Teilweise seit 1964 verschollen Mehr als 1300 ungeklärte Vermisstenfälle in Niedersachsen

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Osnabrück. Wenn Menschen spurlos verschwinden, werden ihre Namen und Fotos in eine Polizeidatenbank eingepflegt. Die Liste ist lang: Mehr als 1300 Menschen gelten derzeit allein in Niedersachsen als vermisst, teilt das Landeskriminalamt mit. Bundesweit wird nach fast 10 000 Menschen gesucht, deren Schicksal ungeklärt ist.

Lars Wunder ist ein Name hinter einem solchen Fall. Der 31-Jährige aus Jemgum im Landkreis Leer kam von einer Feuerwehrfeier am Nikolausabend nicht mehr heim. Oder Mutter und Tochter aus Drage, die seit dem Sommer vermisst werden. Der Familienvater wurde zwischenzeitlich tot aus der Elbe geborgen. Der Rest der kleinen Familie ist weiter verschollen. (Weiterlesen: Drage: Mutter und Tochter bleiben verschwunden)

Ihre Bilder und Namen sind bundesweit bekannt. Rasend schnell verbreiten sich die Vermisstenmeldungen von Polizei oder Verwandten mittlerweile über soziale Netzwerke wie Facebook. Zehntausende teilen die Beiträge, Hunderttausende lesen Sie. Doch trotz der in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches gestiegenen Aufmerksamkeit bleiben Menschen einfach verschwunden. (Weiterlesen: Ehefrau startet neuen Suchaufruf nach Lars Wunder aus Jemgum)

Wie das LKA Niedersachsen auf Anfrage mitteilt, stammten knapp 500 der insgesamt 1363 Vermisstenfahndungen zum Stichtag 23. Dezember aus dem Jahr 2015. Nach Auflistung des LKA handelte es sich bei fast 160 der Vermissten in Niedersachsen um Kinder, weitere 500 seien Jugendliche. In diesem Jahr registrierte die Polizei einen starken Anstieg der Vermisstenmeldungen. Hintergrund ist laut LKA die hohe Zahl minderjähriger Flüchtlinge, die verschwinden. 133 solche Fälle verzeichnet die Statistik derzeit.

Wird niemand gefunden, werden die Fahndungen in aller Regel nach 30 Jahren aus der Datenbank gelöscht. Es sei denn, es liegen Hinweise auf ein Tötungsdelikt vor. Petra P. aus Braunschweig war so ein Fall. Die Studentin verschwand 1984. Ein Mann wurde später auch wegen Mordes an P. verurteilt, doch von der Leiche fehlte jede Spur. Im September dieses Jahres flog der Schwindel auf: P. lebte jahrzehntelang unter falschem Namen in Düsseldorf. Ihr Name konnte aus der Datenbank gestrichen werden, der vermeintliche Mörder hatte das Vergehen an der jungen Frau schlichtweg erfunden. (Bringt „Aktenzeichen XY“ neue Hinweise im Vermisstenfall Drage? Fakten und Ergebnisse der Juni-Sendung im ZDF)

Laut Bundeskriminalamt klärt sich die Hälfte der Vermisstenfälle innerhalb einer Woche, 80 Prozent binnen des ersten Monats. Menschen tauchen wieder auf, oder Leichen werden gefunden. Täglich können laut BKA in Deutschland etwa 250 bis 300 Fälle aus der Datenbank gelöscht werden. Genau so viele Einträge kämen jeden Tag wieder hinzu.

Nur drei Prozent der Menschen bleiben länger als ein Jahr verschwunden. Die ältesten Einträge in Niedersachsen stammen aus dem Jahr 1964. Nach zehn Jahren können Vermisste nach dem sogenannten Verschollenheitsgesetz für tot erklärt werden. Das ist notwendig, wenn Angehörige eine Lebensversicherung ausgezahlt bekommen oder ihr Erbe antreten wollen. (Mit dpa)


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