Kooperation für Flüssiggas-Anlage Lies schlägt Iran Terminal in Wilhelmshaven vor

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Der iranische Industrieminister Mohammad Reza Nematzadeh (Mitte) und Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD, r.) blättern in Teheran in einem Buch. Foto: dpaDer iranische Industrieminister Mohammad Reza Nematzadeh (Mitte) und Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD, r.) blättern in Teheran in einem Buch. Foto: dpa

Teheran. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hat dem Iran den gemeinsamen Bau einer Anlage zum Löschen von Flüssiggas (LNG) in Wilhelmshaven vorgeschlagen. Außerdem machte er sich am Montag in Teheran für eine Luftfahrtkooperation mit Tui und dem Flughafen Hannover stark.

Lies sagte, der Iran könne Deutschland helfen, sich weniger abhängig vom Erdgas-Import durch Pipelines zu machen und erneuerbare Energien mit Strom aus flexiblen Gaskraftwerken zu ergänzen. Er sprach im Rahmen einer Delegationsreise mit dem iranischen Minister für Industrie, Bergbau und Handel, Mohammadreza Nematzadeh, und Vertretern des Ministeriums für Verkehr und Städtebau.

Größte Erdgasreserven der Welt

Der Iran verfügt über die größten Erdgasreserven der Welt und könnte nach dem im Sommer vereinbarten Ende der geltenden Sanktionen wieder große Mengen Gas und Öl an westliche Länder liefern. Derzeit lässt seine Regierung zur Ausweitung des Exports LNG-Tankschiffe bauen.

Ein LNG-Terminal in einem deutschen Hafen ist in energiepolitischen Kreisen seit Längerem im Gespräch. Frühere Pläne des Energieversorgers Eon versandeten jedoch. Die Investitionskosten werden auf 800 Millionen Euro geschätzt. Der Iran könnte nach Vorstellungen der niedersächsischen Regierung als Ko-Investor und Gaslieferant in Wilhelmshaven auftreten, wo bereits ein Ölhafen existiert.

Erst müssen Sanktionen fallen

Voraussetzung wäre, dass die im Streit um das iranische Atomprogramm seit 2007 verhängten Handelssanktionen im kommenden Jahr wirklich fallen. Die Aussichten sind offenbar gut: Zahlreiche europäische Politiker und Unternehmen rechnen damit, dass die aktuellen Kontrollen der internationalen Atomenergiebehörde IAEA keine Hinweise auf waffenfähige iranische Atomprojekte zutage bringen – solche wären ein Bruch der internationalen Einigung vom Juli. In diesem Fall blieben die Sanktionen bestehen, die das Land wirtschaftlich stark unter Druck setzen.

Lies sondiert im Rahmen einer Delegationsreise nach Teheran bis Dienstag Kooperationsmöglichkeiten für niedersächsische Unternehmen. Dabei legte er dem iranischen Ministerium für Verkehr und Städtebau ein Konzept für ein deutsch-iranisches Luftfahrtprojekt vor. Demnach soll eine iranische Fluggesellschaft Maschinen des Touristikkonzerns Tui leasen und damit zwei Mal wöchentlich den Flughafen Hannover anfliegen. „Wir wollen damit die Position des Flughafens im internationalen Luftverkehr stärken“, sagte Lies am Montag. Ein Berater des Wirtschaftsministers erläuterte, der Iran könne sowohl eine Beteiligung an dem Luftfahrt- als auch an dem LNG-Projekt aus seinen hohen Devisenbeständen im Ausland finanzieren.

Regierung werde Vorschläge prüfen

Ein hochrangiger Vertreter des iranischen Ministeriums signalisierte Interesse und kündigte an, seine Regierung werde die Vorschläge prüfen. Im kommenden Jahr will auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nach Teheran reisen. Lies zeigte sich zuversichtlich, dass dann bereits erste Vereinbarungen für Kooperationsprojekte unterschriftsreif seien.

VW erwägt Werk im Iran

Konkrete Gespräche über die Errichtung einer Produktionsstätte im Iran führt bereits der Volkswagen-Konzern. Das sagte der iranische Industrieminister Nematzadeh während seines Treffens mit der niedersächsischen Wirtschaftsdelegation unter Lies‘ Leitung. „Wir hatten Gespräche mit Volkswagen und sind zuversichtlich, dass wir zu einer gemeinsamen Investition kommen können“, sagte Nematzadeh. Vereinbart sei, dass Volkswagen erste Machbarkeitsstudien über den iranischen Markt erstelle. „Wir sind nun an dem Punkt, an dem sich Volkswagen einen iranischen Partner aussucht“, fuhr er fort.

Einem Vertreter des Autozulieferers Continental bot der iranische Industrieminister ein Investitionsprojekt zur Fertigung von Autoreifen an – dabei gehe um eines von vier geplanten Projekten. „Wir sprechen auch mit französischen und italienischen Unternehmen“, sagte Nematzadeh, deutete aber an, dass er Continental favorisiere.

Das iranische Ministerium steht nach eigener Darstellung zudem in konkreten Verhandlungen mit Siemens über den Kauf von Lokomotiven für die iranische Staatsbahn.


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