zuletzt aktualisiert vor

„CDU-Abgeordneter mit Aluhut“ Nach Chemtrail-Forderung: SPD empfiehlt Bäumer Amtsverzicht


Osnabrück. Die SPD im niedersächsischen Landtag hat dem CDU-Abgeordneten Martin Bäumer empfohlen, sein Amt als umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion niederzulegen. Bäumer hatte zuvor die Landesregierung aufgefordert, die Existenz sogenannter Chemtrails zu überprüfen.

Sozialdemokrat Alexander Saipa erklärte dazu am Freitag: „Für mich als wissenschaftlich ausgebildeten Diplom-Chemiker ist es ein absoluter Fremdschämfaktor, diesen ahnungslosen Kollegen über esoterische Verschwörungstheorien reden zu hören.“ Saipa kritisierte – wie zuvor auch schon die Grünen – , dass es ausreichend wichtigere Themen gebe, um die sich Bäumern in seiner Funktion als umweltpolitischer Sprecher kümmern müsste.

„So jemand sollte nicht in der ernst zu nehmenden Politik Ämter bekleiden und schon gar nicht für umweltpolitische Themen sprechen“, so Saipa. Er empfehle Bäumer die Niederlegung des Sprecheramtes „wegen absoluter Ahnungslosigkeit“.

Die harsche Kritik beruht auf einer Berichterstattung unserer Redaktion über zwei parlamentarische Anfragen, die Bäumer an die Landesregierung gestellt hatte. In den Antworten weigerte sich das Umweltministerium in beiden Fällen, Messungen zur möglichen Existenz von Chemtrails vorzunehmen.

Bäumer: Ein für alle Mal aus der Welt schaffen

Dabei hatte Bäumer allerdings nicht behauptet, selbst von deren Existenz überzeugt zu sein. Er hatte lediglich gefordert, die Landesregierung möge entsprechende Überprüfungen vornehmen. „Nur mit einer Untersuchung lässt sich das Thema ein für alle Mal aus der Welt schaffen“, findet er. „Dass sich die Landesregierung nun weigert, entsprechende Untersuchungen anzustellen, sorgt doch nur für weitere Spekulationen und erweckt den Eindruck, man habe etwas zu verbergen“, begründete Bäumer seine Forderung im Gespräch mit unserer Redaktion. (Weiterlesen: Abgeordneter: Regierung muss Existenz von Chemtrails prüfen)

„CDU-Abgeordneter mit Aluhut“

Saipas persönlicher Angriff gegen Bäumer gipfelt in der Feststellung: „Das Land Niedersachsen muss und wird kein zusätzliches Steuergeld der niedersächsischen Steuerzahler für unsinnige Expertisen ausgeben, nur, weil ein CDU-Abgeordneter mit Aluhut seine Langeweile nicht im Griff hat.“ Bäumer solle seinen Aluhut nehmen und gehen.

Auf Anfrage des NDR stellte ein Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag klar, Bäumer habe die Anfragen zu Chemtrails und Geo-Engineering nicht in seiner Funktion als umweltpolitischer Sprecher, sondern in seiner Funktion als Abgeordneter für den Wahlkreis Georgsmarienhütte gestellt.

Die SPD-Abgeordnete Kathrin Wahlmann fordert die Spitze der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion derweil in einer Mitteilung auf, Farbe zu bekennen. „Offenbar herrscht ein tiefer Riss zwischen der CDU-Landtagsfraktion und Herrn Bäumer.“ Die CDU-Fraktion habe Martin Bäumer immerhin als Sprecher gewählt. „Wenn sich der Fraktionssprecher nun davon distanziert, spricht das Bände“, so Wahlmann. (Weiterlesen: Chemtrails: Landesregierung Niedersachsen glaubt nicht dran)

Chemtrail-Anhänger glauben, Kondensstreifen seien sichtbare Rückstände von Chemikalien, die per Flugzeug in die Umwelt eingebracht werden. Mal heißt es, um den Klimawandel zu bremsen – sogenanntes Geoengineering. Mal, um beispielsweise die Fruchtbarkeit der Menschen einzuschränken.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN