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18.09.2015, 18:33 Uhr

Demo als Ventil

Ein Kommentar von Hans Brinkmann


150 Traktoren rollten am Freitag durch Hannover. Foto: dpa150 Traktoren rollten am Freitag durch Hannover. Foto: dpa

Hannover. In Hannover haben Tausende von Landwirten ihrem Unmut in einer Demonstration Luft gemacht – dazu ein Kommentar:

Es war wohl eher eine diffuse Gemengelage, die Tausende von Bauern in Hannover auf die Straße trieb: Angst vor den Folgen zu niedriger Marktpreise, Unmut über mangelnde Wertschätzung in der Gesellschaft und Unzufriedenheit im Speziellen mit der Rolle des Agrarministers Christian Meyer. Für all dies schufen die Landvolk-Funktionäre jetzt mit der Protestaktion ein Ventil.

Die Landesregierung täte gut daran, diese Demonstration ernst zu nehmen – auch wenn Rot-Grün zum Beispiel nicht für die Entwicklung auf dem Milch- und Schweinemarkt in Europa verantwortlich gemacht werden kann. Aber Politik hat auch viel mit Psychologie zu tun – etwa damit, ob sich eine Teilgruppe der Gesellschaft von Regierenden vertreten oder eher ausgegrenzt fühlt.

In Niedersachsen waren es die Landwirte über Jahrzehnte gewohnt, dass ein Sachwalter bäuerlicher Interessen das Ministerium führt. Mit Christian Meyer sitzt dort nun einer, der klare Prioritäten im Verbraucher- und Tierschutz setzt – mit einigen Zumutungen für das Landvolk.

Man muss Meyer attestieren, dass manche Auswüchse in der Agrarstruktur und in der Tierhaltung Eingriffe rechtfertigten. Aber mit seiner konfrontativen Art ist es dem Grünen bis heute nicht gelungen, eine Brücke zu seinen Kritikern zu schlagen. Es scheint, als reiche ihm seine eigene Klientel.


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