Tagung im Schloss Symposium in Osnabrück: Flüchtlinge als Chance begreifen

Von Franziska Kückmann

Polizisten in einer Erstaufnahmeeinrichtung: Der Zuzug von Flüchtlingen stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Foto: dpaPolizisten in einer Erstaufnahmeeinrichtung: Der Zuzug von Flüchtlingen stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Foto: dpa

Osnabrück. Herausforderungen und Chancen der Integration haben im Mittelpunkt einer Tagung von Polizei und dem Institut für islamische Theologie in Osnabrück gestanden. Beamte und Flüchtlingshelfer tauschten ihre Erfahrungen aus.

Wohnung, Ausbildung, Heirat: Die Geschichte von Ali Mohammed Sharif liest sich wie ein Musterbeispiel der Integration. Der 20-jährige Somalier lebt erst seit zwei Jahren in Deutschland, doch in überraschend gutem Deutsch erzählt er in der Aula des Osnabrücker Schlosses, was ihm geholfen hat, hierzulande anzukommen: die Hilfe der Behörden, die Unterstützung durch eine muslimische Gemeinde, aber vor allem viel Eigeninitiative.

Erfahrungsaustausch

Das Symposium „Flüchtlingswellen im Spannungsfeld zwischen staatlichem Auftrag und religiösem Ideal“ am Dienstag in Osnabrück stellte genau diese Herausforderungen und Chancen der Integration von Flüchtlingen in den Mittelpunkt. Eingeladen hatten dazu die Polizeidirektion Osnabrück und das Institut für islamische Theologie der Universität Osnabrück. Polizeibeamte, islamische Theologen und Mitarbeiter in Flüchtlingseinrichtungen nutzten die Veranstaltung, um ihre Erfahrungen auszutauschen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hob die Rolle der Angehörigen islamischer Gemeinden in Deutschland bei der Gestaltung einer Willkommenskultur hervor. „Sie wirken als Kulturübersetzer und Integrationslotsen, um Ankommenden unsere freiheitlich-demokratische Ordnung nahezubringen“, betonte er.

Beispiele aus der Praxis

Erfahrungen aus der täglichen Praxis brachte Annekatrin Tschner vom Diakoniewerk mit. Sie leitet das Flüchtlingshaus in Osnabrück und wies darauf hin, wie wichtig es sei, nicht nur die Asylbewerber zu versorgen, sondern auch die Anwohner der Einrichtung mit ins Boot zu nehmen. „Es gilt, sensibel zu sein und Kontakte zu knüpfen.“ Aus erster Skepsis entwickle sich dann nicht selten große Hilfsbereitschaft.

Den Zuzug von Flüchtlingen als Chance zu begreifen, zog sich wie ein roter Faden durch die Tagung. Als eindrucksvolles Beispiel dafür diente das Schicksal Sharifs, der inzwischen eine Ausbildung zum Maler macht. 500 Mitglieder seiner neuen Osnabrücker Moscheegemeinde hätten kürzlich seine Hochzeit mitgefeiert, berichtete der Somalier stolz. Und: „Ich danke Deutschland. Es gibt so viele nette Deutsche.“


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