Meyer lenkt bei Streit um Torfabbau ein

Torfabbau bei Gnarrenburg. In keinem Bundesland wird so viel Torf abgebaut wie in Niedersachsen. Foto: Carmen Jaspersen/dpaTorfabbau bei Gnarrenburg. In keinem Bundesland wird so viel Torf abgebaut wie in Niedersachsen. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Hannover. Im Streit um die Zukunft des Torfabbaus kommt Landwirtschaftsminister Christian Meyer den Kritikern entgegen. Das neue Raumordnungsprogramm soll demnach den Abbau von 3500 Hektar Torf unter Auflagen erlauben. Doch es gibt Kritik.

Meyer stellte am Dienstag in Hannover den gründlich überarbeiteten Entwurf des Landesraumordnungsprogramms (LROP) vor, den das Kabinett zuvor gebilligt hatte. Das LROP setzt Standards darüber, wie das Land künftig entwickelt und welche Nutzungen möglich sein sollen. Ende des Jahres soll die Reform in Kraft treten.

Meyer verspricht den Kommunen mit dem neuen Entwurf größere Spielräume bei der Ausweisung von Einzelhandelsflächen, außerdem soll mit Vorgaben über den Wirkungsgrad von Kraftwerken der Bau neuer Kohlemeiler praktisch unmöglich gemacht werden.

Doch das wichtigste Thema ist der Torf. Anders als zunächst vorgesehen will das Land den Torfabbau nun doch zunächst weiter erlauben: Etwa 3500 Hektar sollen noch abgebaut werden können, zusätzlich zu den etwa 11500, die bereits für den Abbau vorgesehen sind. Allerdings sind an den Abbau hohe Ausgleichsanforderungen geknüpft. Landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden inklusive dem Ziehen von Drainagen und dem Bau von Ställen sollen auch in „Vorranggebieten zur Torferhaltung „ künftig möglich sein. Vom Begriff der „Moorentwicklung“, welches Befürchtungen vor Wiedervernässung von Nutzflächen geschürt hatte, hat sich das Ministerium komplett verabschiedet. Auch die Produktion von Torf-Dachziegeln und der Betrieb von Moorbädern sei sichergestellt, stellte Meyer klar.

“Gelungener Kompromiss

Meyer pries das Konzept als „gelungenen Kompromiss“, der CDU-Fraktionsvize Dirk Toepffer sah in der Überarbeitung immerhin noch „die beste der schlechten Lösungen“. Besser wäre es gewesen, wenn Rot-Grün ganz die Finger vom LROP gelassen hätte, so Toepffer.

Kritik kam vom Industrieverband Garten (IVG), der auch Torf-Produzenten vertritt. Als „absolute Mogelpackung“ bezeichnete Tanja Constabel vom IVG-Büro Hannover den Entwurf. „Die Fläche reicht nicht, um den Bedarf in Niedersachsen zu decken“, sagte sie. Da der Erwerbsgartenbau zwingend auf Torf angewiesen sei, würden die Betriebe schauen, „wie sie an die Rohstoffe kommen“. Damit seien Importe aus dem Baltikum wahrscheinlicher. Meyer setzt auch auf Projekte für schnell wachsenden Torfersatz, wie sie auch in einem Betrieb in Geeste bei Twist getestet wird. Diese Ideen seien nicht neu, die Branche arbeite schon lange daran, sagte Constabel.

Sorge um Flächenfraß

Das Landvolk begrüßte hingegen das Ankündigung Meyers bei der landwirtschaftlichen Nutzung von Torfflächen. Nun müsse man schauen, wie die Vorgaben konkret aussehen, sagte Sprecherin Gabi von der Brelie. Dem Verband macht hingegen Sorgen, dass durch die Ausgleichsmaßnahmen wertvolle Landwirtschaftsfläche verloren gehe. Insgesamt wünscht sich von der Brelie mehr Einsatz des Landes im Kampf gegen den Flächenfraß. Aktuell liegt der Flächenverbrauch im Land pro Tag bei knapp acht Hektar. Ziel sind drei.


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