Bündnis sammelt Unterschriften Bremer Kampagne gegen Billigfleisch in Kitas und Mensen

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Statt Fleisch von Tieren aus der Massentierhaltung soll Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren in Mensen und Kantinen ausgegeben werden. Dafür setzt sich das Agrarpolitische Bündnis Bremen ein. Foto: dpaStatt Fleisch von Tieren aus der Massentierhaltung soll Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren in Mensen und Kantinen ausgegeben werden. Dafür setzt sich das Agrarpolitische Bündnis Bremen ein. Foto: dpa

Osnabrück. In Kitas, Schulen und Firmenmensen in Bremen soll in Zukunft kein Fleisch von Tieren aus Massentierhaltung mehr über die Theke gehen. Das fordert das Agrarpolitische Bündnis Bremen. Die Grünen befürworten den Vorstoß.

Fleisch von Tieren aus Massentierhaltung soll in Kitas, Schulen und bei öffentlichen Veranstaltungen in Bremen nicht mehr auf den Tellern landen. Um das zu erreichen, hat das Agrarpolitische Bündnis Bremen (ABB) vor einiger Zeit eine Unterschriftenkampagne gestartet. 4000 Unterschriften werden benötigt, damit sich die Stadtbürgerschaft mit dem Thema beschäftigt. Mehr als 5100 Unterschriften sind inzwischen zusammengekommen. Am Donnerstag soll die Liste überreicht werden.

Drei Forderungen

Konkret geht es dem Bündnis bei der Aktion um drei Punkte: „Bei öffentlichen Festen oder Tagungen soll es ab 2016 kein Fleisch mehr aus der Massentierhaltung geben. Außerdem soll die Bürgerschaft bis Ende des Jahres einen Aktionsplan vorstellen, wie bis 2020 die Beschaffung von Lebensmitteln für die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung auf Produkte aus artgerechter Tierhaltung umgestellt werden kann und schließlich soll der Anteil von Milch- und Fleischprodukten in der öffentlichen Beschaffung von Lebensmitteln bis 2020 auf 25 Prozent gesteigert werden“, erklärt Peter Bargfrede Sprecher des ABB. In Bremen essen täglich rund 50000 Personen in kommunalen Kitas, Schulen, Mensen, Kantinen und Krankenhäusern.

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Dem Bündnis geht es dabei nicht nur um ethische Fragen wie die Tierhaltung. Auch der Gesundheitsaspekt spielt laut Bargfrede eine Rolle. Denn Fleisch aus der Massentierhaltung sei stark mit Antibiotika belastet. „Wir wollen auch regionale Landwirte unterstützen, die ökologisch anbauen oder Tiere artgerecht halten.“

Kitas vorbildlich

In den Kindertagesstätten gebe es bereits gute Ansätze. „Sie versuchen bereits, Fleisch aus der Region zu verwenden. Bis zu 70 Prozent der Essensbestandteile sind aus ökologischem Anbau“, sagt Bargfrede. Anders sehe es in Schulen und Kantinen aus: Dort seien es lediglich drei Prozent. Das geht auch aus der Großen Anfrage hervor, die SPD und Grüne im vergangenen Jahr an den Senat gerichtet haben. Genaue Vorgaben hinsichtlich der Lebensmittelherkunft gibt es demnach nicht. Allerdings wird „empfohlen, (...) Fleisch aus artgerechter Tierhaltung“ zu berücksichtigen. Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung seien empfehlenswert.

Der Bremische Landwirtschaftsverband (BLV) begrüßt die Unterstützung der regionalen Landwirtschaft. Aber: „Konventionelle und ökologische Landwirtschaft tragen nur gemeinsam zu unserer Ernährung bei“, betont Heike Klatte vom BLV. Der Verband sieht es als nachhaltiger an, „bei der umwelt-politischen Bildung anzusetzen und alle Kinder von landwirtschaftlich geschulten Menschen auf den Bauernhöfen aufzuklären“.

Thema im Koalitionsvertrag verankert

Nach Aussage des Grünen-Sprechers Matthias Makesch rennt das ABB mit der Unterschriftenkampagne offene Türen ein. Bremen ist seit diesem Jahr Bio-Stadt und auch beim Koalitionspartner SPD habe ein Umdenken stattgefunden. „Im neuen Koalitionsvertrag haben wir festgehalten, dass wir Schulen und Kitas bei der Umstellung unterstützen wollen“, sagt Makesch. Auch mit den Betreibern öffentlicher Kantinen sollen Vereinbarungen diesbezüglich getroffen werden. Schließlich käme es durch die Umstellung zu höheren Kosten.

Studie: Geringe Mehrkosten

In diesem Punkt rechnet auch Bargfrede mit Kritik. Er verweist auf eine Studie, die die Firma a’verdis aus Münster für eine Münchener Firma erstellt hat. Demnach sind die Mehrkosten bei der Verwendung von Produkten aus artgerechter Tierhaltung nur gering. „Werden Produkte eins zu eins ausgetauscht, dann wird es teurer. Aber wenn es nur an zwei, drei Tagen in der Woche Fleisch gibt, hält sich das in Grenzen. Die Mehrkosten bei Biogemüse sind vernachlässigbar“, sagt auch Bargfrede.

SPD und Grüne wollen Kitas und Schulen etwa durch einen zentralen Einkauf entlasten. So könnte der Preisanstieg gedämpft werden. Der zu erwartende höhere Preis soll für die Berechtigten des Bremen-Passes zulasten des Sozialetats gedeckt werden.

Projekt in Kitas geplant

Um herauszufinden, wie hoch die Kosten für Öko-Produkte tatsächlich sind, sollen sechs Kindertagesstätten 18 Monate lang zu hundert Prozent auf Bio setzen. Die Mehrkosten sollen von Paten übernommen werden. Noch sei das Projekt aber nicht vollständig finanziert.

Kann das AAB den Antrag einreichen, bleibt abzuwarten, wie sich der Senat verhält. In der Großen Anfrage gab dieser keine richtige Antwort auf die Frage, welche Pläne er verfolgt, den Anteil an biologischen, regionalen und saisonalen Nahrungsmitteln für die Schulen und Kitas in Bremen gegebenenfalls zu erhöhen.


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