Kongress „Bewegte Kindheit“ eröffnet „Europa missachtet die Kinderrechte“


Osnabrück. Mit scharfer Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik ist am Donnerstagmittag in der Osnabrückhalle der Kongress „Bewegte Kindheit“ eröffnet worden. Derzeit würden in fast allen europäischen Staaten die Kinderrechte missachtet, sagte die Kongressleiterin Prof. Renate Zimmer.

50000 der Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen sind, seien unter drei, sagte die Sport- und Bewegungswissenschaftlerin bei der Begrüßung der 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Alle Kinder hätten das Recht auf Bildung, Schutz, Beteiligung und Gesundheit zitierte Zimmer aus der UN-Kinderrechtskonvention. Europa aber schließe die Grenzen und die Augen.

Wir wollen das schaffen!

Ja, es gebe auch in Deutschland Armut, fuhr Zimmer mit Hinweis auf die aktuelle Debatte fort. Aber die Kinder hier müssten nicht hungern, nicht frieren und hätten ein Dach über dem Kopf. Kindertagesstätten seien ideal geeignet, sich um Kinder mit Fluchterfahrung zu kümmern. Allerdings benötigten die Kitas Unterstützung für ihre Arbeit. Der Kongress möge die Teilnehmerinnen stärken, wenn „sie denen helfen, die es nötig haben“, rief Zimmer aus: „Wir wollen das schaffen!“

Der zehnte Kongress im 25. Jubiläumsjahr beschäftigt sich unter anderem mit der Förderung von Flüchtlingskindern. Unter verschiedenen Schwerpunkten zeigt der Kongress Fachleuten aus der frühkindlichen Bildung Möglichkeiten auf, wie Kinder durch Bewegung, Spiel und Sport in ihrer ganzheitlichen Entwicklung begleitet und gefördert werden. Nach der Programmveröffentlichung seien alle 3000 Plätze innerhalb von fünf Wochen ausgebucht gewesen, sagte Zimmer: „Es ehrt uns, dass der Kongress offensichtlich die Erwartungen erfüllt.“ Die Teilnehmer kommen aus Deutschland und vielen verschiedenen europäischen Ländern.

Größter Kongress der Universität

Die von der Universität und dem Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung organisierte Veranstaltung sei der größte regelmäßige Kongress der Uni, sagt Uni-Präsident Wolfgang Lücke. Prof. Zimmer, die noch in diesem Monat von der Universität verabschiedet werde, habe auf dem Gebiet der frühkindlichen Bewegungsforschung entscheidende Impulse für Wissenschaft und Forschung gegeben.

Bettina Bundszus-Cecere vom Bundesfamilienministerium dankte in ihrer Ansprache Zimmer für ihre „Worte, Mut und Haltung“ in der Flüchtlingsfrage. Die rund zehntausend minderjährigen Flüchtlinge, die allein im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen seien, gäben der Betreuung eine Wende.

Allerdings dürften deshalb deutsche Kinder nicht vernachlässigt werden. Das Familienministerium habe angesichts des großen Zuzuges den Plan, 800000 neue Kita-Plätze zu schaffen, sagte Bundszus-Cecere unter lautem Beifall der Teilnehmerinnen.

Samstag kommt Christian Wulff

Schirmherrin des Jubiläumskongresses ist die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Sie wird am Freitagmorgen zu einem Grußwort in der Osnabrückhalle erwartet. Zum Abschluss spricht am Samstagmittag der frühere Bundespräsident Christian Wulff zum Thema „Kinder sind der Schlüssel zu einer besseren Welt“. Insgesamt gibt es 254 verschiedene Veranstaltungen.


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