Zahl der Risse 2015 verdoppelt Wölfe töteten seit Rückkehr 400 Nutztiere in Niedersachsen

Ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Munster frisst ein Stück Rotwild. Foto: Jürgen BorrisEin Wolf auf dem Truppenübungsplatz Munster frisst ein Stück Rotwild. Foto: Jürgen Borris

Osnabrück. Seit ihrer Rückkehr nach Niedersachsen haben Wölfe insgesamt 400 Nutztiere wie Schafe oder Ziegen gerissen. Allein im vergangenen Jahr registrierten die Landesbehörden 167 Tiere, die von Wölfen getötet worden sind waren – doppelt so viele wie noch 2014. Weidetierhalter rechnen für 2016 mit dem schlimmsten.

50 bis 70 Wölfe leben mittlerweile in Niedersachsen. 2007 wanderten die Raubtiere über Ostdeutschland und Westpolen in das Bundesland ein. Rudel bildeten sich, der erste Nachwuchs kam zur Welt. Mit der Begeisterung über die Rückkehr der Wölfe war es aber schnell vorbei, denn die Raubtiere machten nicht nur auf wild lebende Rehe Jagd, sondern attackierten auch Nutztiere.

167 tote Tiere im Jahr 2015

Eine entsprechende Statistik des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) listet für 2015 insgesamt 64 Fälle mit 167 toten Tieren auf, in denen der Wolf eindeutig als Verursacher identifiziert werden konnte – beispielsweise per DNA-Untersuchungen. Darunter auch ein Riss Ende Juni in Neusustrum im Landkreis Emsland . 2014 zählte die Behörde noch insgesamt 80 gerissene Tiere.

Der NLWKN begründet die Verdopplung mit der gestiegenen Anzahl der Wölfe im Land. „Insbesondere, wenn Wölfe sich weiter in Gebiete ausbreiten, in denen der Herdenschutz noch nicht flächendeckend verbreitet ist, ist dort in der Regel mit einem Anstieg der Risszahlen zu rechnen.“ Im laufenden Jahr zählt die Naturschutzbehörde 43 von Wölfen getötete Tiere, zahlreiche Vorfälle sind noch nicht endgültig geklärt. (Weiterlesen: Der Wolf ist gekommen, um zu bleiben)

Erst am Mittwoch berichtete die „Allgemeine Zeitung“ über einen Vorfall in der Lüneburger Heide. Hier soll ein Wolf sieben Lämmer gerissen haben, Augenzeugen beobachteten das Raubtier dabei. Auch einen Vorfall aus Ihrhove im Landkreis Leer bearbeitet das NLWKN derzeit, ein Schaf starb hier. Der Wolf gilt als tatverdächtig, immer wieder stellte sich in der Vergangenheit aber auch heraus, dass die Nutztiere dann doch von Hunden getötet wurden.

Kritik von Weidetierhaltern

Das NLWKN verweist darauf, dass dort, wo Weidehalter Schutzzäune aufbauen oder Herdenschutzhunde einsetzen, die Zahl der Risse sinkt. Joachim Rehse, Vorsitzender des Landesschaftzuchtverbandes Niedersachsen, hält dagegen: „Wölfe passen ihr Verhalten den Schutzmaßnahmen an und entwickeln Überwindungsstrategien. Es gibt in der Praxis keine hundert prozentige Sicherheit.“ Er sieht die Weidetierhaltung in Niedersachsen durch den Wolf gefährdet. (Weiterlesen: Wolf in der Nähe von Ostercappeln gesichtet)

Auffällige Wölfe abschießen?

Rehse gehört zu den Überbringern einer Petition an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Darin forderten verschiedene Verbände ein Umsteuern der Landesregierung in Sachen Wolf. Unter anderem solle sich Rot-Grün beim Bund und international dafür einsetzen, dass der Schutzstatus des Wolfes gelockert wird. Auffällige Wölfe, die immer wieder Nutztiere attackierten, sollten nicht weiterhin kosten- und zeitintensiv vergrämt, sondern entnommen oder gleich erschossen werden.

Dieses Schicksal ereilte zuletzt den Wolf „Kurti“. Der Rüde hatte sich wiederholt Menschen genähert, Umweltminister Stefan Wenzel zog die Notbremse und ließ Kurti töten – „letal entnommen“, wie es die Landesregierung formulierte. Wenig später starb Kurtis Schwester an Bissverletzungen. Nach wie vor sei unklar, wer zugebissen hat, heißt es vom NLWKN. Unter verschärfter Beobachtung steht auch die sogenannte Goldenstedter Wölfin. Allein sie soll in den vergangenen Jahren weit über Hundert Schafe im Raum Weser-Ems gerissen haben. (Weiterlesen: Darum musste der Munsteraner Wolf Kurti sterben)

Laut Auflistung der Umweltbehörde sind in diesem Jahr bereits sechs tote Wölfe in Niedersachsen entdeckt worden. Im Vorjahr waren es insgesamt sieben.


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