Brennelemente aus Lingen Länder pochen auf Schließung von Atomfabriken

Von Dirk Fisser

Blick in die Brennelementefabrik in Lingen. Foto: David EbenerBlick in die Brennelementefabrik in Lingen. Foto: David Ebener

dpa/df Osnabrück. Der Atomausstieg ist beschlossene Sache. Die Meiler werden nach und nach stillgelegt. Aber in NRW wird weiter Uran angereichert und in Lingen Brennstäbe zusammengebaut. Das soll aus Sicht der Bundesumweltministerin auch so bleiben - was ihrem Kollegen in Düsseldorf aufstößt. Auch in Hannover gibt es Protest.

Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel pocht gegenüber der Bundesregierung auf eine Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau. Der Grünen-Politiker protestierte in einem Brief an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gegen deren Ankündigung, trotz des Atomausstiegs an der Anlage in NRW und an der Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen festhalten zu wollen. Auf Anfrage unserer Redaktion hatte das Bundesumweltministerium bereits vor einigen Wochen erklärt:„Wir orientieren uns an der Beschlusslage zum Atomkonsens, die von allen Fraktionen getragen wurde.“ Und die beinhaltete zwar die Abschaltung sämtlicher Kernkraftwerke bis 2022, klammerte die Fabriken in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen vom Atomausstieg allerdings aus. (Weiterlesen: Atomfabriken schließen? Bund lässt Länder-Aufforderung kalt)

Länder fordern Schließung

Hendricks hatte am 22. Juni im Bundestag gesagt, man habe nicht die Absicht, in Gronau und Lingen zu einem Ende zu kommen. Sie stellte sich damit gegen einen Beschluss der Länder-Umweltministerkonferenz von Mitte Juni, in dem ein Ende der Produktion in Gronau und Lingen verlangt wurde. Remmel bat Hendricks in seinem Schreiben, sich der eindeutigen Positionierung der Länder anzuschließen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass in Deutschland Vorprodukte für Atomkraftwerke in der Nachbarschaft gefertigt würden, zumal es Diskussionen über deren Sicherheit gebe. (Weiterlesen: Umweltminister: Fertigung von Brennelementen in Lingen beenden)

Nordrhein-Westfalen drängt mit Blick auf die immer wieder von Störfällen betroffenen belgischen Kraftwerke Doel und Tihange auf eine Laufzeitbegrenzung europäischer Atomkraftwerke.

Ein Sprecher des Umweltministeriums in Hannover verwies auf den Beschluss der Umweltministerkonferenz. Darin habe auch Niedersachsens Ressortchef Stefan Wenzel (Grüne) in dieser Frage eindeutig Position bezogen und die Schließung der Urananreicherung in Gronau und der Brennelementefabrik in Lingen gefordert. (Weiterlesen: Atomfabrik in Lingen: Weniger Jobs, mehr Nukleartransporte?)


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