Treffen in Bremen Steinmetze wollen Grabsteine per Post liefern

Von Eckhard Stengel

Letzte Ruhe für Computer-Fans: Auf der Internationalen Gartenschau in Hamburg 2013 wurde im Areal „Grabgestaltung und Denkmal“ auch ein überdimensionaler USB-Stick als Grabstein ausgestellt. Das neue Online-Angebot des Aktivkreises Besondere Grabmale dürfte sich auf kleinere Steine konzentrieren, die unter 30 Kilo wiegen und per Post verschickt werden können. Foto: Eckhard StengelLetzte Ruhe für Computer-Fans: Auf der Internationalen Gartenschau in Hamburg 2013 wurde im Areal „Grabgestaltung und Denkmal“ auch ein überdimensionaler USB-Stick als Grabstein ausgestellt. Das neue Online-Angebot des Aktivkreises Besondere Grabmale dürfte sich auf kleinere Steine konzentrieren, die unter 30 Kilo wiegen und per Post verschickt werden können. Foto: Eckhard Stengel

Bremen. Grabsteine lassen sich inzwischen sogar im Internet bestellen. In Bremen treffen sich am Wochenende Fachleute, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Angebot weiter zu verbessern.

Paketboten haben es wirklich nicht leicht. Tagein, tagaus, treppauf, treppab verteilen sie ihre Sendungen bis in die hintersten Winkel der Republik. Was die meisten Normalbürger nicht ahnen: Manchmal müssen die Boten sogar Grabsteine schleppen.

Denn die kann man inzwischen auch im Internet aussuchen und sich per Post zustellen lassen – jedenfalls kleinere Exemplare, die nicht schwerer als 30 Kilogramm sind. In Bremen treffen sich an diesem Wochenende Steinmetze und Bildhauer aus der halben Bundesrepublik, die das Online-Angebot jetzt noch verfeinern wollen. Sie bieten künftig einen Postversand von Mini-Grabmalen an, die nur aus deutschen oder europäischen Steinen gemeißelt wurden und deshalb garantiert unbefleckt von Kinderarbeit sind.

Die etwa zehn Grabfachleute haben sich zu einem Netzwerk namens „Aktivkreis Besondere Grabmale“ zusammengeschlossen, um „die Friedhofskultur zu pflegen und für einen nachhaltigen Umgang mit dem Rohstoff Stein zu werben“, wie sie in einer Pressemitteilung schreiben.

Ein Mitglied des Netzwerks ist die Bremer Steinmetzmeisterin Katja Stelljes. „Es gibt die große Tendenz in der Branche, dass ganz viele Steine als Fertigware aus Übersee importiert werden“, sagt die 45-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Netzwerk-Mitglieder produzieren dagegen nur in ihren eigenen Werkstätten und versichern, lediglich heimische Materialien zu verwenden. „Wir nehmen nicht die baumarktüblichen Steine aus China oder Indien“, sagt Stelljes. „Das ist auch ökologisch sinnvoller, als das Material durch die halbe Welt zu transportieren.“

Noch im Laufe des Jahres wollen die Netzwerk-Mitglieder eine erste Auswahl paketgeeigneter Steine ins Internet stellen. Gegen Aufpreis werden die Namen der Verblichenen eingraviert. Das Porto, ungefähr 15 Euro, zahlt der Empfänger.

Die Obergrenze von 30 Kilogramm orientiert sich an dem, was Paketdienste als Höchstgewicht akzeptieren. „30 Kilo ist für einen Stein ziemlich wenig“, meint Stelljes. Ein rechteckiges Grabmal, schätzt sie, wäre bei einer Dicke von zwölf Zentimetern nur ungefähr 30 mal 25 Zentimeter groß, also nicht viel höher als ein DIN-A4-Blatt.

Für normale Friedhöfe wären solche Steine wohl zu klein. Sie sind eher für neuartige Bestattungsformen gedacht, beispielsweise für Friedwälder. In Bremen könnten die Platten sogar im heimischen Garten landen. Schließlich ist es hier seit Januar erlaubt, Totenasche auf Privatgrundstücken zu verstreuen.

Haben die Steinmetze denn gar kein Mitleid mit den Paketboten? „30 Kilo zu transportieren, ist natürlich keine Freude“, räumt Stelljes ein. Aber wenn die Paketdienste das so anbieten, „dann schöpfen wir das halt aus“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN