Seen im Nordwesten Der Dümmer: Gebuddelt von einem Riesen


Osnabrück. Der Dümmer ist der zweitgrößte See in Niedersachsen, aber nur anderthalb Meter tief. Er lockt mit Wassersportangeboten und einer einzigartigen Vogelvielfalt – wenn er nicht gerade mit einer Blaualgen-Plage zu kämpfen hat.

Wenn man der Legende glaubt, hat ein Riese den Dümmer See geschaffen. Er soll einst wutentbrannt die Erde nach Zwergen durchwühlt und dabei jene Vertiefung gebuddelt haben, die nun den Dümmer beherbergt. Ein bisschen nüchterner klingt dann doch diese Theorie: Der See entstand vor mehr als 10000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit, als große Eismassen tauten, der Boden wegsackte und die Mulde sich mit Wasser füllte. (Weiterlesen: Werner Wöstmanns Dümmersee-Song erobert YouTube )

Sollte die Version mit dem Riesen stimmen, hat dieser nicht besonders tief gegraben. Denn der Dümmer ist mit einer Fläche von 13,5 Quadratkilometern zwar der zweitgrößte See Niedersachsens nach dem Steinhuder Meer, seine maximale Wassertiefe beträgt jedoch nur anderthalb Meter. Das macht ihn beliebt bei Wassersportlern. Vor allem Surfer und Segler fühlen sich auf dem Dümmer wohl.

Touristische Infrastruktur

Der See ist namensgebend für den 500 Quadratkilometer großen Naturpark Dümmer, dessen Kernstück er neben den Dammer Bergen und dem Stemweder Berg bildet. Um ihn herum liegen weite Moorlandschaften, vor allem südlich, nördlich und westlich des Sees. Das Ostufer hingegen lockt mit seiner touristischen Infrastruktur. Orte wie Lembruch oder Hüde präsentieren sich klein, aber fein: Sie haben sich den fischerdörflichen Charakter bewahrt und bieten Restaurants, Hotels und Wassersport-Angebote.

In den vergangenen Jahren hat der Dümmer vor allem als „Problem-See“ Schlagzeilen gemacht: Überdüngung und Phosphor aus der Landwirtschaft lassen vor allem bei sommerlichen Temperaturen giftige Blaualgen wuchern. Dann steht der See auf der Kippe, Fische sterben, es stinkt. 2014 und im aktuellen Jahr blieb der Dümmer weitgehend verschont von dieser Entwicklung. Wie Marcel Holy von der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer sagt, hinderten günstige Bedingungen mit vielen Unterwasserpflanzen und Fischen die ungeliebte Blaualgen-Art am Wachsen.

Natürliche Filteranlage

Um das Gewässer langfristig zu stabilisieren, hat die niedersächsische Landesregierung vor zweieinhalb Jahren einen Sanierungsplan beschlossen. Er sieht unter anderem einen Schilfpolder vor, der als natürliche Kläranlage Nährstoffe aus der Hunte filtern soll. Der Fluss durchfließt den Dümmer und trägt die Phosphate aus der im Umland betriebenen Landwirtschaft und aus Haus-Kläranlagen in den See.

Badeverbote wegen Blaualgen hat es in diesem Jahr an den Dümmer-Stränden nicht gegeben. Der niedersächsische Badegewässer-Atlas bescheinigt dem Dümmer mit drei Sternen eine „ausgezeichnete Badewasserqualität“. Ausgewiesene Strände gibt es in Hüde und Lembruch. Aufgrund seiner geringen Tiefe ist der See bei Familien mit Kindern beliebt.

Wo die Könige der Lüfte wohnen

Jenseits seiner Ufer hat der Dümmer viel für Naturliebhaber zu bieten. Die weite Moorlandschaft dient als Nist- und Rastplatz für Vögel. Zehntausende Enten und Gänse überwintern auch hier. Zudem haben sich die Könige der Lüfte angesiedelt: Fischadler und auch ein Seeadler-Pärchen sind in den vergangenen Jahren am Dümmer heimisch geworden.

Die Region lässt sich trefflich mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden. Der Dümmer-Deich-Weg führt auf 18 Kilometern einmal um den See herum und verfügt über vier Aussichtsplattformen. Größere Touren mit dem Rad bieten sich auch in das Umland an. Wer nicht gerade nahe der Dammer Berge oder im Stemweder Berg fährt, kann sich an der flachen Landschaft erfreuen.

Am letzten Wochenende im August ist es jedes Jahr vorbei mit der Ruhe, wenn es heißt „Der Dümmer brennt“. Tausende Menschen strömen dann nach Hüde oder Lembruch und feiern bei Musik, Unterhaltung und einem großen Feuerwerk, das den Abendhimmel über dem See erleuchtet.


Anfahrt: Der Dümmer liegt ganz in der Nähe der Bundesstraße 51. Von dort aus gehen Abzweigungen nach Hüde und Lembruch. Für Zugreisende bietet sich der Bahnhof in Lemförde an. Hier hält stündlich der Regionalzug auf der Strecke Bremen-Osnabrück.

Übernachtungen: In Lembruch, Hüde und Marl gibt es Hotels und Pensionen ganz dicht am See. Auch Ferienhäuser und -wohnungen werden angeboten. Vor allem bei Campern ist der Dümmer beliebt: Es gibt zahlreiche Plätze direkt am Wasser. Informationen unter www.duemmer.de/gast-sein

Historisches: Der Name Dümmer setzt sich vermutlich aus zwei Bestandteilen zusammen: „dummerig“ und „meer“. Erster Begriff bedeutet „feucht“, der zweite bezeichnet einen stillen See. Das Wort „diummeri“ wird 965 erstmals urkundlich erwähnt.

Freizeittipp: Neuerdings kann man den See auf einem „BBQ-Donut“ erkunden. In diesen runden Schlauchbooten lässt es sich Grillen oder Kaffeetrinken, und Getränke können gleich mit an Bord genommen werden. Die Boote werden in Lembruch vermietet.

Muss man gemacht haben: Die Naturschutzstation in Hüde bietet vogelkundliche Führungen zum Dümmer an. Ein echtes Highlight für Naturliebhaber. Sportliche Naturfreunde sollten einmal auf dem Deichweg um den Dümmer herum radeln oder wandern.

kück

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