Anforderung gilt zunächst in Osnabrück Stichfeste Westen für Sicherheitsleute in Flüchtlingslagern


Osnabrück. Stichfeste Schutzwesten werden für das Sicherheitspersonal in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge in Niedersachsen nach und nach zur verpflichtenden Arbeitskleidung. Das bestätigte die zuständige Landesaufnahmebehörde unserer Redaktion. Der Branchenverband sagt, wichtiger als Westen seien höhere gesetzliche Anforderungen an die Ausbildung des Sicherheitspersonals.

Stichsichere Westen in Signalfarbe und der Aufschrift „Security“, dazu schnittfeste Handschuhe – so wird in der Ausschreibung für den Sicherheitsdienst des Erstaufnahmelagers Osnabrück die Anforderung an die Dienstkleidung der Sicherheitsleute umschrieben. Was ab Sommer an dem Standort in einem ehemaligen Krankenhaus verpflichtend ist, soll nach und nach auch in den restlichen Erstaufnahmeeinrichtungen etwa in Bramsche-Hesepe oder Braunschweig umgesetzt werden. (Weiterlesen: Klinik wird zum neuen Flüchtlingsheim in Osnabrück)

Zunächst gelte Bestandsschutz, heißt es bei der Landesaufnahmebehörde. Mit jeder Neuausschreibung werde die Anforderung aber auch andernorts übernommen. Für die Sicherheit an den Lagerstandorten sind in aller Regel private Sicherheitsdienste zuständig, mit denen das Land nach vorheriger Ausschreibung einen Vertrag geschlossen hat.

Das ist die Begründung

Die Behörde reagiert nach eigenen Angaben mit der Anordnung der Schutzkleidung auf teils brenzlige Situationen im vergangenen Jahr. „Durch den erhöhten Zulauf von Flüchtlingen und der damit verbundenen, erhöhten Belegungssituation in den Einrichtungen ist es naturgemäß auch zu einer Erhöhung der Situationen gekommen, in denen der Sicherheitsdienst und auch die Polizei einschreiten mussten“, heißt es aus Braunschweig. Bekannt sind beispielsweise Vorfälle aus dem Raum Hannover , wo Sicherheitsleute mit Gabeln oder Tellerscherben attackiert wurden. 2014 wurden allerdings auch mehrere Fälle bekannt, in denen sich Security-Mitarbeiter an Flüchtlingen vergangen haben sollen. (Weiterlesen: Skandal um Misshandlungen in Flüchtlingsheimen weitet sich aus)

Auch im Emsland Pflichtkleidung

Auch in größeren kommunalen Einrichtungen kann eine stichfeste Weste vorgeschriebene Arbeitskleidung sein - je nach dem, was die Kommune in der Ausschreibung verlangt. So gilt dies beispielsweise für die Einrichtung des Landkreises Emsland in den ehemaligen ADO-Produktionshallen in Aschendorf, bestätigt eine Landkreis-Sprecherin. In der Unterkunft können bis zu 1000 Menschen untergebracht werden. Eine derartige Weste lässt sich auch unter der regulären Kleidung tragen. (Weiterlesen: 45 Flüchtlinge beziehen Aschendorfer Notunterkunft)

Sicherheitsverband fordert Gesetzesänderung

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) nennt die Situation rund um Flüchtlingsunterkünfte mancherorts sehr angespannt. „Die Sprachbarrieren sowie kulturellen Unterschiede sind sehr konfliktträchtig“, sagt eine Verbandssprecherin. Wie viele Mitarbeiter 2015 im Dienst verletzt wurden, kann der BDSW nicht sagen. Allerdings sei die Zahl der Vorfälle seit Jahresbeginn im Vergleich zum vergangenen Jahr rückläufig.

Mittlerweile sollen es 10.000 Sicherheitskräfte sein, die im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise tätig sind. Im vergangenen Sommer seien es noch 3500 gewesen. Geeignetes Personal zu finden sei „recht schwierig“.

Interkulturelle Kompetenzen

Der Verband fordert, die gesetzlichen Vorgaben an Sicherheitspersonal zu erhöhen. Bislang müssten Beschäftigte 40 Unterrichtsstunden absolvieren. In diesen würden ihnen beispielsweise rechtliche Grundlagen oder der Umgang mit Waffen vermittelt. Der Verband spricht sich dafür aus, dass in diesen Kursen auch interkulturelle Kompetenzen vermittelt werden, um Sicherheitsmitarbeiter auf die Tätigkeit in Flüchtlingsunterkünften adäquat vorzubereiten.

Mehr zur Flüchtlingskrise auf der Themenseite www.noz.de/fluechtlinge


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN