Behörde weitet Öffnungszeiten aus Chaos im Bremer Stadtamt

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Die Schlange am Stadtamt reicht dieser Tage oft bis auf die Straße. Foto: PolizeiDie Schlange am Stadtamt reicht dieser Tage oft bis auf die Straße. Foto: Polizei

Bremen. Das Bremer Stadtamt ist chronisch überlastet. Die Folgen: lange Wartezeiten, kranke Mitarbeiter und Mehrarbeit für die Polizei, wenn zu viele Flüchtlinge nicht durch die Ausländerbehörde registriert werden.

Voll ist es beim Bremer Stadtamt immer, aber während der letzten Wochen quoll die Behörde regelrecht über. Der Sicherheitsdienst musste im Amt in der Stresemannstraße Wartende herausbitten, die sich ins Treppenhaus gesetzt und dabei die Fluchtwege versperrt hatten. Auch im Bürger-Service-entrum Mitte entstanden Warteschlangen bis auf den Fußweg.

Der Anstieg auf über 150 Prozent der täglichen Besucherzahl hat nach Meinung von Stadtamtschefin Marita Wessel-Niepel vor allem einen Grund: die Sommerferien. „Die Leute wollen jetzt in Urlaub fahren und merken, dass ihr Personalausweis und auch der Reisepass abgelaufen sind“, sagt Wessel-Niepel.

Mittlerweile meldet sich die Mehrzahl der Kunden vorher an. „Wir sind mit der Terminvergabe aber schon im September“, so die Amtsleiterin. Bei kurzfristigen Anliegen bleibt nur der unangemeldete Besuch. Die Gäste können sich ab heute schon um 6.30 Uhr anstellen statt wie bisher um 7 Uhr.

Was die Überlastung für die Kunden bedeuten kann, erfuhr auch Jochen Kopelke, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), bei der die Hälfte der etwa 500 Mitarbeiter in dem Amt organisiert ist. Als er sein Auto abmelden wollte, wartete er 75 Minuten, bis er endlich an der Reihe war.

Kopelke kennt auch die Probleme der Bediensteten sehr gut. Seit Jahren werde bei diesen eine erhöhte Krankheitsrate beobachtet. „Die Arbeit in der Behörde macht krank. Das hat ein ärztliches Gutachten schon vor sechs Jahren belegt“, sagt Kopelke. 33 Krankheitstage hatte der durchschnittliche Mitarbeiter im vergangenen Jahr. Der Bundesdurchschnitt liegt etwa bei der Hälfte. „Besonders die Taktung der Arbeit macht krank. Wenn sie 15 Minuten pro Fall haben und bereits morgens sehen, dass kein Ende in Sicht ist, dann entsteht ein enormer Stress“, sagt Kopelke.

Auch die Polizei in Bremen bekomme zusätzliche Arbeit, etwa wenn es in der Ausländerbehörde nicht gut laufe. „Wenn die mit dem Andrang der Flüchtlinge nicht zurechtkommen, landen diese abends auf den Polizei-Revieren. Wenn die Behörde zu ist, müssen diese die Personalien aufnehmen und auch die Flüchtlinge zur Zentralen Aufnahmestelle bringen“, sagt Kopelke. „Wir hatten letzte Woche in einer Nacht mehr als 20 Flüchtlinge in der Innenstadt im Revier stehen.“

400000 Euro stünden zwar bereit, um mehr Personal für die Ausländerbehörde zu beschaffen, so Kopelke. Das sei zu wenig für die zusätzlichen 80 Stellen, die Kopelke für nötig hält,

Auch Stadtamtschefin Wessel-Niepel würde sich über mehr Personal freuen. Eine konkrete Zahl wollte sie aber nicht nennen.


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