Harz hofft auf Arbeitsplätze Forscher wollen im Harz riesigen Schatz bergen

Von dpa

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Eine Bohrplattform schwimmt im Bergteich am Bollrich bei Goslar. Experten vermuten im Sediment der sogenannten Bergeteiche am Bollrich große Mengen wertvoller Metalle, darunter Gold, Silber, Blei und Kupfer. Die Probebohrungen sollen in der letzten November-Woche beginnen. Foto: dpaEine Bohrplattform schwimmt im Bergteich am Bollrich bei Goslar. Experten vermuten im Sediment der sogenannten Bergeteiche am Bollrich große Mengen wertvoller Metalle, darunter Gold, Silber, Blei und Kupfer. Die Probebohrungen sollen in der letzten November-Woche beginnen. Foto: dpa

Goslar. Gold, Silber und seltene Metalle: Forscher vermuten in den Rückständen des alten Goslarer Bergbaus Rohstoffe im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro. Der Schatz soll bald geborgen werden. Der Harz hofft auf Arbeitsplätze.

Eher unscheinbare Gewässer sind die sogenannten Bergeteiche am Bollrich zwischen Goslar und Oker. Doch auf ihrem Grund lagert vermutlich ein riesiger Schatz: Gewaltige Mengen wertvoller Rohstoffe. In dieser Woche sollen die Probebohrungen beginnen, mit deren Hilfe die genaue Lage der Metalle festgestellt werden soll. Experten gehen davon aus, dass sich im Sediment nicht nur große Mengen Gold, Silber, Blei und Kupfer finden werden, sondern auch seltene Sondermetalle wie Indium, das in der Halbleiterproduktion eingesetzt wird.

Mehrere Hundert Millionen Euro

„In den Teichen liegen insgesamt sieben Millionen Tonnen Material“, sagt Prof. Daniel Goldmann von der Technischen Universität (TU) Clausthal. Es handele sich um Reste der Erzaufbereitung des vor Jahrzehnten stillgelegten Bergwerks Rammelsberg. Die Bergbau-Rückstände seien früher in die Teiche geschüttet worden, obwohl darin noch Metalle enthalten waren. Diese habe man seinerzeit nur noch nicht extrahieren können.

„Man kann davon ausgehen, dass in dem Sediment Metall im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro lagert„, meint Goldmann. „Und das ist keine Vermutung auf blauen Dunst.“ Anhand früherer Untersuchungen sei es wahrscheinlich, dass sich unter Wasser etwa 1,5 Millionen Tonnen Gold, 200 Tonnen Silber, etwa 14 000 Tonnen Kupfer sowie rund 70 000 Tonnen Blei, 100 000 Tonnen Zink und eineinhalb Millionen Tonnen Schwerspat (Baryt) befinden.

Besonders Interesse gilt Indium

Abgesehen haben es die Forscher auch auf Sondermetalle wie Kobalt oder Gallium. Von besonderem Interesse sei dabei das äußerst seltene Indium, sagt Goldmann. Es werde in der Halbleitertechnik etwa für Plasmabildschirme oder in der Photovoltaik benötigt. Indium sei in einer Größenordnung von rund 100 Tonnen vorhanden. Alleine dieser Rohstoff habe einen Wert von geschätzt rund 80 Millionen Euro, sagt der Forscher.

Um die Metalle zu orten, zu bergen und später aufzuarbeiten und zu nutzen, hat sich die TU Clausthal mit Firmen und Instituten der Region zum „Recycling-Cluster wirtschaftsstrategische Metalle Niedersachsen“ (Rewimet) zusammengeschlossen. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit zwei Millionen Euro.

Harz hofft auf den Aufschwung

In der alten Kaiserstadt Goslar setzt man große Hoffnungen in das Vorhaben. „Goslar ist eine Stadt der Schätze, der Kulturschätze und natürlich insbesondere der Bodenschätze“, sagt Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU). „Wenn es nun 30 Jahre nach dem Ende des Bergbaus in Goslar gelingt, frühere Nebenprodukte und Abfälle der damaligen Verhüttung zu nutzen, dann lebt nicht nur ein Teil dieser Tradition wieder auf. Dann entstehen auch Arbeitsplätze und wirtschaftliche Perspektiven für die ganze Harzregion.“

300 neue Arbeitsplätze?

Bis Dezember sollen die Bohrungen beendet sein. Anschließend werden die entnommenen Bohrkerne in der TU Clausthal untersucht. Es werde dann noch einige Jahre dauern, bis die Verfahren zur Aufbereitung des metallhaltigen Materials soweit entwickelt seien, dass der Schatz tatsächlich gehoben und aufbereitet werden könne, sagt Goldmann. Für die Aufbereitung solle im übrigen die alte Anlage am Bollrich wieder instand gesetzt werden. Er hofft, dass in der Region dadurch langfristig mehr als 300 Dauerarbeitsplätze entstehen können.


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