zuletzt aktualisiert vor

Anschlag in Salzhemmendorf Angeklagte gestehen Anschlag von Salzhemmendorf

Ein Trio hat einen Brandanschlag auf eine Wohnung von Asylbewerbern in Salzhemmendorf verübt. Foto: dpaEin Trio hat einen Brandanschlag auf eine Wohnung von Asylbewerbern in Salzhemmendorf verübt. Foto: dpa

Hannover. Im Prozess um den Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Salzhemmendorf haben die Angeklagten die Tat gestanden. Hauptauslöser sei Alkohol gewesen, betonten sie zum Prozessauftakt.

Seit Mittwoch müssen sich zwei junge Männer und eine Frau wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes am Landgericht Hannover verantworten. In Erklärungen, die ihre Verteidiger verlasen, gestanden die beiden Männer die Tat.

Die 24, 25 und 31 Jahre alten Angeklagten sollen i m vergangenen August aus fremdenfeindlicher Gesinnung einen Molotowcocktail durch das Fenster in die Wohnung einer Familie aus Simbabwe geworfen haben. Die 34-jährige Mutter und ihre drei kleinen Kinder schliefen in einem Nebenraum und blieben unverletzt. Die von einem Nachbarn alarmierte Feuerwehr konnte die Flammen löschen, bevor sie auf andere Räume übergriffen. (Lesen Sie auch: Feuerwehrmann gesteht Brandstiftung in Flüchtlingsheim)

Der ausländerfeindliche Anschlag in dem 10.000-Einwohner-Ort im Weserbergland hatte großes Entsetzen ausgelöst. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte bei einem Besuch am Tag danach: „Ich bin tief bestürzt darüber, dass eine Familie, die vor Gewalt geflüchtet ist, bei uns erneut Gewalt erleben musste.“ Die 34-jährige Bewohnerin wird am Mittwoch als Zeugin vor Gericht erwartet.

Angaben zur Tat?

Die drei Angeklagten werden zum Prozessauftakt voraussichtlich Angaben zur Tat machen. „Es sind Leute, die aus der Mitte der Gesellschaft kommen“, sagte der Verteidiger des 31-Jährigen, Roman von Alvensleben. Seinem Mandanten sei die Tat „unangenehm“ und sie tue ihm leid. Der 25-jährige Angeklagte war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Salzhemmendorf und hatte sogar bei den Löscharbeiten geholfen. In ihrer polizeilichen Vernehmung hatten beide Männer sowie die 24-jährige Frau nichts zu ihren Motiven gesagt.

Politik und Polizei beobachten mit Sorge die steigende rechte Gewalt gegen Flüchtlinge in Deutschland. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben des Bundesinnenministeriums 95 Brandstiftungen gegen Asylunterkünfte. Die Zahlen können sich wegen teils laufender Ermittlungen noch verändern. 2014 waren dagegen nur sechs rechts motivierte Brandstiftungen gegen Flüchtlingsheime gezählt worden. (Lesen Sie auch: Falschmeldungen zu Flüchtlingen auf einer Karte dokumentiert)


Blaulichtradar: Was ist in Ihrer Region passiert?
Was soll angezeigt werden?
current-position

Ausländerfeindliche Anschläge in Deutschland

Politik und Polizei beobachten mit Sorge die steigende rechte Gewalt gegen Flüchtlinge in Deutschland. Unter den vielen Attacken sind auch Anschläge, bei denen der Tod von Menschen in Kauf genommen wurde. Einige Beispiele:

29. Januar 2016: Villingen-Schwenningen, Baden-Württemberg: Unbekannte werfen eine scharfe Handgranate über einen Zaun auf das Gelände einer Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Die mit Sprengstoff gefüllte Granate explodiert jedoch nicht, niemand wird verletzt.

28. Januar 2016: Barsinghausen bei Hannover, Niedersachsen: Bei zwei Brandanschlägen innerhalb weniger Tage wird zuerst der Rohbau eines Flüchtlingswohnheims zerstört, danach gehen vier Dienstwagen der Stadt in Flammen auf.

27. Januar: Schmölln, Thüringen: Etwa 15 Jugendliche attackieren zwei junge alte Flüchtlinge. Sie werden durch Schläge ins Gesicht und eine Bierflasche auf den Kopf verletzt.

22. Januar: Ense, Nordrhein-Westfalen: Auf eine Unterkunft für Flüchtlinge werden mehrere Schüsse abgefeuert. Verletzt wird niemand. Der Staatsschutz ermittelt und stellt mehrere Projektile sicher.

10. Januar: Köln, Nordrhein-Westfalen: Rechte Schlägertrupps nehmen die Attacken auf Frauen in der Silvesternacht zum Anlass, um in Köln willkürlich männliche Ausländer zu verprügeln. Die Polizei berichtet von mehreren Verletzten.

4. Januar: Dreieich, Hessen: Am frühen Morgen wird mehrfach auf ein Flüchtlingsheim gefeuert. Ein 23-Jähriger wird durch Schüsse auf das Fenster seines Zimmers am Bein verletzt.

22. Oktober 2015: Havixbeck, Nordrhein-Westfalen: In einem Linienbus beschimpft ein 52-Jähriger einen Albaner mit ausländerfeindlichen Parolen und verletzt ihn durch einen Stich in die Brust.

3. Oktober: Altena, Nordrhein-Westfalen: Nach einem Brandanschlag auf ein von Flüchtlingen bewohntes Haus droht zwei mutmaßlichen Tätern eine Verurteilung wegen versuchten Mordes.

29. August: Salzhemmendorf, Niedersachsen: Bei einem nächtlichen Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft wird ein Brandsatz durch ein geschlossenes Fenster in eine Wohnung geschleudert. Ein Teppich und eine Matratze geraten in Flammen. Eine Frau aus Simbabwe und ihre drei kleinen Kinder, die nebenan schlafen, bleiben unverletzt. Gegen drei Tatverdächtige wird Anklage wegen versuchten Mordes erhoben.

0 Kommentare