„Report Mainz“ berichtet Wieder Missstände in Schlachter-Wohnungen im Kreis Osnabrück

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Osnabrück. Erneut haben Schlachthof-Arbeiter aus Osteuropa schwere Vorwürfe gegen einen Subunternehmer erhoben. „Report Mainz“ berichtet am Dienstagabend in der ARD über falsche Lohnabrechnungen und verschimmelte Unterkünfte. Wieder im Fokus: Wohnungen im Landkreis Osnabrück, über die bereits unsere Redaktion berichtet hatte.

Dabei hat „Report Mainz“ nach Angaben der Redaktion Missstände in Quakenbrück und Badbergen dokumentiert. Wieder einmal soll dabei auch die alte Molkerei eine Rolle spielen. Hier hatten bereits Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD) im Jahr 2013 selbst die fragwürdigen Lebensumstände der Schlachthof-Arbeiter in Augenschein genommen. Gut ein Jahr später berichtete unsere Redaktion, dass sich wenig an den Zuständen geändert hatte – offenbar bis heute nicht.

220 Euro im Monat für Schlafplatz

„Report Mainz“ will zudem eine Unterkunft in Quakenbrück entdeckt haben, in der der Keller unter Wasser steht und die Küche verschimmelt ist. Für den Schlafplatz hätten die Bewohner 220 Euro im Monat zahlen müssen. Beschäftigt seien die Arbeiter über ein Subunternehmen im „Danish Crown“-Schlachthof in Essen, Landkreis Cloppenburg.

Das Unternehmen zeigte sich laut Mitteilung der Sendung schockiert von den dokumentierten Missständen im Osnabrücker Land. Ein Unternehmenssprecher kündigte an, alles überprüfen zu wollen. Allerdings war in der Vergangenheit immer wieder über ähnliche Fälle berichtet worden.

Danish Crown gehört zu den Fleischunternehmen, die kürzlich eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnet haben. Mit dieser sollten Missstände wie die jetzt dokumentierten eigentlich abgestellt werden. (Weiterlesen: Arbeitsbedingungen für Schlachter sollen besser werden) Zudem wird Danish Crown gemeinsam mit Westfleisch bald einen weiteren Schlachthof im Landkreis Osnabrück betreiben: Im ehemaligen Gausepohl-Schlachthof in Dissen sollen künftig Sauen geschlachtet werden. (Weiterlesen: Wieder Missstände in Schlachter-Wohnungen im Kreis Osnabrück)

Laut „Report Mainz“-Mitteilung bewertet Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies die Umstände im Osnabrücker Land als „grauenvoll und widerlich“. Er sieht sich offenkundig in seiner Forderung bestätigt, dass die Fleischindustrie auf den Einsatz von Subunternehmern weitgehend verzichten sollte. Nur so ließen sich Probleme im Umgang mit Werkvertragsschlachtern beheben.

Die Sendung wird am Dienstagabend um 21.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt.


Per Erlass ist in Niedersachsen geregelt, wie viel Platz einem Menschen zum Leben zu steht. Ein Schlafbereich muss demnach minimal sechs Quadratmeter pro Person bieten. Maximal acht Personen dürfen in diesem Schlafbereich untergebracht werden. Bei den Sanitäreinrichtungen gilt: Für acht Personen müssen mindestens eine Toilette, eine Dusche und zwei Waschbecken zur Verfügung stehen. Einzelne Landkreise haben härtere Maßstäbe. In Vechta hat jeder Arbeiter ein Anrecht auf ein eigenes Zimmer, in Cloppenburg jeder Arbeiter Anspruch auf mindestens acht Quadratmeter Fläche. Weil sich die Mindestanforderungen so sehr unterscheiden, war stets ein Ausweichen der Leiharbeitsfirmen auf Landkreise mit geringeren Standards befürchtet worden.

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