Verfassungsschutz schult Betreiber Salafisten suchen Kontakt zu Flüchtlingen in Niedersachsen

Traumatisiert, orientierungslos und mit mangelnden Deutschkenntnissen landen Tausende Flüchtlinge in den Erstaufnahmelagern der Republik. Ein Umstand, den Salafisten ausnutzen. Nach Informationen des niedersächsischen Verfassungsschutzes soll es bereits vereinzelt zu Anwerbeversuchen gekommen sein. Foto: Michael GründelTraumatisiert, orientierungslos und mit mangelnden Deutschkenntnissen landen Tausende Flüchtlinge in den Erstaufnahmelagern der Republik. Ein Umstand, den Salafisten ausnutzen. Nach Informationen des niedersächsischen Verfassungsschutzes soll es bereits vereinzelt zu Anwerbeversuchen gekommen sein. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Traumatisiert, orientierungslos und mit mangelnden Deutschkenntnissen landen Tausende Flüchtlinge in den Erstaufnahmelagern der Republik. Ein Umstand, den Salafisten ausnutzen. Nach Informationen des niedersächsischen Verfassungsschutzes soll es bereits vereinzelt zu Anwerbeversuchen gekommen sein.

Täglich flüchten Tausende von Menschen aus den Krisenregionen dieser Welt nach Deutschland. Nur mit spärlichen Informationen und fehlenden Deutschkenntnissen warten sie in den Ernstaufnahmelagern und Flüchtlingsunterkünften auf Asyl. Eine Situation der Hilflosigkeit. Und eine Situation, die Salafisten in der Bundesrepublik für ihre Zwecke ausnutzen.

Salafisten vor niedersächsischen Unterkünften

Bereits vor mehreren Wochen rief der salafistische Prediger Pierre Vogel seine Anhänger auf, Flüchtlinge in Unterkünften gezielt anzusprechen, Hilfe anzubieten und die Menschen für die Bewegung zu rekrutieren. So sind bereits in Nordrhein-Westfalen und Bremen vereinzelte Fälle von Werbungsversuchen registriert worden. Auch in Niedersachsen habe es salafistische Aktivitäten von Da‘wa (übersetzt: Ruf, Einladung, Werbung, Propaganda) gegeben, sagt Anke Klein, Pressesprecherin des niedersächsischen Verfassungsschutzes im Gespräch mit unserer Redaktion.

Einzelne Anwerbeversuche

„Es handelt sich derzeit um Einzelfälle. Das passiert nicht massenhaft“, so Klein, die keine exakten Zahlen nennen möchte. Darüber hinaus steche keine niedersächsische Stadt bei der Zahl der Anwerbeversuche besonders heraus. Salafisten würden in mehreren Städten auftreten. Ein Gebiet, in dem besonders viele Flüchtlinge angesprochen werden, gebe es aktuell nicht.

Unbegleitete Flüchtlinge besonders gefährdet

Vor allem jugendliche, unbegleitete Asylbewerber seien besonders gefährdet. „Diese jungen Menschen haben Traumatisches erlebt, sind orientierungslos und beeinflussbarer als Erwachsene“, sagt Klein. Wenn Salafisten sie mit einem Fahrdienst, einer Einladung zum Gebet oder Geschenken überraschen würden, seien sie leichter ansprechbar.

Zahl der Salafisten in Niedersachsen steigt

Erst im Mai hatte der Verfassungsschutz vor der wachsenden Zahl von Salafisten in Niedersachsen gewarnt. Während sich 2013 noch 330 Salafisten im Land befanden, stieg die Zahl 2014 auf 400 an. Auch dieses Jahr wachse die Zahl der Anhänger. „Aber nicht mehr so steil wie im Vorjahr“, so Klein.

Schulungen des Landeskriminalamts

Um Kontaktversuche von Salafisten schnell erkennen zu können, schult das Landeskriminalamt Niedersachsen Betreiber und Mitarbeiter von Aufnahmelagern. Schließlich würde man den Menschen nicht ansehen, ob sie lediglich ihre Hilfe anbieten oder sich radikales Gedankengut dahinter verberge, sagt die Pressesprecherin. Die Mitarbeiter lernen, welche Verhaltensänderungen auf eine Radikalisierung deuten und wie Kontaktaufnahmen von Islamisten aussehen. Erste Informationsveranstaltungen für Vertreter der Landesaufnahmebehörden und der kommunalen Ausländerbehörden hätten bereits stattgefunden.

Warnung der Bremer Verfassungsschützer

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hatte am vergangenen Wochenende von vermehrten Werbungsversuchen durch Salafisten in seinem Bundesland berichtet. Mitglieder des salafistischen Vereins „Islamisches Kulturzentrum“ würden demnach vor Unterkünfte vorfahren, Gebetsteppiche ausrollen und arabisch sprechenden Männern Essen anbieten. In Bremen leben derzeit rund 360 Anhänger der extremistischen Ideologie. Die Bremer Verfassungsschützer hatten davor gewarnt, dass sich deren Zahl bis zum Jahresende verdoppeln könnte, wenn die Anwerberversuche nicht unterbunden würden. (Mit Material von epd.)


Beratungsstelle will Jugendliche vor Salafismus schützen

Was machen, wenn es bei Jugendlichen plötzlich Anzeichen dafür gibt, dass sie Gewalt predigenden Salafisten auf den Leim gehen? In Niedersachsen können sich besorgte Angehörige, aber auch Betroffene selbst, seit Mittwoch an eine spezielle Beratungsstelle wenden. „beRATen“ nennt sich das Projekt eines gleichnamigen Vereins. Es zielt darauf ab, junge Menschen von gewaltbezogener und extremistischer Ideologie fernzuhalten und im Bedarfsfall Betroffenen, Angehörigen, Freunden und Bekannten aus dem privaten, schulischen und beruflichen Umfeld Rat und Unterstützung zu gewähren.

Die Beratungsstelle kann man telefonisch unter 0511/700 520 40 erreichen. Außerhalb von Sprechzeiten (werktags von 9 bis 15 Uhr) ist auch ein Anrufbeantworter geschaltet. Die E-Mail-Adresse lautet: info@beraten-niedersachsen.de. Im Internet kann man sich über www.beraten-niedersachsen.de über das Hilfsangebot informieren. (hab)

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