Insolvenzverfahren in Niedersachsen Gläubiger machen 1,34 Milliarden Euro Verlust

Die niedersächsischen Gläubiger machten bei Insolvenzverfahren aus dem Jahr 2009 knapp 1,34 Milliarden Euro Verlust. Foto: Soeren Stache/dpaDie niedersächsischen Gläubiger machten bei Insolvenzverfahren aus dem Jahr 2009 knapp 1,34 Milliarden Euro Verlust. Foto: Soeren Stache/dpa

cst/pm Osnabrück/Hannover. Die niedersächsischen Gläubiger haben bei Insolvenzverfahren aus dem Jahr 2009 einen Verlust von 1,34 Milliarden Euro gemacht. Ein Blick auf die Statistik zeigt zudem: Sanierungen sind selten erfolgreich und nur wenige Betriebe machen nach Insolvenzverfahren weiter – nicht anders in Osnabrück, dem Emsland und Delmenhorst.

Von 18.732 Insolvenzverfahren, die im Jahr 2009 in Niedersachsen eröffnet wurden, wurden bis Ende 2013 insgesamt 17.356 Verfahren beendet. Die tatsächlichen Forderungen gegenüber den Schuldnern betrugen 1,37 Milliarden Euro. Eine Begleichung dieser Schulden war in den Insolvenzverfahren nur in sehr geringem Umfang möglich, da lediglich 33 Millionen Euro zur Verteilung zur Verfügung standen. Somit ergab sich ein Verlust bei den Gläubigern in Höhe von 1,34 Milliarden Euro aus den bis Ende 2013 beendeten Insolvenzverfahren. Wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) mitteilt, ergab der Anteil des Betrages, der auf die Gläubiger verteilt werden konnte, bezogen auf die gesamten Forderungen eine Deckungsquote von 2,4 Prozent.

Deckungsquote von Verbraucherinsolventen bei 1,7 Prozent

Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern wurden bereits 12.942 von 13.182 eröffneten Insolvenzverfahren des Jahres 2009 bis zum Jahr 2013 beendet (98,2 Prozent). Die Forderungen aus Verbraucherinsolvenzverfahren summierten sich auf rund 454 Millionen Euro. Beglichen werden konnten davon lediglich 7,5 Millionen Euro. Damit ergaben sich Verluste in Höhe von 446 Millionen Euro. Die Deckungsquote bei den Verbraucherinsolvenzen betrug 1,7 Prozent.

Gläubiger in Osnabrück machen 17 Millionen Euro Verlust

Im Raum Weser-Ems machten die Gläubiger in den Verbraucherinsolvenzverfahren 109 Millionen Euro Verlust. Für die Verteilung stand lediglich ein Betrag von knapp 1,3 Millionen Euro zur Verfügung. Abgeschlossen wurden demnach 98,4 Prozent der Verbraucherinsolvenzverfahren (3.674 von 3.732) im Untersuchungszeitraum. Allein in der Stadt Osnabrück machten die Gläubiger einen Verlust von 17 Millionen Euro, im Emsland 11 Millionen Euro und in Delmenhorst 7 Millionen Euro. Nur in der Grafschaft Bentheim und in Wittmund wurden alle Verfahren aus 2009 bis Ende 2013 abgeschlossen.

21 Millionen Euro sollen 402 Millionen Euro decken

Bei den im Jahr 2009 eröffneten Unternehmensinsolvenzen wurden bis Ende 2013 1.229 Verfahren von 2.000 beendet (61,4 Prozent). Gegenüber insolventen Unternehmen wurden Forderungen in Höhe von 402 Millionen Euro gestellt. Zur Verteilung an die Gläubiger standen noch 21 Millionen Euro zur Verfügung. Die Deckungsquote lag somit bei 5,2 Prozent.

Gläubiger von emsländischen Unternehmen mit höchstem Verlust

Im Raum Weser-Ems machten die Gläubiger der Unternehmen 168 Millionen Euro Verlust. Zur Deckung der Forderungen standen knapp 12 Millionen Euro zur Verfügung. Osnabrück weist die schlechteste Quote bei den beendeten Verfahren auf (54,8 Prozent). Die Gläubiger in der Hasestadt machten 3,8 Millionen Euro Verlust. Die Unternehmensgläubiger im Emsland hatten die höchsten Verluste (73,6 Millionen Euro) – etwa so viel, wie die gesamte Region Hannover (78,6 Millionen Euro). In Delmenhorst verloren die Gläubiger 3,6 Millionen Euro. Die meisten beendeten Verfahren weist die Stadt Emden vor (92,3 Prozent).

Sanierung selten erfolgreich

Bei 99 von 1.229 Unternehmensinsolvenzen (8,1 Prozent) war eine Sanierung des Unternehmens erfolgreich, wobei 41 Unternehmen unter Beibehaltung des bisherigen Unternehmensträgers fortgeführt werden konnten. In 58 Fällen war der Erhalt des Betriebes oder von Betriebsteilen möglich. In diesen 99 erfolgreich sanierten Unternehmen konnten insgesamt 1 574 Arbeitsplätze erhalten werden. Die Sanierung war nicht möglich oder nicht erfolgreich bei 1.061 insolventen Unternehmen, von weiteren 69 Unternehmen lagen keine Angaben zum Sanierungserfolg vor.

Nur wenige Betriebe machen weiter

Die Möglichkeit der Betriebsfortführung nutzten 165 von 1.229 Unternehmen (13,4 Prozent). Keine Betriebsfortführung gab es bei 1.049 Unternehmen, keine Angabe zur Betriebsfortführung lag bei 15 Unternehmen vor. Während des Insolvenzantragsverfahrens führten 156 Unternehmen ihre Betriebe mit durchschnittlich 19 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern fort. Nach der Insolvenzeröffnung konnten 61 Unternehmen ihre Betriebe mit durchschnittlich 21 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern fortführen. Dies sind die ersten Ergebnisse der Statistik über beendete Insolvenzverfahren und Restschuldbefreiung. Auskunftspflichtig sind hierzu die von den zuständigen Amtsgerichten bestellten Insolvenzverwalter, Sachwalter und Treuhänder.