Osnabrück – Emsland – Delmenhorst Hier wurden 2015 die meisten Räder in Niedersachsen geklaut

Fahrraddiebe müssen nur selten Angst haben vor der Polizei: In neun von zehn Fällen werden sie nicht geschnappt. Foto: dpaFahrraddiebe müssen nur selten Angst haben vor der Polizei: In neun von zehn Fällen werden sie nicht geschnappt. Foto: dpa

Osnabrück. 37.297 Fahrräder sind im vergangenen Jahr in Niedersachsen gestohlen worden. Zwar klärte die Polizei überdurchschnittlich viele Fälle auf. In der Summe bleibt die Quote aber auf niedrigem Niveau.

Auf 100.000 Einwohner kamen im vergangenen Jahr durchschnittlich 474 gemeldete Fahrraddiebstähle im Land. Damit lag Niedersachsen knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt von 490. 13,3 Prozent der gemeldeten Fälle klärten die Polizeidienststellen im Land auf. Bundesweit waren es neun Prozent der 335174 Diebstähle.

Emden Spitze im Norden

Spitze bei den Diebstählen unter den Städten im Nordwesten war Emden mit 1376 gestohlenen Rädern je 100.000 Einwohner. Das reichte immerhin für den bundesweit fünften Platz. Oldenburg kam mit durchschnittlich 1265 gestohlenen Rädern auf den zehnten Platz. Bremen erreichte mit 1035 Rädern den 13. Platz, gefolgt von Delmenhorst mit 1033 Zweirädern.

Auch in Osnabrück war das Risiko eines Diebstahls mit 864 Fällen überdurchschnittlich hoch. Damit landete die Stadt auf dem 27. Platz. Im Vorjahr schnitt Osnabrück mit dem 16. Platz wesentlich schlechter ab.

Münster bundesweit vorne

Doch nirgends mussten sich die Menschen mehr um ihr Rad sorgen als in Münster.. 5193 angezeigte Diebstähle waren es 2015 in der Summe, 1719 je 100.000 Einwohner. 2014 hatte Münster nach Cottbus und Magdeburg noch den bundesweit dritten Platz belegt. Im nahe gelegenen Bielefeld hingegen wurden vergleichsweise geringe 354 Räder gestohlen. Der bundesweite Durchschnitt in den Städten lag bei 640 Rädern.

Weniger Diebstähle auf dem Land

Ein anderes Bild ergibt sich in den Landkreisen unserer Region. Dort langten Diebe in der Regel seltener zum fremden Rad. In der Grafschaft Bentheim wurden 569 Räder je 100.000 Einwohner gestohlen, im Emsland 563, im Landkreis Aurich 547 und im Landkreis Leer 513. Im Landkreis Osnabrück waren es 310. Der bundesweite Durchschnitt in den Landkreisen lag bei 640.

Die bundesweite Aufklärungsquote der Polizei lag 2015 bei gerade einmal 9,1 Prozent. Mit 28 Prozent lieferte Jena das bundesweit beste Ergebnis – nach rund zehn Prozent im Jahr 2014. Der Erfolg ist auf eine Sonderermittlungsgruppe zurückzuführen. Die Berliner Polizei hingegen klärte nur 3,9 Prozent der angezeigten Diebstähle auf.

„Diebstähle schwer aufzuklären“

In unserer Region verzeichnete der Landkreis Leer mit 27,2 Prozent die beste Aufklärungsquote, die Delmenhorster Polizei verzeichnete hohe 14,1 Prozent. Im Emsland blieben neun von zehn Räder verschwunden, in Bremen klärte die Polizei nur 4,4 Prozent der Diebstähle auf. In Stadt und Landkreis Osnabrück lag die Aufklärungsquote mit 7,65 Prozent ebenfalls unter dem bundesweiten Durchschnitt – trotz eigener Ermittlungsgruppe in Osnabrück, die sich ausschließlich mit Fahrraddiebstählen befasst. „Aber Fahrraddiebstähle sind besonders schwer aufzuklären“, sagte Mareike Kocar, Sprecherin der Osnabrücker Polizei, unserer Redaktion. Vermehrt würden E-Bikes in den Fokus der Diebe gelangen.

ADFC für mehr Polizei

Landesweit klärte die Polizei 13,3 Prozent der angezeigten Diebstähle auf – zu wenig, meint der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC).

„Die Polizei muss vernünftig ausgestattet werden, nachdem ihr jahrelang Mittel und Personal gekürzt wurde“, sagte ADFC-Sprecher René Filippek unserer Redaktion. Bei der Aufklärungsquote „haben Kriminelle wenig zu befürchten“. Im Einzelfall sei der Schaden nicht hoch. „Insgesamt geht es aber um immense Werte“, sagte Filippek. Dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) zufolge gaben die Radfahrer in Deutschland 2015 durchschnittlich 557 Euro für ihr Gefährt aus.

Das Internetportal billiger.de hatte Kriminalstatistiken ausgewertet und Ranglisten für die 100 größten deutschen Städte sowie für Landkreise erstellt.

(mit dpa)


Mit Schloss und Riegel: Fünf Tipps gegen Fahrraddiebstahl

Mit den richtigen Maßnahmen können Fahrradbesitzer Dieben die Straftat erschweren. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sowie die Schlosshersteller Abus und Trelock geben diese Tipps zur Vorbeugung:

  • Abschreckung: Schon der Anblick massiver, schwerer Schlösser kann Diebe abschrecken. Denn diese wollen schnell zum Erfolg kommen, leicht knackbare Modelle ziehen sie an. Ein dünnes Spiralkabelschloss dagegen leistet nur wenig Widerstand: Es ist schnell durchgetrennt, je nach Schloss geht das schon mit leichterem Haushaltswerkzeug.
  • Qualität: Rund zehn Prozent des Fahrradpreises sollte man für das Schloss ausgeben. In Städten mit vielen Fahrraddiebstählen kann es sinnvoll sein, auch günstige Räder mit eher teuren Schlössern zu sichern.
  • Flexibilität: Panzerkabel-, Ketten- und Faltschlösser sind nicht nur massiv, sondern auch flexibel. Beim Anschließen des Rades lassen sie sich auch um etwas voluminösere Gegenstände wickeln. Das geht bei Bügelschlössern oft nur bedingt. Diese starren Schlösser in U-Form gelten dafür im Allgemeinen als widerstandsfähigster Schutz.
  • Transport: Ein Schloss hilft Radlern nur dann, wenn man es stets dabei hat. Beim Kauf von Bügelschlössern sollte man das Rad mitnehmen, um zu sehen, welche Halterung passt. Denn sehr schwere Schlösser immer im Rucksack zu transportieren, kann mühsam sein.
  • Technik: Diebe dürfen das Rad nicht wegtragen können – denn an sicheren Orten knacken sie auch sehr robuste Schlösser. Idealerweise wird das Schloss um das Oberrohr des Fahrrads und zugleich um einen verankerten Gegenstand wie einen Fahrradständer oder Laternenpfahl gewickelt. Liegt das Schloss dagegen auf dem Boden, bietet das Dieben manchmal einen besseren Hebel: Sie können zum Beispiel einen Bolzenschneider auf der einen Seite ablegen und mit beiden Händen den anderen Griff umfassen. In geschlossenen Räumen wie Kellern und Garagen sind Räder besonders sicher. Auch dort schließt man sie aber besser an, falls es Dieben gelingt, sich Zugang zu verschaffen.

(dpa)

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