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29.08.2015, 07:30 Uhr 100.000 MEGAWATTSTUNDEN „ABGEREGELT“

Vernichtung von Windstrom: Bitter, aber das geringere Übel

Ein Kommentar von Christian Schaudwet


Querschnitt eines Seekabels, mit dem Offshore-Windparks angeschlossen werden. Probleme gibt es vor allem beim Netzausbau an Land. Foto: dpaQuerschnitt eines Seekabels, mit dem Offshore-Windparks angeschlossen werden. Probleme gibt es vor allem beim Netzausbau an Land. Foto: dpa

Osnabrück. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet TSO hat 2014 in Niedersachsen 100.000 Megawattstunden Windstrom „abgeregelt“, weil das Netz sie nicht aufnehmen konnte. Zahlen müssen die Verbraucher dafür trotzdem.

Man kann eigentlich nur die Hand vor den Kopf schlagen: Privatverbraucher zahlen über das Netzentgelt für Windstrom, den sie nie erhalten haben. Strom, der absichtlich vernichtet wurde, weil im Netz kein Platz für ihn war.

Das ist absurd, aber es gibt dafür Gründe. Der gewichtigste: Politiker wie auch Planer in Verwaltung und Wirtschaft haben das Hinterland unterschätzt. Sie hätten voraussehen müssen, wie aufwendig und politisch schwierig es ist, den im Norden reich geernteten Windstrom in Industrie- und Ballungsgebiete zu leiten, wo er in vollem Umfang verwertet werden kann. Stromtrassenbau – ob Erdkabel oder Freileitung – bedeutet Eingriffe in die Lebenswelt von Menschen.

Viel früher hätte diskutiert und vermittelt werden müssen, hätten Behörden, Unternehmen und Politiker aller Ebenen Überzeugungsarbeit leisten müssen. Stattdessen beschränkte sich die deutsche Energiedebatte lange auf die Stromerzeugung und deren Kosten.

Dennoch: Das Problem ist erkannt. Früher oder später wird der Windstrom dorthin fließen, wo er genutzt werden kann, werden auch neue Speichertechnologien helfen, das Missverhältnis zwischen Erzeugung und Verwertung zu beheben.

Verglichen mit den Kosten, die eine Verstromung von noch mehr Kohle, Uran und Plutonium verursachen würde, ist das Netzentgelt das geringere Übel.


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