Vorreiter-Rolle Niedersachsen schlachtet keine hochtragenden Rinder mehr

Verzichtet werden soll künftig in Niedersachsen auf das Schlachten hochtragender Rinder. Foto: dpaVerzichtet werden soll künftig in Niedersachsen auf das Schlachten hochtragender Rinder. Foto: dpa

Hannover. In Niedersachsen soll als erstem Bundesland das Schlachten hochtragender Rinder unterbunden werden.

In Hannover unterzeichneten am Mittwoch Vertreter von insgesamt 23 Organisationen – darunter landwirtschaftliche Verbände, Schlachthöfe, Viehtransporteure, Tierschützer und Kommunen- eine Vereinbarung, derzufolge ab sofort freiwillig auf die Tötung von Kühen und Färsen in den letzten drei Monaten der Trächtigkeit verzichtet werden soll.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer wertete dies als ersten großen Erfolg einer von diesem Bundesland schon 2014 gestarteten Initiative. Er bekräftigte allerdings den Appell an die Bundesregierung, bundesweit ein Schlachtverbot für hochtragende Rinder zu erwirken.

Der Grünen-Politiker nannte es einen „unerträglichen Zustand“, dass bis heute hin jährlich etwa 10 000 bis 13 000 Kühe und Färsen geschlachtet werden – ohne Rücksicht darauf, dass sie kurz vor dem Kalben stehen. Allein in Niedersachsen dürfte es sich dabei um 1 400 bis 2000 hochtragende Rinder handeln.

Die Folge sei, dass bei der Tötung des Muttertieres die hochentwickelten Föten qualvoll in der Gebärmutter erstickten, weil die Bauchhöhle der tragenden Kuh erst nach rund 20 Minuten geöffnet werde. Die ungeborenen Kälber seien nach wissenschaftlichen Erkenntnissen im letzten Drittel der Trächtigkeit schmerz- und wahrnehmungsfähig.

Bislang ist das Schlachten tragender Rinder tierschutzrechtlich nicht verboten. Untersagt sind lediglich Transporte solcher Tiere innerhalb der letzten zehn Prozent eines Trächtigkeitsstadiums.

Gemäß der jetzt getroffenen freiwilligen Vereinbarung verpflichten sich Landwirte künftig, sich zu vergewissern, dass bei zur Schlachtung vorgesehenen Rindern keine fortgeschrittene Trächtigkeit vorliegt. Wenn Schlachthöfe dennoch eine solche Trächtigkeit feststellen, ist eine Einschaltung der Veterinärbehörden geplant.


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