„Knicksperre“ für Gelenkbusse Zugunfall: Warum steckte Schulbus auf Schienen fest?

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Osnabrück. Mit hohem Tempo raste die Regionalbahn in den Schulbus. Nur durch viel Glück kamen 60 Schüler mit dem Schrecken davon. Einen Tag nach dem Unfall in Buxtehude steht eine Frage im Mittelpunkt: Warum blieb der Schulbus auf den Schienen stecken? Grund könnte eine Knicksperre des Gelenkbusses gewesen sein.

Seit rund einer Woche müssen Schulbusse in Buxtehude eine Umleitung nehmen. Die neue Strecke führt sie im Stadtteil Hedendorf über die Bahnlinie Buxtehude-Stade – bis zum gestrigen Mittwoch ohne Probleme. Direkt hinter den Schienen müssen die Busse scharf rechts abbiegen. Möglicherweise wurde diese Kurve dem am Mittwoch verunglückten Schulbus zum Verhängnis.

Notbremsung kann Crash nicht verhindern

Der Gelenkbus war am Morgen auf den Schienen steckengeblieben. Dank der schnellen Reaktion der Busfahrerin retteten sich alle 60 Schüler rechtzeitig aus dem Bus, bevor ein heranrasender Regionalzug in dessen Heck krachte. Trotz einer Notbremsung konnte der Zugführer den Zusammenstoß nicht verhindern. Im Zug wurde ein Passagier leicht verletzt.

Wieso blieb der Bus auf den Schienen stehen? Grund könnte eine Art „Knicksperre“ sein, die bei Gelenkbussen verhindern soll, dass die Gelenke beschädigt werden, sagte Polizeisprecher Rainer Bohmbach unserer Redaktion. Der Schutzmechanismus setze ein, wenn die Gelenke zu stark gedehnt werden, etwa beim Rangieren oder in engen Kurven. ( Was passiert aktuell in Niedersachsen: der Nachrichtenticker)

Motor schaltet sich automatisch ab

Wird die Schutzvorrichtung aktiviert, schalte sich der Motor automatisch ab, erklärte Bohmbach. Erst eine Werkstatt könne die Sperre wieder entriegeln. So viel Zeit hatte die Busfahrerin am Mittwoch nicht. Als es ihr nicht gelang, den Motor neu zu starten, schickte sie die Kinder direkt aus dem Bus.

Ein Gutachter müsse nun prüfen, ob der Sperrmechanismus einwandfrei funktioniert habe, sagte Polizeisprecher Bohmbach. Denkbar sei auch, dass die Kurve hinter den Schienen zu eng genommen wurde, und die Schutzvorrichtung deshalb auslöste. Dass noch nicht feststehe, ob es tatsächlich der Gelenkschutz war, der zum Liegenbleiben des Busses führte, betonte ein Sprecher der Verkehrsgesellschaft Stade gegenüber Radio Hamburg. „Wir wissen zur Zeit nicht, ob das das technische Problem gewesen ist, oder ein anderes. Das wird jetzt geprüft“, sagte er.

Ermittler befrage Busfahrerin

In den nächsten Tagen sollen Ermittler den Zugfahrer, die Busfahrerin und Zeugen vernehmen. Ob die Busfahrerin noch am heutigen Donnerstag befragt werden kann, stehe noch nicht fest, hieß es bei der Polizei.

Die Beamten werten den Zusammenstoß zunächst als Verkehrsunfall. Das würde sich nur ändern, wenn der verletzte Zugpassagier sich entscheide, Anzeige wegen Körperverletzung zu stellen, erklärte Sprecher Bohmbach.


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