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Gefährder im Raum Weser-Ems im Fokus Islamisten: Rückkehrer aus IS-Gebiet in unserer Region

IS-Kämpfer bei einer Parade im syrischen Raqqa. Immer wieder reisen auch Islamisten aus Deutschland ins das Kriegsgebiet, um den IS zu unterstützen. Einige Rückkehrer leben auch in der Region Weser-Ems. Foto: ReutersIS-Kämpfer bei einer Parade im syrischen Raqqa. Immer wieder reisen auch Islamisten aus Deutschland ins das Kriegsgebiet, um den IS zu unterstützen. Einige Rückkehrer leben auch in der Region Weser-Ems. Foto: Reuters

Osnabrück. Gleich mehrere Rückkehrer aus dem Gebiet der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) stehen derzeit in der Region Weser-Ems im Fokus der Sicherheitsbehörden. Ein Teil der Islamisten wird dabei als sogenannte Gefährder eingestuft. Die Behörden gehen also davon aus, dass sie „politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung“ begehen könnten.

Das gilt auch für mindestens eine Person, die sich nach Recherchen unserer Redaktion in der Region Osnabrück aufhält. Ein weiterer Gefährder soll im Raum Emsland/Ostfriesland leben. Auf Anfrage gibt sich das Landeskriminalamt (LKA) in Hannover bedeckt. Man wolle laufende Ermittlungen nicht gefährden, lautet die Begründung. Aus Sicherheitskreisen ist zu erfahren, dass die Personen intensiv überwacht werden.

Zahl der Gefährder gestiegen

Laut LKA stehen derzeit knapp 30 Personen aus der islamistischen Szene im besonderen Fokus der Sicherheitsbehörden in Niedersachsen. Die Zahl sei seit dem vergangenen Jahr um knapp 40 Prozent gestiegen. Etwa die Hälfte der Personen gilt demnach als Gefährder. Die Maßnahmen der Polizei reichten von einer sogenannten Gefährder-Ansprache bis hin zur Observation der Islamisten. Häufige Standortwechsel der Gefährder erschwerten den Ermittlern die Verfolgung, heißt es aus Kreisen. Deutschlandweit soll es nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière mehr als 300 Gefährder geben.

In Bremen hatten Hinweise über mögliche Aktivitäten in Gefährderkreisen im Frühjahr für eine aufsehenerregende Terrorwarnung gesorgt. Polizisten patrouillierten mit griffbereiten Maschinenpistolen in der Hansestadt. Bei Razzien kam es allerdings auch zu Pannen bei der Polizei.

. (Weiterlesen: Islamisten-Angst in Bremen: Festnahme)

64 Islamisten aus Niedersachsen ausgereist

Aus einer Antwort des Innenministeriums in Hannover auf eine Anfrage der CDU geht hervor, dass die Sicherheitsbehörden in Niedersachsen seit Herbst 2012 insgesamt 64 Islamisten registriert haben, die in das Kriegsgebiet nach Syrien oder Irak ausreisen wollten. Dazu zählten demnach auch drei Personen aus der Region Osnabrück und fünf aus dem Raum Oldenburg. Nicht alle sollen dabei aber auch tatsächlich dort angekommen sein. In einigen Fällen verliert sich die Spur beispielsweise in der Türkei.

13 Ausreisende im Kriegsgebiet gestorben

Fest steht nach den Erkenntnissen aber, dass 22 Islamisten nach Niedersachsen zurückgekehrt sind. 13 weitere sollen in dem Kriegsgebiet gestorben sein. Bei 29 weiteren Personen ist der Verbleib offenbar unklar. Die Zahl der Rückkehrer in das Zuständigkeitsgebiet der Polizeidirektion Osnabrück soll „im unteren einstelligen Bereich“ liegen, erklärt das LKA.

Mutter mit Tochter in Dschihad gereist

Nach Informationen unserer Redaktion sollen die Rückkehrer im Raum Weser-Ems auch eine Rolle bei dem Verschwinden einer Mutter aus Osnabrück gespielt haben. Im Januar war bekannt geworden, dass die 26-Jährige gemeinsam mit ihrer vierjährigen Tochter in Richtung IS-Gebiet abgereist war. Die junge Deutsche war zuvor zum Islam konvertiert und hatte sich innerhalb kürzester Zeit radikalisiert. Ihrem Mann soll sie lediglich einen Abschiedsbrief hinterlassen haben mit den Worten, man sehe sich im Paradies wieder. (Weiterlesen: Mutter aus Osnabrück mit Tochter in Dschihad gereist?)

Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover wurden zwar eingestellt. Doch nach unseren Informationen bestätigte sich der Verdacht zu ihrem Aufenthalt: Fahnder sollen ihr Mobiltelefon in den besetzten Gebieten in Syrien und Irak geortet haben. „Polizeiliche und ordnungsbehördliche Maßnahmen“ für den Fall einer Rückkehr seien „bereits initiiert“, teilt das LKA mit.

Mehr zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ auf der Themenseite www.noz.de/is


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