Kindergarten in Oldenburg Wie eine Kita ins Visier von Rechtspopulisten geriet

Eine Kita in Oldenburg ist aufgrund eines Gerüchtes in das Visier von Rechtspopulisten geraten. Symbolfoto: dpaEine Kita in Oldenburg ist aufgrund eines Gerüchtes in das Visier von Rechtspopulisten geraten. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die Kinder in einem Kindergarten der Awo in Oldenburg freuen sich auf ihren Laternenumzug am Freitagabend. Doch in den vergangenen Tagen herrschte in der Einrichtung große Aufregung. Denn Rechtspopulisten aus ganz Deutschland haben aufgebrachte Mails geschickt und Kommentare über Facebook abgegeben.

Der Grund für die Eskalation ist ein Elternbrief der Awo Weser-Ems. „Der wurde von irgendeinem Menschen eingescannt und bei Facebook hochgeladen“, sagt Hannelore Hunter-Roßmann, Sprecherin der Awo Weser-Ems, auf Anfrage unserer Redaktion und bestätigte damit einen Bericht der NWZ .

Gerücht kocht bei Facebook hoch

In dem sozialen Netzwerk kam dann ein Missverständnis auf: Schnell kochte das Gerücht hoch, die Kita hätte den St.-Martins-Zug in Laternenumzug umbenannt – aus Rücksicht auf muslimische Kinder und Eltern. Hunter-Roßmann betont allerdings, dass das Fest seit es die Kita gibt, nicht umbenannt wurde. „Diese Unterstellung entbehrt jeglicher Grundlage.“ Das Kindergartenfest habe schon immer Laternenfest geheißen. Die Nähe zum Martinstag, der nicht am 6. November, sondern am 11. November gefeiert wird, ist reiner Zufall.

Diese Erklärung drang jedoch nicht bis zu den aufgebrachten Kommentatoren durch. Zuerst wurde der eingescannte Elternbrief auf der Facebook-Seite der Awo Weser-Ems gepostet. „Mit Bemerkungen, die nicht so schön waren“, so Hunter-Roßmann.

Dann schlug das Gerücht noch höhere Wellen. Es wurde auf Facebook-Seiten der Partei AfD (Alternative für Deutschland) verteilt. In Kommentarspalten wurden E-Mail- und Webadresse der Awo gepostet. „Wer den linken Erzieherinnen und Erziehern mal einen Online-Besuch abstatten möchte, bitteschön. Und hier kann man gepflegt seiner Meinung dazu kundtun“, heißt es in einem Kommentar.

„Wir sind fassungslos“

„Die Folge für uns waren viele Facebook-Kommentare und Emails, die uns erreichten“, sagte Hannelore Hunter-Roßmann. Eine Kommentatorin schrieb: „Wie die Awo die Kultur der eigenen Bevölkerung mit Füßen tritt. Für mich und weitere Nachfahren heißt es Sankt Martin. Und das haben Andersgläubige auch ohne Namensänderung gefeiert. Also heißt es Sankt Martin!!!!!!“

Das alles ist auch an den Mitarbeitern der Kita nicht spurlos vorbei gegangen. „Wir sind fassungslos darüber, wie sich das entwickelt hat“, sagt Hunter-Roßmann. Die Freude am Laternenfest am Freitagabend wollen sich Kinder, Eltern und Mitarbeiter aber nicht verderben lassen. „Schließlich haben die Kinder viel vorbereitet.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN