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22.06.2016, 18:48 Uhr MEHR ALS 33 TÖTUNGEN

Niels H.: Der Todespfleger und die Teilschuld der Anderen

Ein Kommentar von Dirk Fisser


Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. versteckt sein Gesicht hinter einem Aktendeckel während des Prozesses in Oldenburg. Ein zweiter wird folgen. Foto: dpaDer ehemalige Krankenpfleger Niels H. versteckt sein Gesicht hinter einem Aktendeckel während des Prozesses in Oldenburg. Ein zweiter wird folgen. Foto: dpa

Osnabrück. Die Serie der Morde und Mordversuche des Ex-Pflegers Niels H. nimmt immer größere Ausmaße an. Die niedersächsische Gesundheitsministerin will nun Strukturprobleme im Gesundheitswesen beheben - doch was ist mit den anderen 15 Bundesländern?

Die Mordserie von Krankenpfleger Niels H. nimmt immer ungeheuerlichere Ausmaße an. Wenn er seinem mörderischen Treiben nicht nur in einem, sondern in zwei Krankenhäusern nachgehen konnte, dann stellt sich die Frage, was in anderen Kliniken möglich ist. Der Fall des Todespflegers erschüttert nicht nur das Vertrauen in die Krankenhäuser in Delmenhorst und Oldenburg, sondern in das gesamte Gesundheitssystem.

Mittlerweile hat Niedersachsen angekündigt, Lehren aus der Mordserie zu ziehen. Doch was ist mit den anderen 15 Bundesländern? Es scheinen vor allem zwei Faktoren gewesen zu sein, die die Mordserie begünstigt haben: mangelnde Kontrollsysteme und eine Kultur des Wegschauens. Wie sonst ist zu erklären, dass trotz aller Auffälligkeiten niemand eingeschritten ist? Natürlich liegt die Verantwortung beim Täter. Eine Teilschuld aber tragen auch viele andere – bis hinein in die Justiz, die Ermittlungen lange nicht aufgenommen hat.

Hunderte Menschen in Oldenburg, Delmenhorst und dem Umland werden für immer mit der Ungewissheit leben müssen, ob ihre Angehörigen nicht auch Opfer des Todespflegers geworden sind. „Das Grauen hört nicht auf“, sagt Oldenburgs Polizeipräsident Johann Kühme. Für viele fängt es mit den neuen Erkenntnissen vielleicht gerade erst an.


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