Geschichte für Laien Oldenburg: Archäologin setzt auf Verständlichkeit

Spurensuche in Oldenburg: Am Waffenplatz wurden 2013 alte Kellergewölbe freigelegt. Foto: Ole RosenbohmSpurensuche in Oldenburg: Am Waffenplatz wurden 2013 alte Kellergewölbe freigelegt. Foto: Ole Rosenbohm

Oldenburg. Ihre Erkenntnisse aus Dokumentationen verschiedener Grabungsstellen haben Studenten in einem Buch zusammengetragen. Auf eine Wissenschaftssprache haben sie dabei verzichtet.

Als Bezirksarchäologin Jana Esther Fries als Dozentin mit einem Kurs begann, ein Buch über archäologische Ausgrabungen in Oldenburg zusammenzustellen, und dabei statt wissenschaftlicher Komplexität lieber auf Verständlichkeit Wert legen wollte, stieß sie auf Hindernisse: „In Oldenburg wird das wissenschaftliche Schreiben offenbar stark gelehrt“, sagte Fries. „Es war ein Kampf, den Studierenden zu vermitteln, sie müssten hier nicht alles belegen.“ Aber sie schaffte es, und jetzt ist „Auf Spurensuche mit Bagger und Pinsel“ herausgekommen. In 13 Beiträgen berichten Geschichtsstudenten von Grabungen in der Innenstadt, Oldenburgs „Alder Burg“, dass die Römer hier waren und selbstlosen Juwelieren.

Die spärlich benutzten Fachausdrücke in dem 140-Seiten-Werk werden in einem achtseitigen, verständlichen Glossar erklärt. Über den Unterschied zwischen „Fund“ und „Befund“, zentrale archäologische Fachbegriffe, aber klärt Fries schon im Vorwort auf. Das macht das Lesen über die „Wechloyer Goldscheibenfibel“ leichter: eine Art Brosche, die 1977 ein 18-Jähriger in einem gerade ausgebaggerten Graben fand. Der aufgesuchte Juwelier brauchte nicht lange, um die sensationelle Bedeutung des „Fundes“ zu erkennen, und schickte den Jugendlichen ins Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Ein „Befund“ dagegen – durch Menschen hervorgerufene Veränderungen im Boden wie Mauern, Gruben oder Brandspuren – kann nicht einfach so ins Museum getragen werden. Als 2007 an der Baustelle des Ikea-Marktes Spuren einer 900 Jahre alten Siedlung entdeckt wurden, handelte es sich hierbei hauptsächlich um Befunde.

Ein typisch archäologisches „10000-Teile-Puzzle“ zeigte sich den Grabern 1989/90, als vor dem Bau der innerstädtischen Lambertihöfe auf 2000 Quadratmetern sogenannte Rettungsgrabungen stattfanden, um die Zeugnisse der Vergangenheit rechtzeitig vor den Baggeraktivitäten zu erkunden: Einen Haufen Scherben und sogar vollständig erhaltene Gefäße aus sieben Jahrhunderten fanden die Forscher. Und vor allem erkenntnisreiche Essensreste aus alten Kloaken. „Beste Reste“, heißt es im Buch: Im Markthallenviertel wohnte Oldenburgs Oberschicht. Der Fundreichtum ist immer noch nicht vollständig untersucht.

Viele Inhalte sind so das erste Mal veröffentlicht worden. Selten langarmig und mindestens ein schönes Nachschlagewerk: „Auf Spurensuche mit Bagger und Pinsel“ ist im Isensee-Verlag erschienen und kostet 12,80 Euro.