Abitur erst nach 14 Jahren? Wechsel zum Gymnasium für Realschüler erschwert

Abitur erst nach 14 Jahren? Realschüler, die 2017 ihren Abschluss erhalten, können durch die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) nicht regulär an ein Gymnasium wechseln. Foto: imago/Thomas MüllerAbitur erst nach 14 Jahren? Realschüler, die 2017 ihren Abschluss erhalten, können durch die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) nicht regulär an ein Gymnasium wechseln. Foto: imago/Thomas Müller

Osnabrück. Ein zusätzliches Jahr bis zum Abitur brauchen Schüler, die 2017 mit einem erweiterten Realschulabschluss an ein Gymnasium wechseln – ein Nebeneffekt der Rückkehr zu G9.

Hunderte Realschüler streben jedes Jahr das Abitur an einem Gymnasium, beziehungsweise einer Kooperativen Realschule an. Dafür gehen sie nach dem Abschluss der Realschule in die 10. Klasse und damit die Oberstufe eines Gymnasiums über und erhalten das Abitur dann nach insgesamt 13 Jahren.

Realschüler, die sich 2017 für das Abitur am Gymnasium entscheiden, erreichen die allgemeine Hochschulreife allerdings erst nach 14 Jahren. Der Grund ist die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) in Niedersachsen, die vor einem Jahr beschlossen wurde und nun greift. Dadurch beginnt die dreijährige Oberstufe für Gymnasiasten wieder erst im 11. Jahrgang. Quereinsteiger können 2017 somit nicht in das erste Jahr einer Oberstufe wechseln. Dies ist erst ab dem Schuljahr 2018/2019 wieder möglich.

Die allgemeine Hochschulreife nach 13 Jahren können die Schüler aber weiter an einem beruflichen Gymnasium oder einer integrierten Gesamtschule erlangen. Dort gibt es regulär das erste Jahr der Oberstufe.

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Abitur nach zwölf Jahren möglich

Das Niedersächsische Kultusministerium nennt als weitere Alternative die Möglichkeit des Schulwechsels nach der 9. Realschulklasse. Die Klassenkonferenz könne ausnahmsweise eine Überweisung vom 9. Jahrgang der Realschule an den 10. Jahrgang des Gymnasiums beschließen. Damit ist ein Abitur nach zwölf Jahren möglich.

Von einem Wechsel aus dem neunten Jahrgang der Realschule in die zehnte Klasse des Gymnasiums hält Wolfgang Schwenderling, Oberstufenkoordinator am Osnabrücker Gymnasium Carolinum, nicht viel: „Es ist sehr schwierig. Die Inhalte und didaktischen Methoden sind schon sehr unterschiedlich. Wenn jemand in der Realschule besonders gute Leistungen erbringt, heißt das nicht, dass er auch am Gymnasium gut klar kommt.“ Bisher gebe es am Carolinum noch keine Anfragen für einen entsprechenden Wechsel im nächsten Schuljahr.

Im Schuljahr 2014/2015 gingen laut Kultusministerium landesweit 1111 Schüler aus den Abschlussklassen der Real- und Hauptschulen in die Oberstufe der Gymnasien über. Dort gibt es unterschiedliche Konzepte. In einigen Schulen werden eigene Klassen für die neuen Schüler gebildet, in anderen werden sie mit den Gymnasiasten gemischt.

Ein Sprecher des Ministeriums sagte auf Anfrage unserer Redaktion, dass derzeit auch die Einrichtung einer gesonderten Einführungsphase für den G9-Jahrgang geprüft werde, um allen Schülern in Niedersachsen einen gleichberechtigten Zugang zum Abitur nach 13 Schuljahren zu ermöglichen.

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