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Kot, Blut und Erbrochenes Polizisten ekeln sich vor Unterkunft bei Obama-Besuch

Von dpa

Tausende Polizisten sichern den Besuch von US-Präsident Barack Obama ab. Einige Beamte haben sich über ihre Unterbringung beschwert. Foto: dpaTausende Polizisten sichern den Besuch von US-Präsident Barack Obama ab. Einige Beamte haben sich über ihre Unterbringung beschwert. Foto: dpa

Hameln. Blut auf Matratzen, Kot und Urin auf dem Boden, Erbrochenes an den Wänden: Drei Hundertschaften der nordrhein-westfälischen Bereitschaftspolizei haben sich geweigert, in ihrer Hamelner Unterkunft für den Einsatz während des Besuchs von US-Präsident Barack Obama zu übernachten.

Die Kaserne Linsingen hatte bis vor kurzem als Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gedient. „Das war wirklich unzumutbar“, sagte einer der Beamten am Sonntag. Einige Polizisten veröffentlichten in sozialen Netzwerken Fotos aus der Kaserne.

Der niedersächsische Landespolizeidirektor Knut Lindenau sagte am Sonntag, die Kritik sei berechtigt gewesen. Die Unterbringung von rund 4000 Polizisten zu einem Zeitpunkt, wo praktisch alle Betten rund um Hannover wegen der Messe ausgebucht seien, sei eine immense logistische Herausforderung gewesen.

Die Kaserne in Hameln sei vorab auch mit Kollegen der anderen Bundesländer besichtigt worden. Dabei sei sie grundsätzlich akzeptiert worden, obwohl klar war, dass der Unterbringungsstandard schlicht war. Allerdings sei dann am Freitag beim Einzug der Beamten festgestellt worden, dass der Reinigungszustand schlecht war. „Obwohl sich die Einrichtung insgesamt in einem guten Gesamtzustand befindet, gab es ganz offensichtlich Reinigungsmängel, für die wir uns entschuldigen“, sagte der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels. Insgesamt seien 20 von 400 Zimmern verunreinigt, heißt es in einer Stellungnahme, die der Landkreis und das DRK veröffentlichten.

Der Landrat kritisierte die Vorgehensweise einiger Beamter, die mit einer „massiv verzerrten öffentlichen Darstellung“ ihrem Unmut freien Lauf ließen. „So bringt man unberechtigt und wohl ungewollt vorherige Nutzer – Schutzsuchende beziehungsweise Angehörige der britischen Streitkräfte – in Misskredit“, erklärte er.

Rund 1000 Beamte sollten in Hameln untergebracht werden, letztlich übernachten nach den Worten des Polizeidirektors dort nun nur rund 100. Es gebe durchaus auch Einsatzkräfte, die kein Problem damit gehabt hätten, in Hameln untergebracht zu sein, sagte Lindenau.

Für die anderen seien mit einigem Aufwand Ausweichquartiere unter anderem in Hotels in Hildesheim oder sogar in Bad Salzuflen in Nordrhein-Westfalen gefunden worden. Selbst auf Betten im Serengeti-Park und im Heide Park Soltau griff die Polizei zurück, um ihre Beamten unterzubringen.

Die nordrhein-westfälischen Gewerkschaft der Polizei (GdP) teilte mit, unmittelbar nach Bekanntwerden der „skandalösen hygienischen Situation“ in Hameln habe sich Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) eingeschaltet und auf eine andere Unterbringung der Beamten bestanden.

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