Ab Donnerstag Gespräche über Jobs Wiesenhof: Lohn durch Versicherung nicht annähernd gedeckt


Osnabrück. Erstmals hat sich Wiesenhof zu einer Betriebsausfallversicherung für seinen abgebrannten Schlachtbetrieb in Lohne geäußert. Das Ergebnis ist für die Mitarbeiter ernüchternd: Die anfallenden Lohnkosten seien angesichts der zu erwartenden Schadenshöhe „nicht annähernd finanziell gedeckt“.

Damit verdichten sich die Anzeichen, dass sich Wiesenhof bald von einem Teil der 750 Festangestellten am Standort im Landkreis Vechta trennen wird. Am Donnerstag sollen Gespräche mit den Sozialpartnern aufgenommen werden, heißt es vom Unternehmen. (Weiterlesen: Nach Brand bei Wiesenhof: Schlachter in Sorge um Jobs)

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und die niedersächsische Landesregierung hatten zuletzt Klarheit über den Versicherungsstatus gefordert. Eine entsprechende Betriebsausfallversicherung könnte die Löhne fortzahlen. Offensichtlich reicht die Versicherungssumme dazu aber nicht aus. Nach dem Großbrand am Ostermontag wird über einen hohen zweistelligen Millionenschaden spekuliert. (Weiterlesen: Fragen und Antworten nach Feuer bei Wiesenhof in Lohne)

Standort Lohne soll gesichert werden

In der Wiesenhof-Mitteilung heißt es weiter: „Nähere Angaben, wie viele Arbeitsplätze wir für unsere Beschäftigten sichern können, können wir erst nach den Gesprächen mit den Sozialpartnern formulieren.“ Ziel der am Donnerstag beginnenden Gespräche sei es jedenfalls, „so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten und die Zukunftsfähigkeit unseres Standortes in Lohne sowie der gesamten PHW-Gruppe nachhaltig zu sichern“. NGG-Vertreter Matthias Brümmer erklärte: „Ich gehe davon aus, dass alle Arbeitsplätze erhalten bleiben können. Darüber werden wir in aller Ruhe sprechen.“

Bezüglich der Zukunft der 450 Leiharbeiter und Werkvertragsschlachter verweist Wiesenhof an die Subunternehmer. Bereits kurz nach dem Brand hatten diese Teile ihres überwiegend aus Osteuropa stammenden Personals gekündigt. Mittlerweile sollen es rund 130 Menschen sein, die sich bei der Arbeitsagentur gemeldet haben, ausschließlich Leiharbeiter und kein einziger Wiesenhof-Festangestellter. (Weiterlesen: Nach Brand bei Wiesenhof: Dutzende Leiharbeiter arbeitslos)

Wiesenhof erklärt, derzeit werde ein Stufenplan für den Standort Lohne erstellt. „Dieser sieht im ersten Schritt vor, so schnell wie möglich zumindest einen Teil der Beschäftigten wieder in Arbeit zu bringen.“ Ab Mitte Mai könnten die ersten 350 Beschäftigten im Bereich Zerlegung und Verpackung die Arbeit wieder aufnehmen. Langfristiges Ziel sei der vollständige Wiederaufbau des Betriebes, in dem zuletzt 340.000 Hähnchen am Tag geschlachtet worden waren.


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