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Gewerkschaft spricht von „Sauerei“ Wiesenhof-Leiharbeiter einen Tag nach Großbrand gekündigt

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Osnabrück. Bereits einen Tag nach dem Brand bei Wiesenhof in Lohne am Ostermontag sind die ersten Leiharbeiter offenbar gekündigt worden. Das legen entsprechende Dokumente nahe. Die Gewerkschaft NGG spricht von einer „Sauerei“. Wiesenhof verweist an die verantwortlichen Subunternehmer.

„Aus betrieblichen Gründen“ werde das bestehende Arbeitsverhältnis zum 30. April beendet, heißt es in dem Schreiben der Leiharbeitsfirma. Ausstellungsdatum: 29. März 2016, also genau ein Tag, nachdem ein Großfeuer Teile des Wiesenhof-Schlachthofs in Lohne, Landkreis Vechta, zerstört hat. Der Arbeitnehmer wird darauf hingewiesen, dass er verpflichtet sei, sich umgehend als arbeitssuchend beim Arbeitsamt zu melden. „Weiterhin sind Sie verpflichtet, aktiv nach einer Beschäftigung zu suchen.“ (Weiterlesen: Fragen und Antworten nach Feuer bei Wiesenhof in Lohne)

Insgesamt 450 Leiharbeiter

Das Dokument stammt von einer Leiharbeitsfirma aus Lohne, deren Arbeitnehmer in dem Wiesenhof-Betrieb arbeiten. Von insgesamt 1200 Beschäftigten am Standort im Landkreis Vechta haben 750 eine Festanstellung bei Wiesenhof. Die restlichen 450 arbeiten als Leiharbeiter oder per Werkvertrag für Subunternehmer des Geflügelfleischproduzenten. Viele von ihnen stammen aus Ost- und Südosteuropa. Wie viele eine derartige Express-Kündigung bekommen haben, war zunächst nicht zu erfahren. (Weiterlesen: Nach Feuer bei Wiesenhof: Mitarbeiter werden Jobs verlieren)

Neuer Job in Brandenburg

Offenkundig werden einem Teil der Leiharbeiter Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Wiesenhof-Werken angeboten. „Weil diese Betriebsstätte abgebrannt ist“, heißt es in dem Dokument eines weiteren Subunternehmers, „kann der Arbeitnehmer nicht weiterbeschäftigt werden.“ Dem Arbeitnehmer wird angeboten zu einer anderen Leiharbeitsfirma von Wiesenhof zu wechseln. Arbeitsstätte wäre aber nicht Lohne, sondern ab dem 1. April – nicht einmal eine Woche nach dem Brand – Königs Wusterhausen, südlich von Berlin. In der Stadt in Brandenburg unterhält der Geflügelfleischproduzent einen weiteren Standort. Immerhin: Sobald der Betrieb in Lohne wieder laufe, könne der Arbeitnehmer hierhin zurückkehren, wird zugesichert.

Gewerkschaft spricht von „Sauerei“

Für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bestätigt sich mit den Kündigungen die Befürchtung, dass die Leiharbeiter die ersten Verlierer des Großbrandes vom Ostermontag sind. Auf unbestimmte Zeit kann in Lohne nicht mehr geschlachtet werden. Bereits am Dienstag hatte Wiesenhof auf einer Betriebsversammlung angekündigt, sich deswegen von einem Teil der Mitarbeiter trennen zu müssen. Am selben Tag erhielten die ersten Leiharbeiter offenkundig bereits Kündigungen von den Subunternehmern.

„Das ist eine Sauerei“, schimpft Matthias Brümmer, Geschäftsführer des NGG-Bezirks Oldenburg-Ostfriesland. Er hätte erwartet, dass zunächst abgewartet und die Lage gründlich sondiert werde, bevor Arbeiter vor die Tür gesetzt werden. „Von einem deutschen Subunternehmer hätten wir so etwas nicht erwartet“, kritisiert Brümmer den Betrieb aus Lohne. „Da, wo es möglich ist, werden wir die Kollegen auffordern, gegen ihre Kündigung zu klagen.“

Wiesenhof: Geschäftsgrundlage nicht mehr vorhanden

Eine Wiesenhof-Sprecherin teilt mit, dass der Geflügelfleischproduzent keine Auskunft zu den Arbeitsverhältnissen bei Subunternehmern geben könne. Diese wiederum wollten sich am Freitag auf Nachfrage nicht äußern. Die Wiesenhof-Sprecherin bestätigte: „Durch den Brand in der Schlachterei ist leider die Geschäftsgrundlage mit den Leiharbeitsfirmen zwangsläufig nicht mehr vorhanden.“ Wann die Produktion wieder aufgenommen werde, sei derzeit nicht abzusehen. Ob Wiesenhof unmittelbar nach dem Brand die Verträge mit Leiharbeitsfirmen gekündigt hat, blieb zunächst offen.

NGG: Wiesenhof ist Vorzeigebetrieb

Gewerkschafter Brümmer appelliert an die „soziale Verantwortung von Wiesenhof“. Der Geflügelfleischproduzent müsse mit seinen Subunternehmern dringend über die Kündigungen reden. Laut Brümmer zählt Wiesenhof in der Fleischbranche zu den Vorzeigeunternehmen, was den Umgang mit Mitarbeitern angeht – egal, ob Festangestellte oder externe Kräfte.

Unklar ist derweil noch, ob und wenn ja wie viele der 750 Festangestellten in Lohne ihren Job verlieren werden. Die Geschäftsführung tue alles, „um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern“, teilt die Unternehmenssprecherin mit. Sie betont: Es seien keine Kündigungen an Festangestellte ausgesprochen oder verteilt worden.


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