Boom: Radeln mit Elektro-Schub E-Bike als Alternative zum Auto im Stadtverkehr

Von Michael Schwager


Osnabrück. Elektrofahrräder haben das Opa-Image abgelegt und sind  inzwischen auch für neue, jüngere  Zielgruppen interessant. Manche sprechen schon von einem Boom. Fahrradhändler in der Region Osnabrück profitieren davon.

„Subjektiv verkaufe ich nur noch in E-Bikes“, sagt Oliver Bücker, Fahrradhändler aus Osnabrück. Und seine Kundschaft besteht schon seit längerer Zeit nicht mehr nur aus Oldies mit Knie- oder Herzproblemen.  Immer mehr Produkte auch mit sportivem Charakter seien auf dem Markt bis hin zu elektrisch unterstützten Mountainbikes, die es erlauben, auch mit hohem Tempo lässig bergauf zu fahren.  „Wir holen jetzt auch wie 50 bis 40-Jährigen ab“, sagt der Geschäftsmann.

Nicht durchgeschwitzt

Die Osnabrückerin Marietta Spitzer gehört zu dieser Zielgruppe. Für sie ersetzt das E-Bike den Dienstwagen. Sie besucht ihre Klienten im ambulant betreuten wohnen, die im gesamten Stadtgebiet verteilt sind. Da kommt es vor, dass die Sozialpädagogin von Eversburg nach Voxtrup fahren muss. Mit dem Auto hat sie bei ungünstiger Verkehrslage dafür auch schon mal eine Stunde benötigt. Mit dem E-Bike bei schafft sie das meist schneller - und dazu weht ihr noch der frische Fahrtwind um die Nase. Was ihr an dem Fortbewegungsmittel besonders gefällt: „Ich  komme nicht durchgeschwitzt bei meinen Klienten an.“ Marietta Spitzer sucht sich für ihre Touren vor allem wenig befahrene Strecken. 30 bis 50 Kilometer legt sie schonmal in einer Schicht auf ihrem E-Bike zurück. Ihr Fazit: „Mein E-Bike macht mich frei.“

Chancengleichheit

Das gilt auch für radelnde Paare, schreibt der Radfahrerverband ADFC: Wenn ein Partner viel schneller fährt als der andere, kann der Gemütlichere mit dem Pedelec wieder mithalten und die gemeinsame Freude am Fahrrad fahren kehrt zurück.

Gefahr: Hohes Tempo

Marietta Spitzer erledigt auch Einkäufe mit ihrem neuen Zweirad. Ein Nachteil gegenüber dem muskelgetriebenen Drahtesel: Es ist sehr schwer. Und nicht ganz ungefährlich wie die Elektroradlerin einräumt. „Man ist schon sehr schnell.“ Da komme es auch gelegentlich zu brenzlichen Verkehrssituationen. Und teurer als ein normales Tourenrad sei ein E-Bike auch, wenn man Wert auf gute Qualität der Komponenten und einen leistungsstarken Akku mit einer akzeptablen Reichweite lege. Etwa 2000 Euro habe sie in ihr Pedelec investiert. 

„Fit mit dem Pedelec“

Das bestätigt auch Hans Szypulski, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der Landesverkehrswacht Niedersachsen aus Georgsmarienhütte. „Wir bieten extra Seminare an unter dem Titel „Fit mit dem Pedelec“. Darin geht es nicht nur um die Technik und die rechtlichen Definitionen: Dass zum Beispiel ein Pedelec verkehrsrechtlich dem Fahrrad gleicht, weil es nur dann elektrische Schubhilfe gibt, wenn der Fahrer auch tritt. Und das auch nur bis zu einem Tempo von 25 Stundenkilometern.   In den Seminaren geht es auch um die Vermittlung sicheren Verkehrsverhaltens. „Wer lange nicht mehr mit dem Rad gefahren ist, vielleicht weil er es nicht mehr gekonnt hat, sollte sich bei Elektrorad vorsichtig wieder herantasten“, rät Verkehrsexperte Szypulski.

Alternative zum Auto

Das sieht auch Fahrradhändler Oliver Bücker so. Aber aus seiner Sicht sorgt das Pedelec für eine ganz neue Form der Bewegung, die inzwischen in breiten Kreisen positiv besetzt ist. Denn mit dem Pedelec könne man auch mit Sakko und Fahrradhelm flott beim Geschäftspartner oder Kunden ankommen. Die Verkehrslage in den Innenstädten mache die Fahrräder mit elektrischem Rückenwind zur attraktiven Alternative zum Auto.

Leasingmodell

Inzwischen gebe es für Arbeitnehmer sogar gute Alternativen zum Kauf eines E-Bikes. Wer nicht kauf möchte, kann unter Umständen für ein Leasingmodell wählen, bei dem der Arbeitgeber für seinen Mitarbeiter das E-Bike anmietet. Die Rate zahlt der Arbeitgeber, zieht sie jedoch vom zu versteuernden Einkommen des Mitarbeiters ab, so dass für den ein Steuerspareffekt eintritt. Bei den Stadtwerken Osnabrück zum Beispiel hätten sich inzwischen schon so viele Mitarbeiter an der Aktion beteiligt, , erzählt Bücker, „dass Sie schon mit einem starken Weitwinkelobjektiv auf eine hohe Leiter klettern müssten, um die alle auf ein Foto zu bekommen“.