Staat kassiert am meisten Hilfen EU-Agrarsubventionen 2015: Die Top-Empfänger in der Region


Osnabrück. Die meisten EU-Agrarsubventionen streichen nicht etwa Bauern ein, sondern Behörden selbst. Das zeigen die jetzt veröffentlichten Daten für das Auszahlungsjahr 2015. In der Region Weser-Ems findet sich unter den Top 20 kein einziger landwirtschaftlicher Betrieb.

Die Datenbank ist riesig: 330.000 Empfänger von Agrarsubventionen, auf die sich 6,8 Milliarden Euro verteilen, sind aufgelistet. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hütet den Schatz auf der Internetseite www.agrar-fischerei-zahlungen.de. Die Suche ist nicht gerade verbraucherfreundlich, fördert aber Erstaunliches zutage.

Top-Empfänger aus Mecklenburg-Vorpommern

So ist zwar allenthalben von Agrarzahlungen die Rede. Doch unter den Top fünf Empfängern im Bundesgebiet findet sich kein einziger Bauernhof. Nummer eins in Deutschland ist demnach der Betrieb für Bau und Liegenschaften in Mecklenburg- Vorpommern. Im Internet ist nachzulesen, dass die Behörde landeseigene Grundstücke und Gebäude verwaltet. Für diese Aufgabe warb sie laut Auflistung EU-Agrarfördermittel in Höhe von mehr als 23 Millionen Euro ein.

Auch Platz zwei geht in den hohen Norden: Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz des Bundeslandes Schleswig-Holstein kassierte 20,7 Millionen Euro. Zusammengerechnet erhielten die Top 5 der Subventionsempfänger im vergangenen Jahr 77.261.048 Millionen Euro und 71 Cent.

NLWKN Spitzenreiter in Niedersachsen

Das sind die Top-Empfänger aus der Region Weser-Ems. Kurze Erläuterungen zu den Abkürzungen: NLWKN steht für: Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. TG bedeutet Teilnehmergemeinschaft. BIMA für Bundesanstalt für Immobilienaufgabe. Grafik: Langer

Spitzenempfänger in Niedersachsen war wieder einmal die Behörde, die nicht nur Jahr für Jahr die meisten Subventionen einwirbt, sondern vermutlich auch den längsten Namen besitzt: der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, kurz: NLWKN. Die Behörde mit Hauptsitz in Norden erhielt fast vier Millionen Euro aus Brüssel überwiesen und liegt damit landesweit deutlich vorn. Auf Platz zwei und drei folgen Emsländer: die Gartenbauzentrale in Papenburg (2,67 Millionen Euro) und die Stadt Lingen (2,5 Millionen Euro). (Weiterlesen: Emsland-Stärke: EU-Agrarförderung ade)

Addiert man die ausgezahlte Fördersumme an die 20 Spitzenempfänger aus der Agrarregion Weser-Ems zusammen – darunter im Übrigen kein einziger Landwirt – dann stehen unterm Strich nicht ganz 27 Millionen Euro. Also etwas mehr als die deutsche Nummer eins aus Mecklenburg-Vorpommern erhielt. (Weiterlesen: EU-Agrarförderung: Das waren die Top-Empfänger 2012)

252 Empfänger enthielten Fördersummen größer als eine Millionen Euro, zehn davon aus der Region Weser-Ems. Die allermeisten Fördermillionäre sitzen in Ostdeutschland. Der Grund: Direktzahlungen sind nach wie vor an die Fläche gekoppelt, und von der haben die Agrargenossenschaften im Osten eben deutlich mehr als der einzelne Landwirt aus Niedersachsen vorweisen kann. (Weiterlesen: Ein Prozent der Bauern kassiert 22 Prozent der Subventionen)

Aber auch der lässt sich in der Datenbank finden. Sofern er Subventionen erhalten und die oberhalb einer Bagatellschwelle lagen. Lange hatte es darum aufgrund von Datenschutzbedenken Streit gegeben, jetzt kann aber im Prinzip jeder nachlesen, was der Landwirt an der Ecke aus Fördermitteln erhält. So etwa Deutschlands oberster Bauer, Bauernpräsident Joachim Rukwied. An seinen Hof gingen knapp 82.000 Euro. An den Betrieb von Werner Hilse, Vorsitzender des Landvolks in Niedersachsen, flossen fast 70.000 Euro. Auch wieder vertreten: Bernd Busemann, Landtagspräsident in Niedersachsen und Schafzüchter. Er bekam etwas mehr als 7800 Euro an Subventionen. (Weiterlesen: EU-Agrarsubventionen: Empfänger bald wieder im Internet)

Wie bereits in den Vorjahren tummeln sich unter den Empfängern auch zahlreiche Konzerne aus dem Agrar- und Lebensmittelbereich. Etwa die Fleischproduzenten Danish Crown, Westfleisch und Vion, die zusammengenommen mehr als eine Million Euro erhielten. Ebenso Molkereibetriebe wie Friesland Campina (1,5 Millionen Euro) oder DMK (rund 400.000 Euro). In diesen Fällen gab es das Geld für Maßnahmen zur Lagerhaltung, sprich: Dafür, dass die Molkereien die Milch beispielsweise in Pulver umwandelten und dieses lagerten, statt es auf den überfüllten Markt zu bringen.


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