Historikerin: 200 Spitzel Was tat die Stasi in Niedersachsen?

Von dpa

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Im Archivfundus der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin. Was die Stasi in Niedersachsen getan ist, darüber ist noch nicht so viel bekannt. Foto: dpaIm Archivfundus der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin. Was die Stasi in Niedersachsen getan ist, darüber ist noch nicht so viel bekannt. Foto: dpa

Hannover. Das Ministerium für Staatssicherheit hatte zu DDR-Zeiten auch in Niedersachsen seine Spitzel. Die Historikerin Daniela Münkel hilft dem Landtag dabei, die Aktivitäten aufzuklären. Was tat die Stasi in Niedersachsen?

Was und wer waren die Ziele der Stasi in Niedersachsen?

Die Stasi interessierte sich vor allem für die klassischen Felder: Wirtschaft, Politik, Technologie und Wissenschaft. Konkrete Ziele waren wohl Unternehmen, möglicherweise Universitäten, Parteien, Verbände und Ministerien. Aber auch das Notaufnahmelager für DDR-Flüchtlinge in Sandbostel und die Zentrale Erfassungsstelle in Salzgitter wurden ausspioniert.

Mit welchen Methoden ging die Stasi in Niedersachsen dabei vor?

Wir wissen, dass im Jahr 1988 etwa 200 Informanten für die Stasi in Niedersachsen tätig waren. Seit den späten 70er-Jahren setzte das Ministerium zunehmend auch auf Funkaufklärung. Vor dem Mauerbau entführte die Stasi sogar Menschen, um an Informationen zu gelangen. Da gab es zum Beispiel den tragischen Fall eines Mitarbeiters des Bundesamts für Verfassungsschutz in Hannover in den 50er-Jahren. Ein Doppelagent lockte den Mann an die Grenze, wo man ihn niederschlug und verschleppte. 1955 wurde er in der DDR zu lebenslanger Haft verurteilt.

Waren auch Privatpersonen Ziele der Stasiaktivitäten?

Natürlich. Viele Menschen, die aus der DDR geflohen sind, blieben im Visier der Stasi. Auch da gibt es spektakuläre Einzelfälle wie etwa den des Braunschweiger Fußballers Lutz Eigendorf. Bis heute ist ungeklärt, welche Rolle die Stasi bei seinem Unfalltod gespielt hat.

Was waren regionale Schwerpunkte der Stasiaktivitäten in Niedersachsen?

Das lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Aktivitäten waren breit gestreut. Wir nehmen an, dass die industriellen Regionen ein Schwerpunkt waren, etwa Wolfsburg und Hannover. Doch auch Universitätsstädte gehörten wohl dazu. Dann gab es Städtepartnerschaften wie zwischen Braunschweig und Magdeburg. Solche Verbindungen wurden gerne zur Anwerbung neuer Informanten genutzt.


Daniela Münkel (54) ist seit 2008 Projektleiterin in der Forschungsabteilung der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Berlin. Die niedersächsische Historikerin hat in Hannover promoviert. Es folgten wissenschaftliche Stationen in Heidelberg und Berlin. Inzwischen berät Münkel als externe Sachverständige die Mitglieder der Enquetekommission des niedersächsischen Landtags zur Aufarbeitung der Machenschaften der Stasi in Niedersachsen. (dpa)

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