ein Regierungssprecher betonte am Freitag, dass dies keine Ankündigung baldiger Abschüsse sei: Weil habe lediglich das „bestehende Spannungsfeld beschrieben“. So lange die Zahl der Wölfe nicht weit größer sei, habe das Land „keinerlei Interesse“, die Wolfspolitik zu ändern.

Eine Sprecherin des Umweltministeriums erklärte, angesichts von geschätzt 50 bis 70 erwachsenen Tieren im Land sei der Erhalt der Population nicht ausgemacht. Sollte die Zahl der Tiere langfristig steigen und der Erhaltungszustand damit gesichert sein, könne man mit der EU über eine Herabstufung des Schutzzustands nachdenken. „Dann wird darüber geredet, wie es weitergeht“, sagte die Sprecherin.

Die Ländesjägerschaft vermeldete am Freitag den Nachweis eines weiteren Wolfsrudels mit mindestens fünf Welpen im Raum Göhrde (Kreis Lüchow-Dannenberg). Damit sind in Niedersachsen insgesamt neun Rudel amtlich bestätigt .


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